Geburtstag

Robin Gibb wird 60 Jahre alt

- Hoch singen, hoch fliegen: Sänger Robin Gibb wird am Dienstag 60 Jahre alt – und hat noch viel vor.

Wenn es Abend wird, begibt er sich auf die Couch. Dann blättert er durch ein Buch oder schaut, was im Fernsehen läuft. Manchmal, wenn das Wetter es zulässt, unternimmt er einen Spaziergang durch die wunderschönen Gärten der Umgebung. „Ich bin die Langeweile in Person“, hat Robin Gibb einmal über sich selbst gesagt. Am Dienstag wird der Sänger und Songschreiber 60 Jahre alt.

Die Realität dieses selbsternannten Langweilers sieht ein wenig anders aus: Robin Gibb ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Musikbusiness. Zusammen mit seinem mittlerweile verstorbenen Zwillingsbruder Maurice und seinem älteren Bruder Barry hat er weltweit 100 Millionen Alben verkauft, mit „Massachusetts“, „How Deep Is Your Love“ (1977) und „Night Fever“ (1978) gelangen den Bee Gees popmusikalische Klassiker.

Anders als die Beatles, die Rolling Stones oder vergleichbare Formationen dieses Kalibers liegt der Schlüssel zum Erfolg nicht in ausschweifender Genialität oder einem unverwechselbaren Stil, sondern eher in professionellem Kunsthandwerk: Robin Gibb ist bestens vertraut mit dem Quintenzirkel und hat ein Händchen dafür, aktuelle musikalische Zeitströmungen zurechtzustutzen und in einen allgemeingültigen Sound aus tanzbaren Rhythmen und perfekten Harmonien einzupassen.

Seine Karriere als Songwriter ist dabei nur unwesentlich jünger als er selbst: Geboren 1949 auf der Isle of Man, siedelte seine Familie Mitte der fünfziger Jahre nach Australien um. Robin sang im Chor und schrieb seine erste Komposition mit sechs. Um das spärliche Taschengeld aufzubessern, traten Robin, Maurice und Barry als Gesangstrio unter dem Namen The Rattlesnakes bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf. Ein Radio-DJ taufte sie dann um, ehe die Bee Gees 1965 mit „Wine and Women“ einen bescheidenen Hit hatten.

Doch die entscheidenden Umbrüche in der Popmusik vollzogen sich andernorts: Die Bee Gees packten die Koffer und machten sich auf nach England. Brian Epstein, der Manager der Beatles, hörte ihre Demos und machte sie mit dem Produzenten Robert Stigwood bekannt, der ebenfalls gerade aus Australien nach England übergesiedelt war. Die Single „New York Mining Disaster“ drehte 1967 ihre Runden zunächst in den Rundfunkhäusern: Unbeschriftet, wie sie war, wurde sie von den DJs zunächst für eine Produktion der Beatles gehalten und ging auf Heavy Rotation – der erste Hit.

Es ist wohl der handwerklichen Perfektion geschuldet, dass die Bee Gees eher Hitmaschine denn Stars sind. Auch als Solokünstler („Juliet“, 1983) blieb Robin Gibb eher blass – mag sein helles, das extreme Vibrato nicht scheuende Timbre auch unverkennbar sein. Als Privatperson wurde er nie so richtig zum Dauergast in den Klatschspalten, obwohl es durchaus Anlass dazu gegeben hätte. Denn so langweilig, wie er sagt, geht es beim Herrn Gibb wahrlich nicht zu. Seine Amphetaminsucht, seine religiösen Experimente, seine offene Ehe mit Dwina Murphy Gibb, das uneheliche Kind nach einer achtjährigen Affäre mit der Haushälterin – das alles fand vergleichsweise wenig Beachtung.

Und die Bee Gees? Hatten Robin und Barry eigentlich mit ihrem Bruder Maurice beerdigt. Als „Brothers Gibb“ wollten sie, wenn überhaupt, weitermachen. Doch vor wenigen Wochen nun ließen sie dann doch verlauten, dass sie als Bee Gees vielleicht doch ein Comeback starten wollen.

An Rente ist also für Robin nicht zu denken. Sowieso nicht. „Die meiste Zeit meines Lebens befinde ich mich in Reiseflughöhe“, sagt der selbsterklärte „Mister Langeweile“ – nicht ohne hinzuzufügen, dass er auch in 12.000 Metern Höhe „auf dem Boden bleibe“.

ddp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare