Überprüfung des FSC-Zertifikats bei Hessen-Forst

150 Kriterien: Der Wald steht auf dem Prüfstand

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Blick in den Wald: Forstassessor Wolfram Kotzurek (links) im Gespräch mit Revierleiterin Maria-Rita Norkowski, Forstamtsleiter Dr. Gero Hütte-von Essen (mit Helm) und Hilmar von Bodelschwingh, Zertifizierungsbeauftragter von Hessen-Forst. 

Vöhl. Unzählige Bäume liegen nach dem Sturm Friederike noch quer, so manche Ecke im Staatswald rund um Vöhl wirkt fast kahl. Doch für die umgeworfenen Bäume interessiert sich Wolfram Kotzurek nur am Rande. Er will wissen, wie sich der Wald entwickelt, wie mit Natur- und Artenschutz umgegangen wird und wie es um die Rechte der Mitarbeiter steht. Wolfram Kotzurek ist Forstassessor für die Öko-Kontrollstelle IMO aus Süddeutschland und gibt die Empfehlung, ob Hessen-Forst das FSC-Zertifikat auch künftig führen darf.

Mit einem Gespräch im Forstamt geht es an diesem Morgen los. Um die Vergabe von Aufträgen an externe Dienstleister geht es dabei beispielsweise. Dann geht es raus. Mit mehreren Autos macht sich die kleine Kolonne zunächst auf ins Gebiet Kindeloh bei Marienhagen. 150 Hektar groß ist der Bereich, der Großteil ist Staatswald, erläutert Revierleiterin Maria-Rita Norkowski.

Durch die Stürme der vergangenen Jahrzehnte gibt es keinen großen flächigen Fichtenbestand mehr. Aktuell wird aufgearbeitet, was der Sturm niedergewalzt hat. Zwei Forstwirte arbeiten derzeit in dem Waldgebiet. Warum der Bereich nicht abgesperrt sei, will Wolfram Kotzurek wissen. Das sei nicht nötig, weil nicht an den Wegen gearbeitet werde, sondern in der Fläche, sagt die Revierleiterin. Eine Unterweisung für die Forstwirte gab es aber am Anfang, außerdem wurde eine Gefährdungsanalyse gemacht, erläutert sie.

Standard dokumentieren

Wie es am Kindeloh weiter geht, ist derzeit noch nicht klar. „Die Zertifizierung schränkt auch ein“, sagt Vöhls Forstamtsleiter Dr. Gero Hütte-von Essen. „Früher hätte man dort Nadelholz nach einem Sturm gepflanzt, das geht jetzt nur noch bis zu einer bestimmten Größe. Und dennoch: Hessen-Forst ist das Zertifikat wichtig.“ Hilmar von Bodelschwingh, Zertifizierungsbeauftragter beim Landesbetrieb in Kassel, sagt: „Wir wollen den hohen Standard dokumentieren.“ Und diese „qualitativ hochwertige Arbeit“ soll ein Externer bewerten.

Und das übernimmt in diesem Jahr Wolfram Kotzurek. Am Vortag war er bereits in Kassel im Hauptsitz von Hessen-Forst, an diesem Tag geht es in die Reviere Vöhl und Waldeck. Bis in den April hinein folgen Stichproben in fünf weiteren Forstämtern, unter anderem auch in Burgwald. 21 Forstämter von Hessen-Forst sind zertifiziert, bei der jährlichen Überprüfung wird ein gewisser Prozentsatz in Augenschein genommen, sagt der Assessor. Größere und kleinere Forstämter werden kontrolliert – die größeren aber häufiger, wie er sagt.

Bevor es weiter geht zum Gebiet Ehrenburg bei Herzhausen, spricht der Assessor noch mit den Forstwirten – unter vier Augen. Dabei geht es um Arbeitszeiten und -sicherheit sowie Pausen, vermutet Hütte-von Essen. Der soziale Aspekt ist neben Ökonomie und Ökologie ein wichtiger Grundpfeiler der Zertifizierung, sagt der Forstamtsleiter. „Es ist eine ganzheitliche Prüfung des Staatswaldes.“

Empfehlungen am Ende

Nach der Mittagspause fährt die Gruppe weiter ins Waldecker Revier. Kotzurek hat sich auch für dieses Gebiet bereits im Vorfeld Bereiche ausgesucht, die er sich anschauen möchte. Wo gibt es Totholz? Wie viele Habitatbäume gibt es? Wo wurden neue Pflanzungen gemacht? Nutzen die Waldarbeiter Bioöl? Wie steht es um den Arbeitsschutz? Sind Bäume korrekt gefällt worden? Kotzurek stellt viele Fragen und macht sich immer wieder Notizen. Zehn Prinzipien, insgesamt rund 150 Prüfpunkte, gibt es.

Fehler werden als Abweichung vermerkt und entsprechend gewichtet. Geringfügig ist ein Fehler, der nur in einem Revier auftaucht, schwerwiegend, wenn mehrere betroffen sind. Gibt es zu viele Fehler, kann das Zertifikat auch wieder aberkannt werden. „Das kommt allerdings sehr selten vor.“

Nachhaltiges Wirtschaften

Nach der stichprobenartigen Begehung der Waldgebiete aller sieben Forstämter wertet der Forstassessor alle Ergebnisse aus und gibt Handlungsempfehlungen. Ende April, spätestens Anfang Mai wird sein Bericht vorliegen. Öffentlich einsehbar ist er dann für alle Interessierten unter www.fsc-deutschland.de.

Eine nachhaltige Wertschöpfung steht für Hessen-Forst im Mittelpunkt, heißt es auf der Internetseite des Landesbetriebs. Ökologische, ökonomische und soziale Interessen sollen ausgewogen sein. Das bescheinigt das FSC-Zertifikat.

Durch die Zertifizierung soll diese Nachhaltigkeit transparent gemacht werden. Bevölkerung und Partner sollen so einen Nachweis über die ausgewogene Bewirtschaftung eines Waldes erlangen.

Im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen ist vereinbart, den hessischen Staatswald nach FSC zertifizieren zu lassen. 21 Forstämter haben den Nachweis bereits. FSC selbst ist eine Nicht-Regierungsorganisation, die 1993 gegründet wurde.

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