Bessere Bedingungen für Bachmuscheln und Edelkrebse

245 000 Euro für mehr Artenvielfalt im Landkreis

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Seltenes Vorkommen in deutschen Flüssen: Biologe Christoph Dümpelmann (links) und Rolf Zölzer, Vorsitzender des Fischereivereins Kirchlotheim/Schmittlotheim, zeigen Bachmuscheln. Die Population in der Eder wollen sie gemeinsam ausbauen.

Waldeck-Frankenberg. Zwei Projekte sollen die Artenvielfalt im Landkreis vergrößern: In der Oberen Eder bei Vöhl-Schmittlotheim wurde die Zahl der vom Aussterben bedrohten Bachmuschel erhöht, in der Wetschaftaue bei Rosenthal-Roda wird ein Nahrungshabitat für Schwarzstörche geschaffen und der ebenfalls vom Aussterben bedrohte Edelkrebs angesiedelt.

Sechs Arten der Bachmuschel gibt es noch in Hessen, eine ist bereits ausgestorben, sagt Diplom-Biologe Christoph Dümpelmann. Die Vorkommen in der Eder sind die letzten im gesamten Wesersystem, also in allen Zuflüssen, die zur Weser fließen. Wichtig sei der Erhalt von Großmuscheln, weil sie eine filternde Wirkung haben – pro Muschel 60 bis 80 Liter am Tag – und sie einen Lebensraum auch für andere Arten ermöglichen. Kleinere Muscheln würden zudem als Nahrung für andere Lebewesen dienen. „Sie sind von sehr hoher Bedeutung für das Ökosystem.“ Deshalb haben Obere und Untere Naturschutzbehörde sowie die Gemeinde Vöhl und der Fischereiverein Kirchlotheim/Schmittlotheim die Lebensmöglichkeiten in Teilen der Oberen Eder verbessert, indem beispielsweise Kies ausgebaggert wurde. War die Eder an dieser Stelle bisher nur gut 20 Zentimeter tief, gibt es nun die für Muscheln nötigen Tiefen bis 2,50 Meter.

Rund 65 000 Euro Landesmittel sind in die Maßnahme in Vöhl geflossen. Gut 180 000 Euro hat das Vorhaben in Rosenthal gekostet. In der Wetschaft hat das RP Kassel eine ehemalige Fischzuchtanlage erworben und diese in knapp fünf Jahren mit Unterstützung der Bevölkerung in eine Teichlandschaft verwandelt.

Während der Schwarzstorch bereits im Burgwald beheimatet ist und an den Teichen zusätzlich Futter finden soll, wird der Edelkrebs angesiedelt. Anderswo wird er von invasiven Arten verdrängt, so Anna Maria Pohl vom RP. Die quellengespeisten Teiche seien die ideale Heimat. 

Bedrohten Arten helfen

Das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie hat – im Auftrag des Umweltministeriums – sogenannte Artenhilfskonzepte erstellt. Im Fokus stehen dabei besonders bedrohte Arten, deren Erhaltungszustand aktuell als schlecht bewertet wird. Dazu gehören neben der Bachmuschel unter anderem auch der Feldhamster und der Frauenschuh.

Der Schwerpunkt des Artenhilfskonzepts liegt auf konkreten flächenbezogenen Maßnahmen. Das Regierungspräsidium (RP) in Kassel setzt die Vorhaben in den FFH-Schutzgebieten (Flora-Fauna-Habitat) gemeinsam mit den Landkreisen, Forstämtern, Experten, Naturschutzverbänden und Vereinen direkt vor Ort um.

Weitere Infos zu den hessischen Artenhilfskonzepten gibt es auch online auf www.hlnug.de.

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