Wettbewerb um Rohstoffe für den Gerstensaft nimmt zu

Absatz sinkt, Bierpreis steigt: Das sagt der Willinger Braumeister 

+
Frisch gezapft: Vor allem Kneipengänger müssen sich künftig auf höhere Bierpreise einstellen. 

Waldeck-Frankenberg – Der Bierabsatz ist 2019 bundesweit um 2,5 Prozent auf 85,2 Millionen Hektoliter gesunken. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Diesen Trend bestätigen zum Teil auch Brauereien aus Nordhessen, wie eine Umfrage ergab.

In diese Entwicklung passt zudem, dass mit der Radeberger Gruppe der größte Produzent Deutschlands ab März die Preise erhöhen wird. Betroffen ist vor allem frisch Gezapftes, das in der Gastronomie ausgeschenkt wird. Auch Krombacher will mitziehen, Veltins ebenfalls, wie die Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung berichtet.

Nach Auskunft der Radeberger-Gruppe seien eine überlastete Lieferkette, Tariferhöhungen, veränderte Preise für Logistik (Maut, Personal), Energie oder Verpackungsmaterialien sowie notwendige Investitionen in die Stabilisierung des Mehrwegkreislaufes seit Jahren unvermeidbar und führten daher zu stetigen Kostensteigerungen, die nun nicht mehr intern kompensiert werden könnten.

In Waldeck-Frankenberg gibt es mit dem Willinger Brauhaus nur noch eine von wenigen Brauereien, die den Gerstensaft noch direkt vor Ort herstellen. Dort ist aktuell zwar keine Preiserhöhung geplant – außerdem war der Bierabsatz 2019 im Vergleich zu 2018 sogar leicht verbessert. Dennoch weist Braumeister Franz Mast darauf hin, dass man mit Blick in die Zukunft wohl nicht um Preiserhöhungen herumkomme. Ein Grund sei der zunehmende Wettbewerb um Rohstoffe.

Auch die Gastronomie bekommt die Preissteigerung zu spüren. „Das Fass soll künftig zehn Euro mehr kosten. Leider müssen wir die Erhöhung an die Gäste weitergeben“, sagt Hotelier Uli Zabel vom „Goldflair“ in Korbach. Dies bedeute voraussichtlich eine Erhöhung um zehn Cent für das frisch Gezapfte.

Weniger Bierabsatz verzeichnet die im Kreis Kassel beheimatete Hütt-Brauerei. Geschäftsführer Kai Salzmann macht dafür zum einen den demografischen Wandel verantwortlich. Die ältere Generation trinke weniger Alkohol als früher. Und die junge Generation trinke generell weniger. „Das Gesundheitsbewusstsein ist größer geworden“, vermutet Salzmann.

Zudem sei der Markt deutlich größer geworden. „Es werden mehr Spezialitäten wie Craft Beer konsumiert.“ Die Brauerei versuche, dem Trend entgegenzutreten, indem sie innovative Produkte schaffe. Eine Preiserhöhung sei für Hütt derzeit kein Thema. „Man muss den Markt beobachten, aber geplant ist das nicht.“ 

Willinger Brauhaus: Bislang noch keine Preiserhöhung geplant

"Bei uns ist bislang noch nicht über eine Erhöhung des Bierpreises gesprochen worden. Ich bin auch der Meinung, dass das jetzt nicht nötig ist. Wir bieten unser Bier schon zu einem höheren Preis an, der aber absolut gerechtfertigt ist“, betont der Willinger Braumeister Franz Mast. Er weist allerdings auch darauf hin, dass Preissteigerungen in Zukunft überall zu erwarten seien, und damit womöglich auch im Willinger Brauhaus. Das liege einerseits an den Energiekosten, die stetig höher werden. „Außerdem wird auch der Wettbewerb um Zutaten immer härter“, sagt der Braumeister. 

Bei Hopfen und Malz sehe man den Klimawandel deutlich. Es häuften sich die Jahrgänge, in denen Qualitäten nicht mehr die Normwerte erreichten und auch weniger Ernte-Mengen zur Verfügung stünden. Die Braugerste befinde sich in Konkurrenz mit anderen Feldfrüchten, daher sei Deutschland nicht mehr in der Lage, genügend davon für den Eigenbedarf selbst zu produzieren. Es müsse immer mehr aus anderen europäischen Ländern importiert werden, was einen höheren Preis für Braugerste bedeute. Zu höheren Kosten trage auch die nachlassende Qualität bei – vor allem beim Malz. 

„Die Mälzereien müssen mit der Qualität arbeiten, die sie vom Feld bekommen. Im Zuge des Klimawandels kommt es teilweise zu schlechteren Qualitäten bei Braugerste, das für Malz benötigt wird.“ Dies führe dazu, dass Brauereien ihren Produktionsprozess verändern müssen, um die Qualitätsminderung auszugleichen. „Das geht nicht ohne höhere Kosten“, so Mast. 

Unverständnis über Preispolitik der großen Brauereien

Nicht ganz nachvollziehbar ist aus Sicht des Braumeisters die Preispolitik der großen Brauereien. „Jedes Jahr stecken diese viele Millionen Euro in die Werbung, um Woche für Woche mindestens eine Premium-Marke für zehn oder elf Euro pro Kiste auf dem Markt bringen zu können. Die hohen Ausgaben für die Werbung werden auf den Preis beim Bier im Ausschank wieder aufgeschlagen“, berichtet der 49-Jährige. Um Menschen in die Kneipen und Gaststätten zu bekommen, sei dies eine falsche Strategie. „Der Gast wird bestraft, während der Kunde im Getränkemarkt profitiert“, sagt Mast. 

Natürlich schaue man auch im Willinger Brauhaus immer wieder danach, ob man den Bier-Preis im Ausschank oder im Verkauf erhöhen müsse. „Wenn das die großen Brauereien machen, ziehen auch die kleineren nach, weil man dies dem Gast oder Kunden dann besser erklären kann“, so Mast. 

Der Braumeister erinnert an dieser Stelle aber noch einmal an den aus seiner Sicht zwar etwas höheren, aber gerechtfertigten Bierpreis im Willinger Brauhaus. „Wir können hier nicht so günstig produzieren, wie das die großen Brauereien machen. Wir benötigen mehr Personal, während es bei anderen mehr Maschinen und technische Abläufe gibt.“ 

Zwar habe man den Vorteil, dass das Bier hier direkt in der Region verkauft werde und hohe Kosten für weite Transportwege daher wegfielen. „Bier ist aber nach wie vor ein Naturprodukt und ein hochwertiges Lebensmittel“, sagt Mast. Dafür müsse auch ein angemessener Preis gezahlt werden – sowohl für Fass-, als auch für angefülltes Flaschenbier. Es stecke eben viel Arbeit im Brauprozess.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare