Wegen Afrikanischer Schweinepest: Große Nachfrage aus China

Wie wirkt es sich aus, dass Bauern mehr Geld fürs Schweinefleisch bekommen?

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Arbeit mit Tieren: Schweinehalter Heiko Griesel aus Twiste übt seinen Beruf aus Überzeugung aus.

Waldeck-Frankenberg. Die weltweite Nachfrage nach Schweinefleisch ist zurzeit besonders groß. Das spüren auch bei uns Landwirte, Fleischverarbeiter, Händler und – bedingt – auch Kunden.

Erzeuger erhalten derzeit fast ein Viertel mehr fürs Fleisch als vor einem Jahr.

Eine Hauptursache ist die Afrikanische Schweinepest in China. „Riesige Bestände sind dort gekeult worden“, erklärt Dirk Blettenberg, Geschäftsführer der Genossenschaft Landwirtschaftliche Vieh- und Fleischvermarktung Nordhessen in Bad Arolsen. Die Nachfrage nach deutschem Schweinefleisch sei daher seit dem Frühjahr massiv angestiegen. Bis dahin hätten die Einkünfte der Schweinehalter kaum deren Kosten gedeckt. In Deutschland wird mehr Schweinefleisch produziert, als im Inland abgesetzt werden kann. Daher ist der Markt auf Exporte angewiesen.

Erzeugergemeinschaften melden jede Woche Schweinepreise, Vermarktungsmengen und Schlachtgewicht an eine zentrale Stelle und geben eine Einschätzung über die Marktlage ab. Angebot und Nachfrage werden analysiert. Danach wird ein Vereinigungspreis berechnet: zurzeit 1,85 Euro pro Kilo.

Blettenberg: „Es ist damit zu rechnen, dass die Preise so bald nicht nennenswert sinken werden.“ Trotzdem geben immer mehr Schweinehalter auf. Derzeit gibt es in Waldeck-Frankenberg laut Kreisbauernverband noch rund 350 Schweinehalter. Strenge Vorschriften und aktuelle Diskussionen um die Tierhaltung hielten viele davon ab, trotz guter Preise in neue Ställe zu investieren. Hohe Preise bewirkten höchstens, dass bestehende Ställe voll genutzt würden.

„Das derzeitige Preisniveau könnte wieder Ansätze bieten für eine Ausweitung der regionalen Produktion mit tier- und umweltgerechten Standards“, heißt es indes vonseiten des Fachdienstes Landwirtschaft des Kreises.

Höhere Kosten für Metzger

Circa 25 Prozent mehr als im Vorjahr zahlt nun zum Beispiel der selbst schlachtende Fleischer Hans-Georg Schneider aus Bottendorf. Die gestiegenen Einkaufspreise werden jedoch nur teilweise auf die Kunden abgewälzt. „Neulich hatten wir eine Preiserhöhung um fünf bis sechs Prozent“, sagt der Obermeister der Fleischerinnung.

Der Fleischer ist einer der wenigen in Waldeck-Frankenberg, die noch selbst schlachten: Tiere von Landwirten aus einem engen Umkreis. Er biete ein Kilogramm Mett für 6,90 Euro an. Dafür aber nach eigenem Rezept, zum Beispiel mit frisch gemahlenem Pfeffer. Für ihn sei es schwierig, den Kunden solche Preisdifferenzen zu vermitteln. Er verweist auf hohe Kosten, nicht nur wegen der seit dem Frühjahr wesentlich gestiegenen Schweinepreise: bis zu 1,90 Euro pro Kilogramm. 

Kaum noch selbst schlachtende Fleischer

Schneider sei zudem mit erhöhten Lohnkosten konfrontiert. Außerdem zahle er als kleiner Schlachter mitunter das Zehnfache an Gebühr für die Fleischbeschau als große Schlachtbetriebe. Im ganzen Landkreis gibt es nur noch eine Handvoll Metzger, die selbst schlachten. Diese alte Arbeitsweise schätzt Hans-Georg Schneider aber nach wie vor, auch wenn sie aufwendig und teuer sei. „Jedes Tier wird nur wenige Kilometer hierher transportiert. Das ist so tiergerecht wie möglich und wirkt sich auf die Fleischqualität aus.“ 

