Hannover

Zurück zum Kunststudienort

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Foto: Netzwerker am Werk: Die Designstudentinnen Madlen Schulz und Leona Ohsiek halten ein selbst geknüpftes Wollnetz mit Stift und Papier fest.

Hannover - Positive Signale von Ministerium und Gremien: Die Hochschule Hannover will schon 2015 wieder Kunststudenten ausbilden.

Bereits 2015 soll es wieder Kunststudenten in Hannover geben – in einem Studiengang „Interdisziplinäre Kunst“, für den die Initiatoren an der Hochschule Hannover sowie in der Politik Rückhalt spüren. „Unser Vorhaben findet ein positives Echo bei den Hochschulgremien und im Wissenschaftsministerium“, sagt Wilfried Köpke, Dekan der Fakultät Medien, Information und Design an der Fachhochschule. Die Studienkommission habe die Pläne gebilligt, beim Fakultätsrat und Präsidium sei das Vorhaben angemeldet, es solle in die Zielvereinbarungen mit dem Ministerium eingehen. „Wenn alles nach Plan läuft, bilden wir im Wintersemester 2015/16 die ersten 24 Kunststudenten aus.“

Der sich abzeichnende Erfolg ist auf das besondere Konzept des Studiengangs zurückzuführen, das der HAZ vorliegt. Es sieht eine breite Aufstellung der Absolventen, eine klare Praxisorientierung und zudem eine enge Vernetzung mit dem Kunststandort Hannover vor:

■  Für breite Studienpositionierung: Der achtsemestrige Bachelorstudiengang soll, anders als etwa der „eng verzweckte“ (Köpke) Design-Masterstudiengang, ein breites Spektrum künstlerischer Techniken und Wissensgebiete vermitteln. Mit den drei Schwerpunkten experimentelles Design, Kunst im öffentlichen Raum sowie Kunst und Vermittlung in sozialen Kontexten soll er auch Wege zum Masterstudium an der Hochschule Hannover oder an anderen Fachhochschulen, an Kunsthochschulen oder Universitäten ebnen.

■  Gegen die Krise des Künstlerberufs: Während vielerorts Kunststudiengänge unter Bewerbermangel leiden und ihre Absolventen oft nur in Nischen Beschäftigung finden, soll dieser Studiengang Wege in „die Mitte der Gesellschaft“ ebnen, wie Ute Heuer, Professorin für Malerei an der Hochschule, betont. Qualifizieren soll der Studiengang für Berufstätigkeiten in Design- und Architekturbüros, für Kurator- und Projektarbeiten in Museen, Galerien oder bei Messen, zur Kunstvermittlung sowie außerschulischer Kunstpädagogik, zu Coachings oder Workshops für Unternehmen. „Hier geht es nicht um jene 0,1 Prozent der Kunsthochschüler, die später als freie Künstler ein Auskommen finden“, sagt Ute Heuer.

■  Stärkung des Standorts Hannover: Besondere Effekte stellten die Initiatoren für die Landeshauptstadt in Aussicht. Hier habe die Abwicklung des Studiengangs „Bildende Kunst“ im Rahmen des „Hochschuloptimierungskonzepts“ der CDU/FDP-Landesregierung unter Christian Wulff im Jahr 2003 zu einer inzwischen „dramatischen Kluft“ zwischen dem hohen Niveau in Museen oder Kunstvereinen und der aktuellen künstlerischen Produktion geführt, sagt Dekan Köpke. „Der Studiengang wird den Kunststandort voranbringen, er wird dazu beitragen, ein Klima zu schaffen, in dem die Künste in Hannover höheren Stellenwert und Künstler neue Gestaltungsräume finden.“

Bestärkt fühlen sich die Initiatoren an der Hochschule durch Reaktionen aus der Kunstszene auf Bundes- und auf Landesebene. Die Pläne wiesen einen „dritten Weg“ zwischen einem „absoluten Prekariat“ von Künstlern und einer „unkünstlerischen Instrumentalisierung“ künstlerischer Fähigkeiten, erklärte der Deutsche Künstlerbund in Berlin. Sie reagierten damit „in vorbildlicher Weise auf das veränderte Berufs- und Tätigkeitsbild“ von Künstlern. Und für den Bund Bildender Künstler Niedersachsen sagt dessen Vizechefin Dagmar Schmidt, durch den neuen Studiengang könne „eine kommunikationsbefähigte Generation“ heranwachsen, „die aktiv kulturelle Prozesse gestaltet“.

Realisierungschancen dürfte der Studiengang „Interdisziplinäre Kunst“ haben, weil er nicht in Konkurrenz zum Kunststudiengang an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig konzipiert ist, aber auch, weil er sozusagen mit Bordmitteln auf den Weg gebracht werden kann: Die künstlerisch Lehrenden bieten an der Hochschule bereits Lehrveranstaltungen an. Zentrale Aufgaben würden die Professoren Ute Heuer (Lehrgebiet: Malerei), Beate Spalthoff (Künstlerische Lehre und Zeichnen) und Bernhard Garbert (Plastisches Gestalten) übernehmen, sagt Dekan Köpke. Theorieanteile können nach seinen Worten von den Professoren Martin Scholz (Kommunikation und Projektmanagement), Friedrich Weltzien (Kreativität und Wahrnehmungspsychologie) und Anja Baumhoff (Kunst- und Designgeschichte) beigetragen werden. „Künste und Künstler eröffnen spannende Blickwinkel“, sagt Ute Heuer, die das inhaltliche Konzept des Studiengangs gemeinsam mit Beate Spalthoff erarbeitet hat, „und ich glaube, dass genau das auch gesellschaftlich gebraucht wird.“

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