Buchen stehen vor dem Kollaps

Akute Gefahr durch kranke Bäume: Teil der Edersee-Randstraße gesperrt

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Waldschäden im Fürstlichen Wald zwischen Helsen und Kohlgrund. Die Schäden an der Rinde zeigt Revierförster Oliver Wagemann.

Waldeck-Frankenberg. Die Edersee-Randstraße zwischen Waldeck-West und Nieder-Werbe wird bis auf weiteres für den Verkehr sowie für Fußgänger und Radfahrer gesperrt.

Waldeck-Frankenberg – Dürre, Hitze, Pilzkrankheiten: Die Probleme der Buchen wachsen sich von Tag zu Tag vor den Augen der Forstleute zum Drama aus, etwa um Bad Arolsen und am Edersee.

Von dort kam am Freitag die nächste Hiobsbotschaft: Die Edersee-Randstraße zwischen Waldeck-West und Nieder-Werbe wird bis auf weiteres für den Verkehr sowie für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Viele Bäume an der Straße seien abgestorben oder so stark geschädigt, dass sie eine akute Gefahr für Leib und Leben darstellen. In den nächsten Tagen werde starker Wind erwartet. „Unter diesen Umständen können wir das Befahren der Strecke nicht mehr verantworten“, sagt Harry Kirschner von Hessen- Mobil. Am Montag werde mit Spezialmaschinen begonnen, die Gefahrensituation zu entschärfen.

 André Schulenberg vom Forstamt Vöhl sprach von einer kritischen Lage. Ausmaß und Geschwindigkeit, mit der die Schäden jetzt auftreten, überraschen die Experten.

„Die Buchen kämpfen vor allem mit Pilzerkrankungen. Dabei verhält es sich vielfach wie mit dem Herpes bei uns Menschen“, erklärt  Dr. Gitta Langer. Die Vorsitzende des Nationalpark-Fördervereins arbeitet als Biologin bei der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen und ist Pilzexpertin.

Der Erreger lebt im fremden Organismus, wird aber von dessen Körperabwehr in Schach gehalten. Seine krank machende, gar tödliche Wirkung entfaltet er, wenn das Immunsystem des Wirtes angegriffen ist. Und die Abwehr vieler Buchen ist zusammen gebrochen oder steht kurz vor dem Kollaps. „13 Monate am Stück war es zu warm. Hinzu kamen zwei trockene Sommer und ein trockener Winter“, sagt Gitta Langer. An vielen Standorten verstärkte Sonnenbrand den Stress: „Die Buche hat eine glatte, empfindliche Rinde.“

So erwartet die Pilze ein leichtes Spiel. Ihr zersetzendes Werk bereitet das Feld für Käfer und weitere Angreifer. Der Baum zeigt ein vielfältiges Bild der Hinfälligkeit: die Buchenvitalitätsschwäche.

„Im vorigen Jahr beobachteten wir sie an Standorten, die nicht ideal für Buchen sind: an steilen, trockenen Hängen mit hoher Sonneneinstrahlung etwa“, berichtet Gitta Langer. Inzwischen seien alle Lebensräume und Altersklassen der Buche betroffen. Suchen Pilze eine Buche in Massen heim, ist sie dem Tode geweiht, „selbst wenn es Monate durchregnet“, sagt die Biologin. Bei Jahresdurchschnittstemperaturen ab 8 Grad Celsius fühle sich die Buche wohl. Die aktuell 12 bis 13 Grad Celsius seien aber auf Dauer zu viel.

Die Sperrung eines beliebten Weges am Edersee markiert den Anfang der Auswirkungen auf Waldbesucher. Langer rechnet mit weiteren Phänomenen. Das Waldbild werde sich drastisch ändern. Eine Gewinnerin könnte die Eiche sein, die Trockenheit und Wärme besser toleriert. Und: Absterbende Baumbestände böten Lebensraum für eine große Vielfalt an Organismen. Die Natur schaffe ein neues Gleichgewicht.

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