„Tatort“

Tauchen ohne Tiefgang

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Foto: Borowski und das Tauchboot: Axel Milberg ermittelt unter Wasser.

- Der „Tatort“ will ein aufklärerischer Öko-Krimi sein – doch „Borowski und das Meer“ ist vor allem langweilig. Ein Film aus lauter Krimibausteinen, die man schon 100-mal gesehen hat.

Es gibt im Grunde zwei Arten von „Tatorten“: die düsteren und die hellen. In den düsteren geht die Sonne nie auf, und um alles breitet sich eine seelentrübende Finsternis. „Borowski und das Meer“ gehört zu den hellen „Tatorten“. Ständig sieht man weiße Villen, lichte Strände, gut ausgeleuchtete, aufgeräumte Zimmer und viele Bilder mit Meeresblick. Denn alles, was sich irgendwie auf Schiffen drehen ließ, wurde in diesem Kieler „Tatort“ auf Schiffen gedreht. Oft sind die hellen, kühlen „Tatorte“ besonders beklemmend. Diesmal leider nicht.Bei einer Firmenfeier auf einem schmucken Ausflugsschiff fällt ein Schuss. Der Jurist Jens Adam (Andreas Patton) kippt über die Reling.

Ermittler Klaus Borowski (Axel Milberg) und Assistentin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) lernen die Firma Marex kennen, die Rohstoffe in der Tiefsee abbaut: Es geht um seltene Erden, die man in Mobiltelefonen verarbeitet, es geht um Schürfrechte bei Neuseeland – und um Umweltzerstörung: Wollte der tote Jurist den Mord an einem Whistleblower aufdecken? An einem Edward Snowden der sieben Weltmeere? Klar – ohne das Geißeln von Profitgier geht es bei dem Thema nicht: Da ist die skrupellose Konzernchefin (Karoline Eichhorn), der es nur um Macht und Geld geht. Da ist aber auch die kalte Witwe (Nicolette Krebitz), die den Tod ihres Mannes so reglos aufnimmt. Und dann ist da noch diese zwielichtige südafrikanische Forscherin ohne Alibi, die mit dem Toten eine Affäre hatte. „Seltsamer Fall, seltsame Frauen“, murmelt Borowski irgendwann, damit auch der Letzte merkt, dass es hier um lauter weibliche Charaktere geht, die zu extremen Taten bereit sind.In den bisherigen Folgen gab Axel Milberg seinem Kommissar einen faszinierend abgründigen Charakter: fahrig und zugleich pedantisch, selbstbeherrscht und zugleich aggressiv.

In ihrem ersten „Borowski“ lässt Regisseurin Sabine Derflinger Borowski eher locker und entspannt daherkommen: Seine kranke Kollegin Brandt behandelt er gar mit ausgesuchtem Respekt („Aber Sie nehmen Ihre Tabletten?“). Nie würden sich die beiden so unterhaltsam anzicken wie einst Borowski und Psychologin Frieda Jung.Die Story plätschert in gleichbleibendem Tempo dahin: Es gibt ein paar spektakuläre Aufnahmen, als Borowski mit einem Mini-U-Boot (das der NDR bei Kieler Ozeanforschern geliehen hat) im Meer abtaucht. Und Buchautor Frank Schätzing („Der Schwarm“) hat einen kleinen Auftritt.

Ansonsten ist alles sehr konventionell erzählt: ein Besuch beim Pathologen, ein Ermittlerteam wie ein altes Ehepaar, ein falsches Geständnis zur Halbzeit und die obligatorische Verfolgungsjagd. Lauter Krimibausteine, die man schon 100-mal gesehen hat. Würde das Ganze in einem Münchener Villenvorort spielen, könnte Harry schon mal den Wagen vorfahren.Als schließlich die (fast erwartbare) Wende kommt, will man gar nicht mehr so genau wissen, wer da nun warum böse ist. Der Film, der ein Öko-Krimi sein will, hätte wenigstens ein Stück Bildungsfernsehen über die Ausbeutung der Meere werden können. Aber auch dafür taucht dieser „Tatort“ nicht tief genug.

„Borowski und das Meer“ | ARDKrimi mit Axel Milberg und Sibel Kekilli, Sonntag, 20.15 Uhr

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