Jackson-Film

Wiedersehen auf der Leinwand

- Vor vier Monaten starb die Pop-Ikone Michael Jackson. Jetzt stehen seine Fans vor einem letzten Wiedersehen mit dem Sänger. Ab Mittwoch kommt der Film „This Is It“ über die Comeback-Proben des Superstars weltweit in die Kinos, bereits am Dienstag läuft das „filmische Testament“ weltweit zeitgleich in 17 Vorpremieren.

„Es gab dieses Verlangen, Michael einen letzten Besuch abzustatten, ihn noch einmal zu erleben“, sagte Regisseur Kenny Ortega dem Magazin „Rolling Stone“. Was die Zuschauer erwarte, sei „mächtig, bewegend, unterhaltend, groß“. Die Welt werde sehen, was Jacksons Truppe bei den Proben habe erleben dürfen - „mit all dem Einsatz, der Leidenschaft und der Kreativität, die Michael in dieses Projekt gesteckt hat.“

Die deutschlandweit einzige Vorpremiere im Sony Center in Berlin ist allerdings eher etwas für eingefleischte Fans des „King of Pop“: Wegen der Zeitverschiebung beginnt der Film hier erst um 02. 00 Uhr in der Nacht zum Mittwoch. Dafür werden ab halb ein Uhr nachts in drei Sälen des Kinos live die Bilder vom roten Teppich von der Premierenfeier in Los Angeles übertragen. Vielleicht wegen der ungünstigen Uhrzeit waren am Montagmittag noch Restkarten für die Premierenübertragung zu haben. Wer sich die nächtliche Tortur nicht antun will, kann am Mittwochmorgen in einigen deutschen Kinos schon um 06.00 Uhr die ersten regulären Vorstellungen besuchen. Bundesweit läuft „This Is It“ auf 935 Leinwänden.

Vier Monate hatte Jackson für die Show „This Is It“ geprobt, mit der er ein fulminantes Comeback geplant hatte und gleichzeitig seinen Abschied feiern wollte. 50 Konzerte in London waren angesetzt, die Reihe hätte im Juli starten sollen. Die mehr als 800. 000 Tickets waren binnen Stunden ausverkauft, die Veranstalter hatten eine der teuersten und technisch modernsten Shows in der Geschichte angekündigt. Doch dazu kam es nicht mehr: Nach einem Herzstillstand starb Jackson am 25. Juni in Los Angeles im Alter von 50 Jahren.

Während der Proben wurden mehr als 100 Stunden Filmmaterial aufgezeichnet, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, sondern bei den Vorbereitungen für die Konzerte helfen sollten. Sony sicherte sich für 60 Millionen Dollar (40 Millionen Euro) die Rechte an dem Material, nachdem die Verantwortlichen nur einige Minuten der Aufzeichnungen gesehen hatten.

Daran, dass sich diese Investition finanziell auszahlt, gibt es kaum Zweifel, auch wenn Musikfilme nicht immer zum Blockbuster taugen. Nachdem vor einem Monat der Vorverkauf begann, erklärte Sony, in den USA sei eine „bislang nicht erreichte Zahl“ von Vorstellungen ausverkauft. Der Verleiher des Films in London, Vue Entertainment, teilte mit, innerhalb von 24 Stunden seien 30.000 Tickets verkauft worden. Das stelle sogar „Harry Potter“ und die Filmsaga „Der Herr der Ringe“ in den Schatten.

Jeff Bock, der für das Unternehmen Exhibitor Relations jede Woche die Zuschauerzahlen der Filme in Nordamerika auswertet, rechnet mit Einnahmen von 70 bis 100 Millionen Dollar allein in den ersten fünf Tagen. „Das ist mehr eine Gedenkfeier als ein Film“, sagt er. „Die Leute buchen (ihre Tickets) in Gruppen. Das ist etwas, was die Menschen gemeinsam erleben wollen.“ Dass der zweistündige Film wie von Sony angekündigt nur zwei Wochen laufen soll, glaubt der Experte hingegen nicht: „Das kaufe ich denen nicht eine Sekunde lang ab. Die Zuschauerzahlen werden nach der ersten Woche etwas nachlassen, aber wenn die Zahlen dann noch gut sind, wird der Film noch länger laufen.“

Eine Gruppe von Jackson-Fans dagegen wünscht dem Film möglichst wenige Zuschauer. Sie ruft im Internet zum Boykott auf, weil in dem Streifen nicht die Wahrheit über den schlechten Gesundheitszustand des Sängers während der Proben gezeigt werde. Dieser werde von denjenigen vertuscht, die mit der Veröffentlichung des Films Profit machen würden. Das Fan-Fazit über die letzten Wochen im Leben des Pop-Stars: „Es war unmenschlich.“

afp

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