Waldeck-Frankenberg

Ängstliche Hunde nicht allein lassen

- Waldeck-Frankenberg (mba/höh). Die Menschen veranstalten zum Jahreswechsel ein lautstarkes Spektakel mit allerlei Krachern, Böllern und Raketen. Viele Tiere, ob freilebend oder im Haus, durchleben deshalb an Silvester große Ängste.

Der ursprünglich Sinn des beinahe weltweit erhaltenen Brauches, den Jahreswechsel mit Silvesterknallern zu feiern, war es, mit dem Krach böse Geister zu vertreiben. Allerdings geht der oft exzessive Radau, den einige Zeitgenossen schon Tage vor sowie nach dem eigentlichen Anlass mit Böllern veranstalten, besonders den Vierbeinern auf den Geist. Bei vielen sensiblen Hunden, Katzen und Pferden löst besonders das mitternächtliche Feuerwerk massive Ängste aus. „Bei alten Hunden kann der Schreck einen Herzanfall oder Kreislaufprobleme auslösen“, sagt Dr. Detlef Marburger, Veterinär in Frankenberg. Fürsorgliche Tierhalter sind deshalb bemüht, den Schrecken für ihre haarigen oder gefiederten Hausgenossen so gering wie möglich zu halten. Tierärzte haben einige hilfreiche Tipps, wie man Bello, Mietze und Co. sicher ins neue Jahr bringt. Nicht alle Tiere haben Angst vor Feuerwerk und Böllern. Ob sie besondere Zuwendung brauchen, sollten die Besitzer selbst am Besten wissen. Bei Hunden mache sich die Silvester-Panik besonders bemerkbar, sagt Dr. Marburger auf Nachfrage von WLZ-FZ. Das hat einen einfachen Grund: Während ein Hund stets an der Seite seines Besitzers bleiben will, verkriecht sich eine verängstigte Katze in irgendeiner dunklen Ecke im Haus. Dort bleiben ihre Nöte im Verborgenen. Für nervöse Hunde gibt es sogar Beruhigungsmittel. Dr. Marburger rät an erster Stelle, einen ängstlichen Hund nicht allein zu lassen. Wenn möglich, sollten die Besitzer ihn in einem etwas abgeschirmten Raum unterbringen, wo das Tier den Lärm nicht wahrnehmen kann. Wo vorhanden, können auch die Rollläden geschlossen werden, um Lärm und Lichteffekte weitgehend draußen zu halten. Um den Hund abzulenken, kann der Halter auch den Fernseher etwas lauter stellen, nennt der Tierarzt einen weiteren Tipp. Ganz wichtig sei es, dem Hund „Normalität“ zu vermitteln, das heißt: Besitzer sollten sich nicht anders verhalten als sonst auch. Vor allem aber sollten sie einen ängstlichen Hund nicht bemitleiden – das macht ihn nur noch nervöser, sagt der Tierarzt. Wer in der Silvesternacht mit seinem Hund spazieren geht, sollte ihn unbedingt anleinen. Besonders junge Hunde würden mitunter auch angezündeten Knallkörpern hinterherlaufen, in der irrtümlichen Annahme, es gelte, ein Stöckchen zurückzubringen. Auch große Tiere haben Angst und reagieren auf Silvesterböller mitunter empfindlich. „Vor allem Pferdebesitzer, die ihre Tiere in Offenställen halten, schieben um den Jahreswechsel oft Stallwache“, weiß die Bergheimer Tierärztin Dr. Almut Vockert. Meist helfe gutes Zureden, um die nervösen Rösser zu beruhigen. „Manche Halter sedieren ihre Pferde sogar“, sagt die Veterinärin, aber dies sei nur in besonderen Ausnahmefällen erforderlich. Bei üblicher Stallhaltung komme es selten zu Problemen. Hilfreich sei es, das Stalllicht in der Silvesternacht brennen zu lassen, damit die Pferde nicht durch Lichtblitze der Silvesterraketen irritiert würden. „Wenn die Beziehung zwischen Mensch und Pferd stimmt, reicht meist schon die Anwesenheit des Besitzers, um das Tier zu beruhigen.“ Für Pferdehalter, die die Möglichkeit dazu haben, empfiehlt es sich, die Tiere auf Wiesen zu bringen, die möglichst weitab vom Silvestertrubel liegen. Die wildlebenden Tiere in den Wäldern am Rand der Städte und Dörfer dagegen müssen gänzlich allein mit ihren Ängsten fertig werden. Rehe und Wildschweine erschrecken sich besonders, wenn die Knaller in ihrer Nähe losgehen, sagt Andreas Schmidt, Leiter des Frankenberger Forstamtes. Aber auch dabei komme es auf die Art und Lautstärke des Feuerwerks an: „Pfeiffer sind ganz schlecht.“ (mba/höh)

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