Comeback

Whitney Houston veröffentlicht neues Album

- Die Auferstehung kommt plötzlich und unerwartet: Whitney Houston hat ein neues Album aufgenommen. Dass sie tatsächlich noch einmal als Sängerin in Erscheinung treten würde, hatte nach den Berichten über ernste Drogenprobleme kaum jemand mehr erwartet.

Doch nun erscheint am Freitag (28. August) mit „I look to you“ ihr siebtes Studioalbum - nach sieben Jahre Pause.

Nein, Crack habe sie nie geraucht - bei ihrem Einkommen „viel zu billig“. Nein, sie leide nicht an Essstörungen - sie sei „immer schon dünn“ gewesen. Gewiss, sie habe „mit Freunden ein wenig Party gemacht“, früher. Alkohol? Marihuana? Kokain? Tabletten? Nun ja -„alles. Manchmal. Aber nur ein bisschen“. 2002, kurz vor Erscheinen ihres wenig erfolgreichen Albums „Just Whitney“, hatte Houston in einem Fernsehinterview mit dem amerikanischen Sender ABC einen allerletzten Versuch unternommen, das Image des wohlerzogenen, gottesfürchtigen Mädchens aufrechtzuerhalten. Dann verschwand sie von der Bildfläche.

Es war das Ende einer Superstarkarriere - ein vorläufiges Ende. 170 Millionen Platten hat Whitney Houston weltweit verkauft, mit Singles wie „Saving all my Love for you“ (1985), „I wanna dance with somebody (Who loves me)“ (1987) und „One Moment in Time“ (1988) schrieb sie Popgeschichte. Sieben Mal in Folge belegte sie in den 80ern mit ihren Singles Platz 1 der US-Charts - eine bis heute unangefochtene Erfolgsbilanz. Dann verlangsamte sich ihre Karriere als R&B-Sängerin ein wenig: Sie spielte an der Seite von Hollywood-Größen wie Kevin Costner und Denzel Washington in Filmen wie „Bodyguard“ (1992) und „Rendezvous mit einem Engel (1996). In Deutschland gelang ihr 1992 mit „I will always love you“ der letzte Nummer-eins-Hit.

Musikalisch erfüllte sie die Erwartungen nicht mehr - wohl aber die des voyeuristischen Publikums der Reality-Show „Being Bobby Brown“, in der es Einblicke gab in das nicht wenig turbulente Eheleben von ihr und ihrem Gatten, dem R&B-Sänger Bobby Brown. Inhalt jeder Folge: schlechtes Benehmen aller Art. Dass die vormals so brave Whitney Houston sich auf rustikale Flüche und zotigen Humor versteht, hatte man nun wirklich noch nicht gewusst. Die Ehe wurde 1997 geschieden.

Doch als Tochter der Elvis-Begleitsängerin Cissy Houston und als Patentochter von Soul-Legende Aretha Franklin war sich Whitney Houston etwas schuldig. Und so ließ sich die mittlerweile 46-Jährige von ihrem Entdecker und Produzenten Clive Davis, der bereits Pink Floyd, Bruce Springsteen und Alicia Keys zu Ruhm verholfen hat, zu einem neuen Album überreden.

„I look at you“ beginnt mit einer hinreißenden Dance-Nummer: „Million Dollar Bill“ überrascht mit erstaunlich zeitgemäßen Drum-Sounds und einem flotten Songtempo. Und man hört sofort: Whitney Houston hat einiges hinter sich.

Rauchiger ist ihre Stimme geworden. Gesanglich zeigt sich Houston nicht mehr ganz so clean und artig wie zuvor. Ihr Timbre ist dunkler geworden, die Höhen erklimmt sie nicht mehr ganz mühelos (und mit ein wenig elektronischer Hilfe), die Koloraturen wirken nicht mehr wie mit dem Lineal gezogen. Whitney Houston ist gereift. Balladen wie „Call you tonight“ und „A Song for you“ bekommt der neue stimmliche Eindruck ausgezeichnet - insbesondere, weil das Album insgesamt im Sound deutlich an die 80er Jahre anlehnt.

„Nenn’ es nicht Comeback, ich war die ganzen Jahre da“, singt Whitney Houston zu sanften HipHop-Beats auf dem von R. Kelly geschriebenen Schlusssong „Salute“: Eine Zeit der Tränen liege hinter ihr, sie habe Fehler gemacht, nun wolle sie wieder durchstarten. Wie sie denn die vergangenen Jahre verbracht hätte, wollte man bei einer Pressekonferenz in Los Angeles wissen. „Ich habe mich um meine Tochter gekümmert. Die ist in der Pubertät. Das ist eine schwierige Zeit.“

ddp

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