Protest im Vogelsberg

Protest gegen A49-Ausbau: Deutliche Kritik an Polizeieinsatz - CDU hält am Projekt fest

Im Dannenröder Forst protestieren Aktivisten gegen den geplanten Ausbau der A49. Am Mittwoch rückt die Polizei mit einem Großaufgebot an.

Im Dannenröder Forst, wo Aktivisten gegen den Ausbau der A49 protestieren, hat es erste Festnahmen gegeben.
  • Protest im Dannenröder Forst gegen geplanten Ausbau der A49
  • Aktivisten besetzten kurzzeitig B62 bei Kirtorf (Vogelsbergkreis)
  • Großer Polizeieinsatz am Mittwochmorgen
  • Erste Festnahmen und Kritik an Polizei

Update, 16.09.20, 17.38 Uhr: Trotz der Proteste im Dannenröder Forst gegen den Weiterbau der Autobahn 49 halten Hessens Christdemokraten an dem Projekt fest. «Die CDU-Fraktion im Hessischen Landtag bekennt sich klar zum Abschluss des Baus der Autobahn A49 und mahnt dazu, dass die derzeitigen Proteste friedlich und gewaltfrei verlaufen», sagte die Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Ines Claus, am Mittwoch gegenüber dpa. Jeder habe zur A49 seine eigene Meinung, die es demokratisch zu respektieren gelte. Jedoch dürfe der Streit um die Autobahn nicht die politischen Spielregeln des Grundgesetzes verlassen. Der Weiterbau der A49 sei eines der zentralen Verkehrsprojekte in Mittelhessen. 

Die Grünen twitterten hingegen, dass sie sich immer gegen das Projekt ausgesprochen hätten und die demokratische Entscheidung der Schwarz-Grünen Koalition akzeptierten. Dieser Post stößt allerdings von Seiten der Aktivisten und Umweltschützer auf Kritik.

Protest gegen Ausbau der A49: Polizei räumt Tripod

Update, 16.09.20, 16.22 Uhr: Nachdem sie aus Protest gegen geplante Rodungen im Dannenröder Forst stundenlang auf einem Tripod ausgeharrt hatte, hat die Polizei eine Aktivistin von der Barrikade geholt. Die Frau sei vorsorglich zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht worden, da sie lange Zeit ohne genug Flüssigkeit auf dem Gestell aus Baumstämmen gesessen habe, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Während der Abfahrt des Rettungswagens hätten Aktivisten zunächst eine Sitzblockade veranstaltet. Teils seien die Protestierenden freiwillig zur Seite gegangen, andere wurden von Beamten weggetragen.

Update, 16.09.20, 15.52 Uhr: Der Tripod aus Holz ist laut Twitternachricht von Aktivisten und Umweltschützer nach etwa acht Stunden nun von der Polizei abgebaut worden. Allerdings befänden sich noch immer Menschen in den Bäumen.

Update, 16.09.20, 13.05 Uhr: Aktivisten und Umweltschützer haben das Vorgehen der Polizei bei einem Einsatz im Dannenröder Forst kritisiert. Die Einsatzkräfte gefährdeten durch einen Mangel an Professionalität Menschenleben, erklärten die Waldbesetzer am Mittwoch. Nach ihrer Darstellung wurden Balken einer Barrikade bewegt, während eine Sitzblockade darunter noch nicht geräumt war. «Auch wir vom BUND sind vor Ort und fordern die Polizei auf, sofort die verantwortungslose Aktion einzustellen», sagte Olaf Bandt, Bundesvorsitzender des Naturschutzbundes BUND.

Was war passiert? Vor Ort im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm hatte es am Mittwoch zwei Festnahmen gegeben. Die beiden festgenommenen Aktivisten hätten versucht, an ein Kranfahrzeug zu gelangen, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Mit der Maschine der Forstbetriebe sollten eigentlich Barrikaden auf Rettungswegen weggeräumt werden. Eine der beiden Personen habe bereits im Korb des Fahrzeugs gesessen. Auch Gegenstände seinen auf den Waldweg geworfen worden, um die Reifen von Einsatzfahrzeugen zum Platzen zu bringen. Ein Fahrzeug der Polizei wurde mit einem Farbbeutel beworfen. Hierzu dauern die Ermittlungen ebenfalls an. Der Reifen eines Fahrzeuges der Polizei wurde durch einen Krähenfuß beschädigt.

Zudem war am Mittwoch auch ein Polizeihubschrauber über dem Dannenröder Forst im Einsatz. Die Polizei Mittelhessen erklärt hierzu: „Als ein Tripod aus Holz abgebaut werden sollte, kletterte eine Frau auf diesen Tripod in mehrere Meter Höhe. Aufgrund der Gefahrensituation für die Frau werden Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Im Zuge dieser Maßnahme wurde ein Rettungswagen, der vorsorglich verständigt wurde, auf dem Zufahrtsweg in den Wald von Personen behindert. Vor diesem Hintergrund landete in der Nähe von Dannenrod ein Polizeihubschrauber.