Die Preise für Schweinefleisch waren jahrelang auf einem niedrigen Niveau. Das habe den Metzgern aber kaum geholfen. Denn sie plagen – wie das Handwerk im Allgemeinen – Personalmangel, hohe Auflagen und – „gerechterweise“ – höhere Lohnkosten. Vor 20 Jahren hat es nach Auskunft von Hans-Georg Schneider noch fast 80 Metzger in Waldeck-Frankenberg gegeben. Jetzt seien es noch 34. „Fleischer ist ein interessanter Beruf“, sagt er. „Doch auch weil Fleisch einen immer schlechteren Ruf hat, wird das Handwerk kaputtgemacht.“ 

Die Politik erschwere die Mühen, regionales Fleisch zu vermarkten. Ein Beispiel sei das umstrittene Rindfleisch-Abkommen der EU mit den USA.

Viele Schweinehalter haben aufgegeben

Auch der Negativtrend bei den Schweinehaltern wird trotz guter Preise nicht zu stoppen sein, erwarten der Kreisbauernverband und der Fachdienst Landwirtschaft. In den letzten drei Jahren hätten 20 Prozent der Betriebe im Landkreis aufgegeben. Das liege nicht nur an Preisschwankungen, sondern an „immer neuen Haltungsvorschriften und einer überbordenden Bürokratie“, sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg. „Das Bittere ist, dass es vor allem kleine Betriebe trifft, die einen wichtigen Beitrag zur regionalen Versorgung leisten.“

Bessere Bedingungen durch gute Preise

Ein Grund zur Freude sind die verhältnismäßig hohen Preise aus der Sicht des Landwirtes Heiko Griesel aus Twiste. Bei geringen Preisen wie bis Beginn des Jahres können Bauern ihre Kosten nicht decken. Dazu zählten Kosten für Futter, Energie, Beiträge zur Versicherung, für Berater, Stall und Lohn. Außerdem zahlt ein Schweinemäster wie Heiko Griesel für die Ferkel, die er einkauft. Auch diese seien zuletzt teurer geworden. 

Arbeit mit Tieren: Schweinehalter Heiko Griesel aus Twiste übt seinen Beruf aus Überzeugung aus.

„Unsere Produktionskosten schwanken stark“, sagt Griesel. Ebenso die Preise, die konventionelle Schweinehalter erzielen. Diese hängen von zahlreichen Faktoren ab: von der Nachfrage in Deutschland und global, von der Saison, von Handelskriegen, Exportbedingungen, Lebensmittelkrisen und wie momentan der besonderen Situation, dass China außergewöhnlich stark Fleisch aus Deutschland nachfragt. Zudem spielten Ideologien eine Rolle: Es gebe die „absurden“ Entwicklungen, dass manche Kantinen und Schulen kein Schweinefleisch mehr anbieten wollten. 

Während in Deutschland die Nachfrage nach Schweinefleisch leicht zurückgeht, steigt sie weltweit an. Was im Inland nicht vermarktet werden kann, wird exportiert. Zurzeit besonders viel nach China. Dadurch sind die Preise angezogen. Das hilft den Landwirten jetzt nach einer Phase, in der sie draufzahlen mussten, um Rücklagen bilden zu können, sagt Heiko Griesel. Bei einem Basispreis von 1,85 Euro pro Kilo können Schweinemäster solide wirtschaften. 

Einnahmen konnten lange Zeit die Kosten kaum decken

Dieses Preisniveau werde dringend benötigt, heißt es vonseiten des Fachdienstes Landwirtschaft des Landkreises, da die Schweinepreise über einige Jahre hinweg bei durchschnittlich 1,35 Euro pro Kilogramm lagen, was nicht einmal die Kosten gedeckt habe. „Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Schweinehaltung stetig gestiegen.“ Heiko Griesel sorgt sich deshalb um die Zukunft der Schweinehalter. In der Gemeinde Twistetal gebe es schon in mehreren Orten keinen einzigen Betrieb mit Schweinen mehr. Den Landwirten fehlten Planungs- und Rechtssicherheit. 

Außerdem schreckten immer neue Vorschriften wie etwa die Düngeverordnung ab. Heiko Griesel und sein Vater können damit umgehen, was auch an der Größe ihres Familienbetriebes liege. Je größer die Einheiten, desto geringer seien verhältnismäßig die Kosten zum Beispiel für Futter, Logistik und Bauvorhaben. „Der Druck wächst“, sagt Heiko Griesel. „Viele haben keine Lust mehr.“

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