Filmförderung

Vorsicht, scharfe Kurve!

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Warten auf den Crash: Das Haus in der Kurve aus „Supernova“.

Hannover - Nordmedia ist mit acht geförderten Produktionen auf der Berlinale vertreten, darunter auch „Supernova“ über ein Haus an einer Kurve.

Es gibt einfachere Forderungen: Der Mann suchte ein unbewohntes Haus, das in einer scharfen Kurve neben einer Straße liegt, im Hintergrund sollte eine halbfertige Brücke zu sehen sein. Schwierig, aber nicht unmöglich. Die niedersächsisch-bremische Film- und Medienfördergesellschaft Nordmedia, an die diese Anfrage eines Filmproduzenten herangetragen wurde, informierte einige norddeutsche Location-Scouts. Nach langer Suche entdeckte einer von ihnen die passende Kurve in der Nähe von Stade. Leider ohne Haus. Das Haus allerdings ist entscheidend für die Geschichte. Denn der Film „Supernova“ von Tamar van den Dop erzählt von einer Familie, die im Haus neben der Kurve wohnt - und darauf wartet, dass wieder mal ein Autofahrer ins Gebäude kracht. Vor allem die Tochter hofft, dass für sie ein Prinz mit dem Auto durch die Wand kommt.

Die Kurve war da, was fehlte, war das Haus. Ein Szenenbildner schließlich fand einen Fertighausbauer im Harz, der gerade ein angezahltes, aber nicht abgeholtes Haus übrig hatte. Das Haus wurde mit einem Binnenschiff transportiert und an der Kurve aufgestellt; der Dreh begann, und am 9. Februar hat die niederländisch-belgisch-deutsche Ko-Produktion „Supernova“ auf der Berlinale Premiere.

Auf dem Festival ist Nordmedia in diesem Jahr mit acht geförderten Produktionen vertreten. „Zwischen Welten“ von Regisseurin Feo Aladag geht im Wettbewerb um den Goldenen Bären ins Rennen. Der Film erzählt von einem deutschen Soldaten (Ronald Zehrfeld) in Afghanistan. „Supernova“, die Haus-in-der-Kurve-Geschichte von Tamar van den Dop startet in der Sektion „Generation 14plus“. In der Reihe „Panorama Dokumente“ ist „Der Anständige“ von Vanessa Lapa zu sehen. Und in der Sektion „German Cinema - LOLA@Berlinale“ werden die von Nordmedia geförderten Filme „5 Jahre Leben“, „Ostwind“, „Die schöne Krista“, „Tarzan 3D“ und „Tore tanzt“ gezeigt. Außerdem werden zehn von Nordmedia geförderte Filme beim „European Film Market“ der Berlinale einem internationalen Branchenpublikum vorgestellt.

Den Unterschied zum vergangenen Jahr, in dem kein einziger Nordmedia-Film in einer Reihe der Berlinale vertreten war, erklärt Nordmedia-Geschäftsführer Thomas Schäffer mit dem „Fuchsjagdeffekt“ - wenn ein Jahr schwach ist, dann muss das nächste eben stark sein. Im Rahmen der Berlinale wird es auch wieder eine Nordmedia-Night (am 7. Februar) in Berlin geben, bei der die Filmförderer aus Niedersachsen und Bremen Kontakte knüpfen und ihre neuen Projekte präsentieren.

Im ersten Quartal dieses Jahres starten einige von Nordmedia geförderte Kinofilme. Bereits Anfang Januar kam Florian Eichingers zu großen Teilen auf Norderney gedreht Drama „Nordstrand“ um das Thema familiärer Gewalt in die Kinos. Demnächst starten der Dokumentarfilm „Die schöne Krista“ (dabei handelt es sich um eine Kuh), die Liebeskomödie „Da muss Mann durch“ mit Wotan Wilke Möhring und Jan Josef Liefers in den Hauptrollen, und auch Christian Alvarts Spielfilm „Banklady“ über Gisela Werler, Deutschlands erste Bankräuberin. Am 20. Februar kommt „Tarzan 3D“ in die Kinos. Dieser Film ist zum Teil in Hannover entstanden, einer Stadt weitgehend ohne Urwald. Das hannoversche Animationsstudio Ambient Entertainment hat das 3-D-Actionspektakel aus den Rechnern gezogen.

Vor der Berlinale wird bei Nordmedia stets Bilanz gezogen: Elf Millionen Euro hat die Film- und Mediengesellschaft 2013 an Antragsteller aus der Medienbranche vergeben. Das Geld ist gut angelegt, meint Geschäftsführer Schäffer: „Die vergebenen elf Millionen Euro lösen einen Effekt von 168 Prozent aus.“ Das heißt, die Förderung führte dazu, dass 18 Millionen Euro in Niedersachsen und Bremen wieder ausgegeben wurden.

Unter anderem haben im vergangenen Jahr auch Fertighausproduzenten und Binnenschiffer davon profitiert.

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