Hart umkämpfter Markt

Verlage experimentieren mit Frauenmagazinen

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Foto: Der Medienmarkt für Frauen ist in Bewegung.

Hamburg/München - Ob bunter Promi-Klatsch oder Lesestoff für Menschen mit wenig Zeit: Der Medienmarkt für Frauen ist in Bewegung. Mehrere große Verlagshäuser experimentieren mit Zeitschriften und Online-Konzepten.

Der Zeitschriftenmarkt für Frauen gilt als hart umkämpft. Doch jetzt wagen gleich mehrere große Verlage das Risiko und wollen sich mit neuen Magazinen positionieren. Bei der Namenswahl setzen viele Blattmacher auf knappe englische Begriffe: „Closer“, „Season“, „Cover“ lauten einige Titel, mit denen eine vorwiegend weibliche Zielgruppe und finanzstarke Werbepartner gelockt werden sollen. Manche bieten einen besonderen Shopping-Service im Internet, um die Leserinnen enger ans Blatt zu binden.

Es gebe neue Lücken auf dem Markt, „weil sich die Bedürfnisse der Leserinnen wandeln“, sagt Bettina Wündrich, die für Gruner + Jahr (Hamburg) die Zeitschrift „Season“ entwickelt hat. Dass nun mehrere neue Titel erscheinen, sei kein Zufall. Die Ideen und Konzepte seien ja nicht über Nacht entstanden. „Jetzt, wo sich die Wirtschaft stabilisiert hat, ist ein guter Zeitpunkt, die Magazine zu launchen.“

„Season“ will sich auf „das Wesentliche“ konzentrieren, die Chefredakteurin verspricht eine „geerdete“ Lektüre. In einer Welt der Informationsflut sei weniger mehr: „Unser Ziel ist es, Reduktion und Ruhe zu schaffen.“ Das Blatt für Leserinnen zwischen 29 und 49 Jahren, die wenig Zeit haben, erscheint alle zwei Monate. Es lag am Dienstag zum Startpreis von zwei Euro am Kiosk. Auflage: 350 000. Später soll es 3,50 Euro kosten. Es deckt viele typische Frauen-Themen ab - von Mode und Schönheit über Kochen, Reise, Wohnen bis Job und Garten.

Neu sei ein Spezial-Service zum Einkauf im Internet:Alle rund 400 im Heft präsentierten Produkte könnten direkt über die Onlineseite des Blatts bestellt werden, erklärt Wündrich.

Ein ähnliches „Multimedia“-Projekt kündigte Marquard Media („Cosmopolitan“/München) bereits vor Wochen an: Die Kombination von Frauenmagazin und Online-Shoppingwelt unter dem - natürlich englischen - Arbeitstitel „Hot“ soll demnach auch in diesem Jahr an den Start gehen.

Während bei „Season“ das klare Layout mit viel Weißraum auffällt, kommt „Closer“ (Bauer/Hamburg) deutlich schriller daher. Das People-Magazin soll hauptsächlich Frauen ansprechen und ist in England und Frankreich bereits erfolgreich.

Vor kurzem startete es zum Preis von 1,60 Euro und mit einer üppigen Auflage von 400.000 Exemplaren. Statt auf Hollywood-Glamour wie viele andere People-Magazine setzt das Team um Ex-„Bravo“-Chef Tom Junkersdorf auf hiesige TV-Stars: Christian Rach statt Christina Aguilera, Top Models statt Tom Cruise. „Closer“ will zudem Geschichten aus dem prallen Leben bringen wie „Schwanger mit 43 - der Vater ist erst 16“ oder „Ich liebe einen Transvestiten“.

Das Wochenblatt sei „näher dran an Stars, die wirklich interessieren. Näher dran an den Schicksalen, die uns bewegen“, schreibt Junkersdorf im Editorial.

Unterdessen wird bei Burda in München an einem neuen Monatsmagazin für „anspruchsvolle Frauen ab 30“ gestrickt. Allerdings wollten sich die Macher von „Cover“ nicht wie die Kollegen in Hamburg auf einen Kaltstart verlassen, sondern schickten schon zwei Testausgaben ins Rennen. Diese waren so erfolgreich, dass „Cover“ von August an monatlich erscheint. Ziel sei, die Zeitschrift bei deutschen Leserinnen und bei Werbepartnern zu etablieren, bevor 2013 der internationale Markt erobert werden soll, heißt es im Verlag.

Und auch sonst wird Neues probiert: So haben die Macher der „Freundin" das Potenzial heiratsfreudiger Frauen entdeckt und vor wenigen Tagen das Braut-Heft „Freundin Wedding" herausgebracht. Bei Gruner + Jahr soll in diesem Jahr weitere zwei Male der „Brigitte“-Ableger „Brigitte Mom“ herauskommen.

Bleibt abzuwarten, ob all die Konzepte aufgehen. Immer wieder müssen Verlage gegen sinkende Auflagenzahlen angehen: Laut IVW verzeichnete der Klassiker „Brigitte" im vierten Quartal 2011 im Vorjahresvergleich einen Rückgang der verkauften Auflage um 4,73 Prozent. Wegen einer Krise am Anzeigenmarkt hatte Burda 2009 seine gedruckte Frauenzeitschrift „Amica“ eingestellt. Für „Marie Claire“ (Gruner + Jahr) und „Allegra" (Springer) erfolgte bereits einige Jahre zuvor das Aus.

dpa

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