Helfer gehen vor der Mahd eine Wiese ab und suchen nach Jungtieren

250 Einsätze für ehrenamtliche "Kitzretter" in Waldeck-Frankenberg

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Kitzretter im Einsatz: Freiwillige Helfer gehen vor der Mahd eine Wiese ab und suchen nach Rehkitzen. 

Waldeck-Frankenberg. Die Fläche ist kaum vorstellbar: Mehr als 1600 Hektar haben die ehrenamtlichen Helfer vom Verein Kitzretter in der Mahd-Saison gesichert, das entspricht mehr als 2200 Fußballfeldern. Der Verein geht davon aus, dass sich auf diesen Flächen rund 800 Rehkitze aufgehalten haben.

Dort versteckten sie sich im hohen Gras. Beim Mähen werden die Tiere leicht übersehen. „Das ist für keinen der Beteiligten schön, auch für die Landwirte ist das oft ein traumatisches Erlebnis“, sagt Kristin Nebel, Sprecherin des Vereins. Zwar würden die Bauern viele Vorkehrungen von sich austreffen. „Wir können das noch weiter optimieren.“

Die Kitzretter setzen dabei in erster Linie auf sogenannte Vergrämer: Die Geräte arbeiten mit blauem Licht und Tonsignalen. „Die Ricke soll das Gelände für unsicher befinden“, erklärt Nebel die Funktionsweise. „Wir haben nur selten Kundenkontakt, sondern wir verlassen uns darauf, dass die Ricke die Arbeit für uns macht.“ Die Vergrämer bieten laut Nebel 85-prozentige Sicherheit, dass die Flächen kitzfrei sind.

Eine Ricke mit ihrem Kitz: Die Jungtiere verstecken sich im hohen Gras und werden leicht übersehen. Foto: Willi Rolfes/Deuts cher Jagdverband

Mit entsprechendem zeitlichen Vorlauf kartieren die Mitglieder die betroffenen Wiesen am Computer und berechnen anschließend den Bedarf an Vergrämern, die den Landwirten vor der Mahd zur Verfügung gestellt werden. Mit 40 Vergrämern haben die Kitzretter angefangen, mittlerweile besitzt der Verein dank Spenden 100 Stück.

„Wir wollen aber noch mehr Material anschaffen für das nächste Jahr“, sagt die Sprecherin. Unter anderem eine zweite Drohe. Denn: In einigen Bereichen sind die Vergrämer allerdings wirkungslos: Vor allem in der Nähe von Bauernhöfen, Silos, Wohnbebauung oder Radwegen. „Dort sind die Tiere an Geräusche gewöhnt“, sagt Nebel. Hier sucht der Verein das Gelände mit einer Drohne nach Kitzen ab und trägt sie aus dem Feld. Werden die Helfer kurzfristig angefordert, gehen sie vor der Mahd das Feld ab, meist mit ausgebildeten Vorsteh-Hunden.

Fast 100 Landwirte und Jagdpächter haben die Kitzretter in dieser Saison angefordert. „Das Interesse ist sehr groß“, sagt Nebel. Rund 250 Einsätze haben die Helfer absolviert. „Wir waren von Ende April bis Anfang Juli jeden Abend an einer anderen Ecke im Landkreis.“ Ganze Familien seien mit eingespannt gewesen. „Teilweise haben die Landwirte die Vergrämer slebst abgeholt und aufgebaut“, sagt Nebel.

Einsatz-Schwerpunkte der Kitzretter waren Vöhl, Edertal, Haina, Bad Arolsen, Diemelsee und das Upland. Weiße Flecken sind noch Korbach und das Frankenberger Land. Insgesamt gibt es im Kreis 30 000 Hektar Grünland. Nebel: „Das Potenzial ist noch groß.“

Hunderprozentige Sicherheit gibt es indes nicht: 17 Kitzen hat die Mahd trotzdem das Leben gekostet. Woran das gelegen hat, wollen die Kitzretter in einer Nachbesprechung aufarbeiten. Nebel: „Unser Ziel ist, das Ergebnis noch weiter zu verbessern.“

Kontakt: Weitere Infos gibt es auf der Website www.diekitzretter.de und in den sozialen Netzwerken auf Facebook und Instagram. E-Mail: info@diekitzretter.de; Spendenkonto: IBAN: DE17 5235 0005 0000 1042 40, Sparkasse Waldeck-Frankenberg.

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