A-cappella-Woche Hannover

Stimmung mit Stimme

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Bis der Laut das Ohr des Zuschauers erreicht, wird er von Maisse teils mit abenteuerlichen Soundeffekten garniert.

Hannover - Zur Eröffnung der 14. Internationalen A-cappella-Woche Hannover hat der Veranstalter Lauschkultur ein denkbar ungewöhnliches Ensemble ausgewählt: Fork, das sind auf den ersten Blick zwei Frauen und zwei Männer aus Finnland, die zu viert Musik machen.

Licht aus, Nebelmaschine an, Bühnenlicht wie beim Stadionkonzert. Erst kommt aus dem Mund nur ein Rhythmus, ein kräftiger Beat, der direkt in den Körper geht. Dann verschmelzen auf der Bühne im Pavillon zwei weitere Stimmen zu Harmonien, ein Männer-Pop-Gesang legt sich darüber. Zur Eröffnung der 14. Internationalen A-cappella-Woche Hannover hat der Veranstalter Lauschkultur ein denkbar ungewöhnliches Ensemble ausgewählt. Keine sorgsam gesetzte Polyfonie, kein großer Chor, Fork betont vor allem den intensiven Rhythmus und die Show. Die allseits bekannten Rock- und Pop-Ohrwürmer inszenieren sie in einer sehr eigenen Art. „We have a couple of rules“, kündigen die Sänger ironisch-warnend gleich zu Beginn des Abends an. Dabei ist es eigentlich vor allem eine Regel, die sie dem Publikum ans Herz legen: Fühlt die Musik im ganzen Körper und habt Spaß.

Fork, das sind auf den ersten Blick zwei Frauen und zwei Männer aus Finnland, die zu viert Musik machen. Nicht ganz richtig. Hinten am Mischpult sitzt auch noch Grégory Maisse, quasi der fünfte Musiker im Bunde. Ohne seine Arbeit wäre diese Eröffnungsparty nicht denkbar gewesen. Tatsächlich kommen zwar alle Töne des Abends live aus ihren Mündern. Doch bis der Laut das Ohr des Zuschauers erreicht, wird er von Maisse teils mit abenteuerlichen Soundeffekten garniert.

Die Arrangements bewegen sich klanglich nah an den Originalen, egal ob diese von Modern Talking oder AC/DC stammen. Neben Anna Asunta übernimmt Mia Hafrén die Frauenparts, während sie sich tänzerisch gern körperbetont und erstaunlich beweglich gibt. Jonte Ramsten und Kasper Ramström wechseln sich in der Beatbox-Abteilung ab und sorgen für treibende Basslinien. Auch wenn die Moderationen manchmal langatmig werden, zeichnet ihr Humor das Programm aus. Ein roter Faden, der sich durch die A-cappella-Eröffnungskonzerte zieht, ist Coldplays „Viva la vida“. 2013 gab es davon eine sehr emotionale Chorvariante der dänischen „Vocal Line“. Fork geht den Song in diesem Jahr schneller an, auch das gekonnt.

Wenn es zwischen all der Energie und Lautstärke dann doch einmal ruhiger wird, wie bei Queens „Bohemian Rhapsody“, merkt man, dass Effekte auch die ein oder andere intonatorische Unsicherheit überdecken. Aber das scheint an diesem Abend zweitrangig, denn die gute Stimmung ist ungebremst. Insgesamt war das ein spannender Auftakt zur A-cappella-Woche, der einmal mehr unterstreicht, wie wunderbar vielfältig die menschliche Stimme ist.

Am Montag singen New York Polyphony um 19.30 Uhr in der St. Martins-Kirche Bennigsen. Beatbox-Klänge gibt es am 
30. April um 20 Uhr im Kulturzentrum Faust.

Rebekka Sambale

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