Im Dannenröder Forst im Vogelsberg haben sich Aktivisten in Baumhäusern eingerichtet. Sie protestieren gegen Rodungen des Waldes, die für Oktober vorgesehen sind. Grund dafür ist der Weiterbau der A49, die Kassel und Gießen miteinander verbinden soll. Am Mittwochmorgen hatte die Polizei nach eigenen Angaben begonnen, Barrikaden zu entfernen, die auf Rettungs- und Zufahrtswegen stünden. Eine komplette Räumung des Gebietes sei nicht geplant.

Bei einer Pressekonferenz vor Ort kritisierte der BUND das Projekt. «Die A49 ist ein Planungsdinosaurier aus vergangenen Zeiten», erklärte Bandt. Der Bau sei nicht zeitgemäß: Deutschland habe seit zwei Jahren ein neues Waldsterben und gebe Milliarden Euro dafür aus, die Mobilität durch eine Verringerung des Straßenverkehrs zu reduzieren. Der BUND fordere ein sofortiges Moratorium aller Autobahnplanungen und der Vergabe von Aufträgen für solche Projekte. Neben der hessischen Landesregierung stehe vor allem das Bundesverkehrsministerium in der Pflicht.

Protest gegen Ausbau der A49: Polizei mit Großaufgebot vor Ort

Update, 16.09.20, 08.54 Uhr: Großer Polizeieinsatz am Mittwochmorgen im Dannenröder Forst: „Die eingesetzten Beamten sind vor Ort, um den störungsfreien Verlauf der Maßnahmen zur Gefahrenbeseitigung auf den Forstbetriebswegen sowie den Schutz der Arbeiter und Maschinen zu gewährleisten", heißt es bei der Polizei Mittelhessen.

Dort, wo seit Wochen gegen den geplanten Ausbau der A49 im Vogelsbergkreis protestiert wird, begleitet die Polizei nach eigenen Angaben Forstarbeiter, die „die Wege für eine Brandbekämpfung sowie für andere Rettungseinsätze frei von Barrikaden zu machen.“

Auf Twitter haben Aktivisten, die sich im Dannenröder Forst aufhalten, Bilder veröffentlicht, die den Einsatz zeigen.

Bei der Polizei Mittelhessen heißt es weiter: „Die friedliche und gewaltfreie Meinungsäußerungs- sowie die Versammlungsfreiheit werden selbstverständlich von den Ordnungshütern gewährleistet und geschützt. Straftaten, die sich gegen die Verrichtung der Arbeiten, gegen Arbeiter oder Einsatzkräfte richten, werden indes konsequent verfolgt.“

Protest gegen Ausbau der A49: Aktivisten besetzen Bundesstraße B62

Erstmeldung, 13.09.20: Gegen den Ausbau der A49 im Vogelsbergkreis gibt es schon länger heftige Proteste. In der Nacht zu Sonntag (13.09.2020) hatten Aktivistinnen und Aktivisten die Bundesstraße B62 bei Kirdorf (Vogelsbergkreis) blockiert, wie die Protestierenden selbst über Twitter verkündeten. Sie wollten damit gegen das Übernachtungsverbot in den Protestcamps im Dannenröder Forst protestieren.

Widerstand gegen Ausbau der A49 im Vogelsbergkreis

Die Blockade wurde nach rund zwei Stunden bei Kirtorf friedlich beendet und die Protestierenden zogen auf die Wiese, auf die sich die A-49-Gegner vorab mit dem Vogelsbergkreis geeinigt hatten. Dort dürfen die Aktivisten und Aktivistinnen auch übernachten. WIe hessenschau.de berichtet, war am Sonntagmorgen kurz davon die Rede gewesen, dass rund 50 Teilnehmer auf der besetzten Bundesstraße übernachten wollten. Die Ausbaugegner sind gegen weitere Bahnstrecken und Fernstraßen durch das ländliche Gebiet rund um den Dannenröder Forst.

Protest gegen den Ausbau der A49: Kampf für den Dannenröder Forst

Ein Polizeisprecher beschreibt die Situation am Sonntagmorgen gegenüber dem hr als „ruhig“. Es gebe vonseiten der Polizei keinen Grund, tätig zu werden.

Das Protestcamp gegen den Ausbau der A49 soll nach gut einem Jahr geräumt werden. Im Vorfeld hatte sich der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft Andreas Grün besorgt geäußert*. Einen solchen Einsatz könne Hessen nicht allein bewältigen, sagt Polizeigewerkschaftschef Grün damals gegenüber der Alsfelder Allgemeinen. (Von Rebecca Röhrich) *giessener-allgemeine.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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