Angeklagter aus dem Frankenberger Land

46-Jähriger soll zwei Mädchen sexuell missbraucht haben

mam123 Matthias Müller, Prozess Jacqueline Bromskirchen Baby, Landgericht Marburg
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Der Prozess findet am Landgericht in Marburg statt.

Waldeck-Frankenberg – Wegen mindestens 157 sexueller Handlungen an zwei Mädchen unter 14 Jahren ist ein 46-jähriger Mann aus dem Frankenberger Land angeklagt. Die Taten sollen sich zwischen April 2016 und Juni 2019 ereignet haben.

Der Prozess mit dem Vorsitzenden Richter Dr. Jan Christof Otto hat am Donnerstag am Landgericht Marburg begonnen. Vorgesehen sind wegen des Umfangs der Anschuldigungen mehrere Tage. Zum Auftakt wurde zeitweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. 

Unter anderem werden dem Angeklagten fünf „beischlafähnliche Handlungen“, sichtbares Onanieren vor der minderjährigen Zeugin und Anfassen der Zeugin samt Penetration mittels eines Fingers vorgeworfen. „Es kam ihm dabei darauf an, von der Zeugin wahrgenommen zu werden“, sagte Staatsanwältin Janina Pristl. Die Zeugin sei außerdem zu Masturbationshandlungen gezwungen worden. 

Bei der ersten Zeugin handelt es sich um die Tochter der früheren Lebensgefährtin des Angeklagten, so dass in der Anklage der Missbrauch von Schutzbefohlenen erschwerend hinzukommt. Dazu hätten Drohungen im Raum gestanden, falls sich das Mädchen seiner Mutter anvertraut hätte. Die Vertreterin der Nebenkläger sprach hier von psychischer Gewalt des Mannes: Das Mädchen würde als Lügnerin dastehen, man würde ihm sowieso nicht glauben, und es käme über kurz oder lang ins Kinderheim. 

Zeugin Nummer eins, Jahrgang 2005, war zu Beginn der Übergriffe elf Jahre alt und betrachtete den damaligen Lebensgefährten der Mutter als Vater. Ihr leiblicher Vater lebte bereits zu dieser Zeit mit einer neuen Partnerin in einer anderen Stadt in Waldeck-Frankenberg, die Tochter besuchte ihn alle 14 Tage. 

Beim nicht-öffentlichen Teil der Verhandlung ging es um Video-Aufzeichnungen und die polizeiliche Vernehmung der zweiten Zeugin. 

Im Anschluss wurde ein Kripobeamter befragt, der den Angeklagten in der Psychiatrie in Haina vernommen hatte, wohin sich der Angeklagte auf eigenen Wunsch hatte einweisen lassen. „Ich hatte den Eindruck, dass er seine Geschichte loswerden und mit sich selbst ins Reine kommen wollte“, sagte der Beamte als Zeuge aus. Zugleich habe er sich in einer Art Opferrolle gesehen. 

Der Zeuge berichtete außerdem von Nacktfotos, die sich der Angeklagte und die minderjährige Zeugin per Whatsapp geschickt hätten. Hier sei die Initiative von dem Mädchen ausgegangen, das auch seine Posen – Nacktaufnahmen bis zur Abbildung der Vagina – selbst gewählt habe. 

Der Vater der Zeugin berichtete, dass die Entwicklung seiner Tochter nach der Bekanntwerdung des Missbrauchs von massiven Stimmungsschwankungen geprägt sei. Sie wohnt inzwischen bei ihm, verbrachte allerdings einen fünfwöchigen Aufenthalt in der Kinder- und Jugend-Psychiatrie Kassel. Ein weiterer Therapieaufenthalt sei geplant.

Am zweiten Verhandlungstag am Freitag wird sich das Gericht mit der Aussage der zweiten Zeugin beschäftigen.

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