Auktion in Hannover

Wertvolle Gemäldesammlung aus Niedersachsen wird zerschlagen

- Die wertvolle Porträtgalerie aus dem Rittergut Lucklum (Kreis Wolfenbüttel) kommt unter den Hammer. Museumsvertreter und Historiker laufen Sturm, den die Sammlung gilt als einmalig.

Es ist schon eine illustre Runde, die da versammelt ist. Niedersachsens Adel gibt sich hier ein Stelldichein; die Redens und die Hardenbergs sind vertreten, die Bothmers und die Münchhausens. Selbstredend ist die Crème des Welfenhauses zugegen: Herzog Anton Ulrich wallt das barocke Perückenhaar auf den Harnisch. Und inmitten all der Prinzessinnen und Grafen greift Preußens junger Kronprinz Friedrich II. schon einmal keck nach seinem Hermelinmantel. Über mehr als zwei Jahrhunderte waren die meisten von ihnen in dieser Runde beisammen. Jetzt sind sie alle gemeinsam nach Hannover umgezogen. Und wie es aussieht, werden sie bald für immer auseinander gehen.

Am 24. April kommen im hannoverschen Auktionshaus Kastern 57 Gemälde unter den Hammer, die bis vor kurzem im Ordenssaal des Rittergutes Lucklum bei Braunschweig hingen. Der Ort ist historisches Terrain, denn von 1263 bis 1809 befand sich hier ein Verwaltungssitz des sagenumwobenen Deutschen Ordens, den Kreuzfahrer im Heiligen Land gegründet hatten. Die Porträtsammlung, in Auftrag gegeben 1737 von Landkomtur Freiherr August Wilhelm Grote, zeigt daher vor allem Hochmeister und Ordensritter.

Glaubt man Wolfram von Henninges, dessen Familie das Rittergut heute bewirtschaftet, ist der Verkauf unumgänglich: „Er dient der Konsolidierung unseres Unternehmens mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden“, sagt er. In der Branche stößt die Versteigerung auf große Beachtung: „Wir haben die Auktion weltweit beworben und rechnen mit vielen Interessenten“, sagt Christina Kastern.

Historiker und Museumsvertreter hingegen laufen Sturm gegen den Verkauf der Gemälde, die meist in einheitliche Goldrahmen gefasst sind: „Die Sammlung wurde eigens für diesen Saal konzipiert, die Bilder beziehen sich aufeinander“, sagt der Historiker Peter Steckhan. „Ihr Platz ist an diesem Ort.“ Es sei bedauerlich, dass die Sammlung nicht als Gesamtensemble erhalten, sondern in alle Welt verstreut werde, sagt auch Jochen Luckhardt, Direktor des Braunschweiger Herzog-Anton-Ulrich-Museums. Sein Kollege Hans-Henning Grote vom Schlossmuseum Wolfenbüttel vergleicht den Verkauf gar mit der umstrittenen Marienburg-Auktion, bei der die Welfen 2005 massenhaft niedersächsisches Kulturgut verscherbelt haben: „Uns hätten besonders die Herzogsporträts aus Lucklum interessiert, aber finanziell war uns ein Kauf nicht möglich“, sagt Grote.

Das Land und die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (SBK) konnten sich in mehr als zweijährigen Verhandlungen nicht mit den Eigentümern auf einen Kaufpreis einigen. Nach Informationen dieser Zeitung soll die Familie von Henninges bis zu eine Million Euro für die Gemälde verlangt haben. „Wir hätten allenfalls einen kleinen sechsstelligen Betrag aufbringen können“, sagt SBK-Direktor Tobias Henkel.

Allein das Startgebot für das Prunkstück der Sammlung, ein Porträt von Herzog Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg, liegt jetzt bei 37 500 Euro. Allerdings moniert Historiker Steckhan auch, dass Angaben im Katalog teils nachlässig recherchiert seien. So ist als Schöpfer dieses Porträts der hannoversche Hofmaler Johann Georg Ziesenis angegeben. Nach seinen Recherchen im Staatsarchiv Wolfenbüttel hingegen erbat das Rittergut ein Gemälde des Herzogs erst 1778. Zu diesem Zeitpunkt war Ziesenis schon seit zwei Jahren tot.

Am Sonnabend, 14 Uhr, hält Historiker Gerd Biegel bei Kastern, Hildesheimer Straße 7 in Hannover, einen Vortrag über die Gemälde.

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