Osnabrück

Reise durch Automobilgeschichte

- Das Meller Museum bietet Zeitreise durch die Automobilgeschichte. Die Ausstellung zeigt ausschließlich fahrbereite Wagen.

Im Automuseum Melle (bei Osnabrück) riecht es nach Öl und Benzin. Alles erinnert an eine Autowerkstatt. Heiner Rössler, der die Schau vor 27 Jahren mitbegründet hat, sieht das Haus als ein „lebendiges Museum“. Über drei Etagen würden nur „echte, fahrbereite Autos“ gezeigt, betont der 73-Jährige. Insgesamt stehen auf rund 300 Quadratmetern 250 bis 350 Autos aus den vergangenen Epochen der Automobilgeschichte. Die Zahl schwankt, weil die Fahrzeuge nicht im Besitz des Museums sind, sondern von Leihgebern zur Verfügung gestellt werden. Für die Besucher sei das besonders interessant, sagt Rössler. Schließlich werde der Bestand so ständig erneuert.

Einer der Leihgeber ist Günther Dammler. Sein Schatz ist ein Lotus Sportwagen aus dem Jahr 1962. Es ist der erste und einzige Wagen der Welt, der aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellt wurde. „Das ganze Auto besteht aus Plastik“, sagt der pensionierte Diplom-Kaufmann. Daher, so erzählt er mit Besitzerstolz, roste das Auto nicht und verbrauche wegen seines geringen Gewichts wenig Benzin. Die windschnittige Form des Wagens biete zudem wenig Luftwiderstand.

Viele von den Leihgebern sind an der Historie interessiert und stellen dem Museum die Autos zur Verfügung, um „der Allgemeinheit etwas Gutes zu tun“, berichtet Rössler. Die Besitzer übernehmen meist auch die Wartung der Fahrzeuge. Ersatzteile brauchen jedoch die wenigsten. Das sei „eine Erfindung der Autoindustrie“, meint Rössler. Früher seien die Teile eben nachhaltiger gebaut worden.

Mindestens einmal im Monat veranstaltet das Automuseum einen Testtag. Dann werden die zum Teil über hundert Jahre alten Autos gefahren. Auch Rössler sitzt dann am Steuer eines Oldtimers und Museumsbesucher dürfen mitfahren.Die Stadt Melle betrachtet das Automuseum auch deshalb als „Image-Gewinn“, wie Mark Drescher vom Stadtmarketing sagt. Deswegen unterstützt die Stadt das Museum auch finanziell. Das Geld wird aber nur vorgeschossen. „Wir versuchen uns selbst zu tragen“, sagt Rössler. Wichtig sei die ideelle Unterstützung der Stadt, die zum Beispiel an den vielen Wegweisern zum Automuseum sichtbar wird.

Besucher des Museums sind denn auch nicht nur Liebhaber alter Autos. Es kämen auch Autoentwickler namhafter Firmen, um sich von der alten Technik inspirieren zu lassen, berichtet Rössler. So sei ein Techniker eigens aus Bayern angereist, um einen Stanley Baujahr 1919 genauer unter die Lupe zu nehmen. Immerhin hatte ein Stanley-Fahrzeug 1906 den damaligen Geschwindigkeitsrekord von 205,4 Stundenkilometer aufgestellt.

„Dieses Auto hier“, sagt Rössler und deutet auf einen anderen Stanley, „hat richtig Speed und fährt dabei äußerst umweltbewusst.“ Angetrieben werde der Wagen mit Wasserdampf. Dort, wo bei anderen Autos der Motor sitzt, wurde ein Wasserkessel mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern eingebaut. Die Reichweite des Wagens habe zwar nur 50 Kilometer betragen. „Aber man kann ja an jedem Fluss mit einem Schlauch auftanken.“

Der Mitbegründer des Museums kennt von jedem der ausgestellten Autos die technischen Details und meist auch die ein oder andere Anekdote. Wie etwa über das älteste Modell des Automuseums, einen noch intakten Peugeot aus dem Jahr 1896 mit einem in Frankreich gebauten Daimler-Motor. Laut Verkaufsunterlagen fuhr das Auto 20 Stundenkilometer. In Wirklichkeit schaffte das einer Kutsche ähnelnde Gefährt jedoch Tempo 50. Man habe seinerzeit aber einfach Angst gehabt, den tatsächlichen Wert anzugeben, weil sich die Menschen damals vor der Geschwindigkeit gefürchtet hätten, sagt Rössler schmunzelnd.

ddp

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