So werden die neuen Corona-Regeln umgesetzt

Wirte in Waldeck-Frankenberg berichten: 3G im Restaurant, 2G beim Tanzen

Der Hochheideturm in Miniatur am Bahnhof gilt als einer der Startpunkte zur Willinger „Meile“. Auch die Hotel- und Gastronomiebetriebe in der Uplandgemeinde können entscheiden, ob sie das 2G- oder 3G-Modell anwenden.
+
Der Hochheideturm in Miniatur am Bahnhof gilt als einer der Startpunkte zur Willinger „Meile“. Auch die Hotel- und Gastronomiebetriebe in der Uplandgemeinde können entscheiden, ob sie das 2G- oder 3G-Modell anwenden.

Seit vergangener Woche können Gastronomen in Hessen entscheiden, ob sie das 2G- oder 3G-Modell anwenden. Wir fragten bei einigen von ihnen nach und wollten wissen, welches Konzept sie umsetzen und wie die bisherigen Erfahrungen damit sind.

Waldeck-Frankenberg – „Bei uns sind die ersten Tage sehr gut gelaufen“, berichtet Iris Beckmann, Betriebsleiterin im Willinger Brauhaus. Es habe keine Probleme gegeben, die meisten Gäste hätten Verständnis gezeigt. Das Brauhaus wendet im Restaurant das 3G-Modell an, „um auch weiterhin Familien empfangen zu können“. Kleinere Kinder würden bislang schließlich noch nicht gegen Corona geimpft und müssten sich stattdessen testen lassen. Die mit dem 3G-Modell verbundenen Beschränkungen würden von den Gästen aber akzeptiert. „Für uns heißt das zwar auch, dass wir auf die Einhaltung der Regeln achten müssen. Aber das machen wir natürlich weiter, denn wir wollen im Restaurant auch niemanden ausschließen“, sagt Iris Beckmann.

In der Brauhaus-Partylocation „Malztenne“, in der auch getanzt wird, gilt dagegen 2G. „Dort ist eigentlich alles wie vor der Pandemie. Es gibt keine Abstände mehr – auch der Mundschutz darf abgenommen werden. Das war auch der Wunsch vieler Gäste. Tanzen mit Maske und auf Abstand ergibt für meisten keinen Sinn.“ Negativ Getestete dürfen nach Auskunft der Betriebsleiterin zwar das Buffet in der Malztenne genießen, danach allerdings nicht in den Tanz- und Partybereich. „Am Wochenende hatten wir 160 Personen zum Buffet, davon musste aber nur ein Gast nach dem Essen gehen. Die übrigen Gäste waren geimpft oder genesen und durften weiterziehen.“ In einigen Wochen – wenn die Buchungen, die vor den neuen Regeln getätigt wurden, durch seien – soll es auch beim Buffet die 2G-Regel geben.

In der Dorfalm in Willingen gilt Donnerstag, Freitag und Samstag im Innenbereich die 2G-, am Sonntag, Montag und Dienstag die 3G-Regel. „Wir haben am Donnerstags Hüttenabend – an den Tagen am Wochenende haben wir ebenfalls Musik im Haus. Da wird auch getanzt, deshalb haben wir uns an diesen Tagen für 2G entschieden“, sagt Geschäftsführerin Gerlinde Scriba. Beim eher ruhigen Restaurant-Betrieb sei dann 3G leichter umzusetzen. „Das Modell läuft bisher gut. Die Leute sind froh, wieder ausgelassen feiern und tanzen zu können. Gleichzeitig gibt es keine Diskussionen mehr, da wir bei 2G nicht mehr darauf achten müssen, dass Abstände und die Maskenpflicht eingehalten werden.“

Gerlinde Scriba, Geschäftsführerin in der Dorfalm in Willingen

„Ich bin für eine Impfpflicht durch die Bundesregierung wie in Frankreich und Italien mit Konsequenzen für Nicht-Geimpfte“, sagt Thomas Schacht, Betreiber des Kings in Korbach. Er selbst bleibe erst einmal bei 3G, um möglichst niemanden auszugrenzen, sei persönlich aber eher für 2G, „um Druck auf die Impfverweigerer auszuüben“. Schacht weist gleichzeitig aber auch auf die Schwierigkeiten beim 3G-Modell hin. Die Kontrollen beim Eintritt der Gäste und das Achten auf das Einhalten der Abstände seien bei dem momentanen Personalmangel extrem nervig. „Ich musste auch schon wiederholt Gruppen herausbitten, weil es mit dem Abstand nicht klappte. Das tut sehr weh“, sagt Schacht.

Thomas Schacht, Betreiber des Kings in Korbach

Das Gastwirte-Ehepaar Pal und Irene Brar, das in Haina ein Restaurant mit Pizzeria und Café betreibt, ist bezüglich der Frage, ob sie nur Gäste, die nachweislich geimpft oder genesen sind, Zutritt zum Lokal gewähren sollten, „hin- und hergerissen“. Einerseits begrüßen sie, dass Geimpfte Privilegien genießen, schließlich hätten diese sich solidarisch gezeigt und dazu beigetragen, dass die Pandemie eingedämmt werden könne. Andererseits wollten sie auch Gäste, die nicht zu den Geimpften und Genesenen gehörten, nicht verprellen. Kein Verständnis haben sie für Gäste, die Zugang ins Lokal fordern und noch nicht mal einen aktuellen Coronatest-Nachweis haben. Auch das komme gelegentlich vor.

