Waldeck-Frankenberg

Abschied von politischer Bühne

- Waldeck-Frankenberg (jk). Zwei Christdemokraten haben versöhnlich Abschied genommen aus dem Kreistag: Dieter Fischer (Bad Arolsen) und Parlamentschef Michael Kossmann (Willingen).

Diese
Koalition zum Ausklang des Jahres war wirklich riesengroß. Stehend applaudierten Politiker aller Fraktionen für einen Dauerbrenner in der Kreispolitik: Nach 38 Jahren sagte Dieter Fischer (CDU) servus – bescheiden, ohne große Worte, nach außen scheinbar wie immer unsentimental. Doch innerlich wird ihn das schon gepackt haben, den „Panzer-Fischer“, wie er seit Jahrzehnten wegen seiner Zeit als Berufssoldat genannt wird. Denn selbst mit 78 Jahren ist Politik für ihn vor allem Leidenschaft. Zur Kommunalwahl im März 2011 tritt Fischer aber nicht mehr an. Er wird der Kommunalpolitik fehlen, keine Frage, denn mit Fischer hat ein unverwechselbares „Schlachtross“ Abschied genommen. Politische Kontrahenten titulierten ihn gern auch mal einen „liebenswerten Chaoten“. Ob als Kreistagsabgeordneter seit 1972 oder als Landtagsabgeordneter (1979 bis 1999) war Fischer berühmt für Zwischenrufe, kleine Anfragen – oft mit spitzer Zunge, vor allem zum Ende seiner politischen Karriere aber häufig auch gutmütig und väterlich. Fischer ist ein wahres CDU-Urgestein. Abseits der Parteiräson hat er Politik indes stets vor allem von der praktischen Seite aus gelebt. Nur ein Beispiel: Als sich die Christdemokraten Ende der 90er-Jahre nach außen noch vehement vorm „Nationalpark“ zierten, da bekundete Fischer längst Sympathie für das Projekt. Die Erkenntnis kam ebenfalls aus der Praxis: Als Wanderfreund hatte Fischer etliche Nationalparks persönlich besucht. Nun geht der politische Poltergeist von der Bühne, und selbst SPD, Grüne oder Linke werden ihn wohl mindestens insgeheim vermissen: Ein geradliniger, verwurzelter Typ, mit dem es sich auch noch so trefflich streiten ließ. Streit, den kannte auch Michael Kossmann (66) nur zu gut. Seit 1998 war er im Kreistag, davon fast zehn Jahre lang als Kreistagsvorsitzender. Von SPD und Grünen fing er sich wiederholt Rügen ein – oder auch mal gerichtliche Auseinandersetzungen. Und in seiner eigenen Partei, der CDU im Upland, war Kossmann zuletzt deutlich in die Kritik geraten. Der Willinger hätte gern noch eine Amtszeit drangehängt, daraus machte er keinen Hehl. Umso schmerzlicher war es für Kossmann, dass er als Kandidat für die Wahl 2011 nicht mehr nominiert worden ist. Eines kann ihm dabei niemand vorwerfen: dass er sich nicht über all die Jahre stets penibel als Parlamentschef vorbereitet hätte. Als juristischer Experte schöpfte er überdies aus einem reichen Fundus. Streit, insbesondere mit dem politischen Gegner, bleibt naturgemäß nicht aus, betonte Herbert Dinger (FWG) zu Kossmanns Verabschiedung im Kreistag. „Für mich kann ich sagen, ich habe immer gerne mit Ihnen zusammengearbeitet“, resümierte Dinger. Kossmann zeigte sich in seiner Bilanz sehr versöhnlich. „Ich bitte um Entschuldigung, bei denjenigen, denen ich auf den Fuß getreten habe.“ Er dankte den Kreisbeigeordneten Peter Niederstraßer, Otto Wilke und Landrat Dr. Reinhard Kubat für die Zusammenarbeit, ebenso den Mitarbeitern des Kreistagsbüros aus der Verwaltung. Was ihn zudem sichtlich berührte: „Wie sehr der Missbrauch des Vertrauens durch einen Einzelnen“ zum Schaden des gesamten Kreistags beitrug. Damit spielte Kossmann auf Ex-Landrat Helmut Eichenlaub an. Am Ende betonte Kossmann vor allem einen Wunsch: „Dass die Parteien im Wahlkampf nur um die Sache streiten“, um die Zukunft des Landkreises – nicht um Polemik. Denn nur so sei verloren gegangenes Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen.

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