Filmkritik

Woody Allen gefällt in „To Rome with Love“

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Foto: Woody Allen ist zurück vor der Kamera.

Berlin - Der Altmeister selbst in seiner ersten Rolle seit „Scoop“, dazu Penélope Cruz, Alec Baldwin und Roberto Benigni: Woody Allens episodische Culture-Clash-Komödie „To Rome with Love“ punktet vor allem mit ihren Darstellern. Der Film ist am 30. August im Kino gestartet.

Woody Allen hat es wieder getan: Nach London, Barcelona und Paris besuchte der Altmeister des hintergründigen amerikanischen Kinohumors eine weitere alteuropäischen Metropole – und huldigt ihr in der episodischen Culture-Clash-Komödie „To Rome with Love“. Mit ihm selbst in seiner ersten Rolle seit „Scoop“ (2006) und sehr prominenten Mitstreitern wie Penélope Cruz, Alec Baldwin und Roberto Benigni. Was dann nach 112 Minuten bleibt, sind trotz all ihrer Unvollkommenheiten die Schönheit, die Kunst und die Liebe.

In den Vereinigten Staaten hat das Werk seit seiner Uraufführung im Sommer starken Zulauf – das zweitbeste Einspielergebnis aller Allen-Filme nach „Midnight in Paris“ (2011). Hübsch anzusehen ist es ja auch, wenn der Autor und Regisseur vier voneinander unabhängige Einzelhandlungen lässig ineinander verschlingt und in der lichtdurchfluteten Tiberstadt mit viel italienischer Musik flott erzählt. Erinnerungen an Audrey Hepburns „Roman Holiday“ und Fellinis „La Dolce Vita“ werden wach. Doch im Unterschied zu seiner oscarprämierten romantischen Zeitreise „Midnight in Paris“ ist Allen diesmal nur eine Hommage gelungen, deren Tiefsinn in den Katakomben der Ewigen Stadt versandet zu sein scheint. So klischeehaft und aufgesetzt wirkt vieles.

Allerdings, wer will, kann dahinter auch eine gewisse abgeklärte „Lache, Bajazzo“-Haltung spüren – Anspielungen an Leoncavallos Oper „Pagliacci“ von 1892 durchziehen ja den Film. Vielleicht ist der einstige New Yorker „Stadtneurotiker“ mit seinen 76 Jahren in einem Alter, in dem er das ganze Intellektuelle nicht mehr nötig hat und sich schlicht am bunten, heiteren Leben erfreuen mag. Zumal, wenn so viel Schönheit, Kunst und Liebe im Spiel sind. So lässt sich der aktuelle Allen-Film, von dem es seit 1969 jedes Jahr mindestens einen neuen gibt, immer noch als cappuccinoschaumiges Sommervergnügen genießen.

Anklänge an unser aller sicheren Tod gibt es bei Woody Allen natürlich trotzdem – gerade vom Schauspieler Allen, der hier als angstgeschüttelter Opernregisseur neben Urnen posiert und über Einäscherungen fantasiert. Er ist Vater einer Amerikanerin, die sich am Tiber in einen jungen Architekten verliebt und ihre Eltern zum gegenseitigen Kennenlernen anreisen lässt. Außerdem erleben wir ihren Landsmann, einen glücklich liierten Studenten (Jesse Eisenberg), der auf jeden Fall der koketten Freundin seiner Freundin widerstehen will. Und ein Paar aus der italienischen Provinz auf Hochzeitreise, das den erotischen Reizen der Stadt (unter anderem Cruz) erliegt. Dazu einen Mittelklasse-Römer (Benigni), der aus unerfindlichen Gründen von den Paparazzi als Celebrity behandelt wird.

In diesem Insalata misto der Irrungen und Wirrungen wirkt am schönsten der gediegene Alec Baldwin („Rock of Ages“) als Stararchitekt aus den Staaten, der im Stadtteil Travestere auf den Spuren seiner Jugend wandelt: Wie ein Engel erteilt er dem liebesverwirrten Jesse Eisenberg („The Social Network“) weltkluge Ratschläge. „Mit dem Alter kommt die Weisheit“, sagt der Jungspund zum Schluss. „Mit dem Alter kommt die Erschöpfung“, lautet die Antwort seines Geists. Einer der Sätze dieses Films, die dann doch nachhallen.

dpa

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