„Niemanden ausschließen“

Christian Gerlach, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Waldeck-Frankenberg berichtet, dass Restaurants im Landkreis vor allem auf die 3G-Regel setzen – Betriebe mit Party-Charakter dagegen zumeist die 2G-Regel anwenden. „Ich habe aber auch mitbekommen, dass einige Gastronomiebetriebe das ganze flexibel handhaben und an bestimmten Tagen – vor allem am Wochenende – die 2G-Regel umsetzen, an den übrigen Tagen aber auf 3G gehen.“

Christian Gerlach betreibt selbst das Hotel Werbetal in Waldeck. Dort wendet er aktuell die 3G-Regel an. „Das ist für mich vor allem auch mit Blick auf mein eigenes Personal selbstverständlich. Wir haben eine Mitarbeiterin, die aus gesundheitlichen Gründen keine Impfung gegen Corona erhalten soll. Sie gehört nicht zu den Verweigerern, sondern hat die Empfehlung vom Arzt erhalten, sich besser nicht impfen zu lassen“, sagt der Hotel-Betreiber.

An den Tagen, an denen die Mitarbeiterin nicht im Dienst sei, könne er natürlich auf 2G umschwenken – oder er lasse sie nur in Räumen arbeiten, in denen 3G gelte. „Aber das Ganze so zu handhaben, ist natürlich völlig absurd und würde vieles verkomplizieren. Außerdem will ich auch keine Gäste ausschließen“, sagt Christian Gerlach.

Frankenberger Diskos öffnen für Geimpfte und Genesene

Die Diskos in Frankenberg öffnen wieder, bestätigt Benjamin Battefeld, Geschäftsführer des Bonkers-Clubs in Frankenberg und der Diskothek Utopia in Geismar. Zuletzt hatte Battefeld sich gegen eine Öffnung mit der 3G-Regel entschieden, da die damit verbundene Maskenpflicht und die Abstandsregeln nicht rentabel für ihn seien. „Mit der Anwendung der 2G-Regel können wir endlich wieder Geld verdienen“, sagt er nun. Mit der 2G-Regel dürfen nur Geimpfte oder Genesene die Diskos betreten. Und: Die Maskenpflicht und Abstandsregeln fallen weg – bei der 3G-Regel wäre dies nicht der Fall.

Überprüft eine Schwarzlichtstange: Benjamin Battefeld in der Diskothek Utopia.

Für Benjamin Battefeld wäre allerdings eine 3G-Regel, also mit Getesteten, aber ohne Maskenpflicht und Abstandsregeln, die bessere Variante. Er finde es nämlich traurig, dass durch die 2G-Regel Menschen ausgeschlossen werden. Trotz allem sei er erleichtert und schaue den Bestimmungen positiv entgegen. „Es ist ein Schritt in Richtung Normalität“, sagt er.

Der Bonkers-Club hat seit vergangenen Freitag wieder offen und die Diskothek Utopia wird am 24. September öffnen. Die Reaktionen auf die Nachricht, dass die Clubs wieder öffnen, seien Jubelschreie gewesen. „Die Gesichter der Gäste waren wie bei einem kleinen Kind, wenn man ihm ein Gummibärchen vor die Nase hält“, sagt Battefeld. Man habe bei der ersten Party des Bonkers gemerkt, dass den Menschen die Diskobesuche gefehlt haben. „Natürlich gibt es immer Leute, die sich beschweren“, so Battefeld, „aber denen haben wir versucht zu erklären, dass es irgendwann keine Diskos mehr gibt, wenn wir nicht mit der 2G-Regel öffnen würden.“

Hintergrund: 3G und 2G - das sind die Unterschiede 

Die 3G-Regel bedeutet: Wer nicht vollständig geimpft ist oder nicht als genesen gilt, muss entweder einen Antigen-Schnelltest oder einen PCR-Test vorlegen. Das gilt zum Beispiel für den Zugang zu Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, zur Innengastronomie, zu Veranstaltungen und Festen, aber auch für den Besuch beim Friseur oder im Kosmetikstudio. Gleiches gilt für Beherbergungen etwa in Hotels und Pensionen. Bei der Anwendung der 3G-Regel gelten weiterhin Corona-Beschränkungen – zum Beispiel Maskenpflicht und Abstandsregeln.

Bei der 2G-Regel dürfen dagegen nur vollständig geimpfte oder genesene Personen eingelassen werden. Der Eintritt für negativ Getestete ist verboten. Wenn sich Betreiber für die 2G-Regel entscheiden, können Corona-Einschränkungen wie Abstand halten oder Maske tragen wegfallen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare