Bollywood als Touristenmagnet

Wird Polen zum Klein Indien?

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Foto: Die indische Filmindustrie will nun Polen erobern.

Warschau - Erst kommen die Filmteams, dann die Touristen? Während in Polen indische Filmemacher immer häufiger Bollywood-Produktionen drehen, hoffen Tourismusmanager, dass auch Urlauber kommen.

Wilde Verfolgungsjagden, in der Luft explodierende Hubschrauber, ein Bus, der über das Brückengeländer in die Weichsel stürzt. Zwischendrin englisch-polnisches Sprachgemisch, Kamerafahrten und Autogrammjäger. Ein Hauch von Bollywood ist in Warschau zu spüren: Der indische Produzent und Regisseur Sajid Nadiadwala dreht in der polnischen Hauptstadt den Actionfilm „Kick“. Zu den Dreharbeiten ist Actionstar Salman Khan, der „Stallone Bollywoods“, nach Polen gekommen. Zu den weiteren Darstellern gehören Randeep Hooda und Jacqueline Fernandez, eine ehemalige „Miss Sri Lanka“.

Nicht zum ersten Mal geht die indische Filmindustrie in Polen auf Motivsuche. Schon mehrfach drehten Bollywood-Regisseure im südpolnischen Krakau, wo demnächst eine weitere Großproduktion starten soll. Anfangs mussten die Berge und Täler der Hohen Tatra als Schauplatz einer Leinwandromanze herhalten, weil die Sicherheitslage in Kaschmir zu brisant für die Dreharbeiten war.

Seitdem fanden die Regisseure zunehmend Gefallen an der Exotik des mittelalterlichen Marktplatzes, an den engen Gassen mit Kopfsteinplaster und den Renaissancegiebeln prächtiger Adelspalais. Für "Kick" wurde allerdings eine moderne Großstadtkulisse benötigt mit Hochhäusern und mehr Hektik als im beschaulichen Krakau. Das war die Chance für Warschau.

Nicht nur Filmfans freuen sich über Bollywood an der Weichsel. Die polnische Tourismusbranche umwirbt die Filmemacher des Subkontinents und setzt darauf, dass indische Touristen sich für Polen entscheiden, wenn Warschau oder Krakau eine „Rolle“ auf der Kinoleinwand haben und bei den Zuschauern Interesse wecken.

Unter dem Motto „Come and find your story“ wirbt Kampagnenleiterin Emilia Kubik von der polnischen Tourismusorganisation POT bei der indischen Filmbranche für den Drehstandort Polen. Sie präsentiert Landschaften und historische Städte und weist auch auf das Sparpotenzial hin - die Produktions- und Hotelkosten etwa liegen in Warschau deutlich unter den Preisen in London oder Dublin, die Nadiadwala ebenfalls als Drehorte in Betracht gezogen hatte.

Damit die Entscheidung für Polen künftig leichter fällt, haben POT und die polnische Filmkommission eine App über mögliche Drehorte sowie Kontakte zu polnischen Kooperationspartner erarbeitet, die gezielt Filmstudios und „location scouts“ ansprechen soll.

Monika Kapil-Mohta, Indiens Botschafterin in Polen, hält die Tradition der polnischen Filmschule in Lodz - zu deren Absolventen auch Roman Polanski zählt - für mindestens ebenso wichtig, wenn es um die Zusammenarbeit mit der indischen Filmindustrie geht. An gut ausgebildeten Fachleuten herrsche kein Mangel. „Ich bin tief beeindruckt von der Qualität von Filmen, die in Polen produziert werden“, betont sie. Und auch den Warschauern, die wiederholt zu Umwegen gezwungen sind, wenn für Actionszenen mal wieder Straßen oder Brücken gesperrt wurden, stellt sie ein gutes Zeugnis aus: „Trotz all der Explosionen um sie herum sind sie so nett und freundlich.“

Einige haben sich sogar schon fast zu sehr an Sirenen, Blaulicht und lautes Knallen gewöhnt. „Neulich sah ich drei Feuerwehrautos durch die Marszalkowska-Straße rasen und hielt schon nach den Kameras und Schauspielern Ausschau“, erzählt POT-Präsident Rafal Szmytke. „Aber es wurde gar nichts gedreht - es brannte in einem Hotel.“

dpa

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