Hessischer Wirtschaftsminister debattiert mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer

Al-Wazir: Energie-Cluster weiterentwickeln

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Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (links) und IHK-Präsident Martin Viessmann. Foto: Lutz Benseler

Kassel - Das Land will Nordhessen als Energie- und Effizienz-Cluster weiterentwickeln. Das kündigte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir am Mittwoch bei einem Gespräch mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Kassel an.

Die Region habe sich in den letzten Jahren zu einer regelrechten Modellregion auf den Gebieten der dezentralen Energietechnik und Energieeffizienz entwickelt.

Als Cluster wird ein regionales Netzwerk von eng zusammenarbeitenden Unternehmen, Forschungseinrichtungen und anderen Institutionen bezeichnet. Firmen wie der Wechselrichterhersteller SMA aus Niestetal, der Heiztechnik-Spezialist Viessmann aus Allendorf/Eder oder auch die Universität Kassel bündeln bereits seit einigen Jahren im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz ihre Kompetenzen, etliche Neugründungen sind in der Region entstanden. Wie konkret der Beitrag des Landes zum Cluster aussehen soll, ließ Al-Wazir unterdessen offen.

IHK-Präsident Martin Viessmann hatte zuvor gefordert, die Energiewende dürfe die kleinen und mittleren Unternehmen nicht über Gebühr belasten. Damit die Energiewende überhaupt gelinge, müsse die Energieeffizienz auf breiter Front erhöht werden.Viessmann stimmte der Einschätzung Al-Wazirs zu, dass die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung ein unverzichtbares Instrument zum Abbau des Modernisierungsstaus sei.

Ziel der Energiewende sei eine „sichere, umweltschonende und bezahlbare Energieversorgung“, sagte Al-Wazir. Voraussetzung dafür sei eine sichtbare Veränderung der Netze, spielte der Minister auf die Trassenpläne des Netzbetreibers Tennet für die neue Gleichstromleitung SuedLink an. Eine Erdverkabelung sei dabei kein Allheilmittel, aber dort sinnvoll, „wo sie hilft, Konflikte zu vermeiden, etwa in der Nähe von Siedlungen“.

Kritik übte Viessmann am schleppenden Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in Nordhessen. Die Baufortschritte der Autobahn A44 erfolgten lediglich im Schneckentempo; der Weiterbau der A49 komme ebenfalls nicht voran, da Finanzierungsfragen noch ungeklärt seien. Ebenso verzögere sich die Realisierung von Ortsumgehungen, wie bei der B252 zwischen Marburg und Frankenberg. Schließlich führe eine Vielzahl von Verkehrsbeschränkungen zu andauernden Belastungen. „Für die Industrie ist dies eine große Herausforderung“, sagte der IHK-Präsident.

Al-Wazir wies darauf hin, dass die Finanzierung der Autobahnen und Bundesstraßen Aufgabe des Bundes sei. Ziel der Landesregierung sei die Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsträger mit ihren - auch regional - unterschiedlichen Vorteilen. In den vergangenen Jahren sei zu wenig Augenmerk auf den Schienenverkehr gelegt worden; deshalb wolle die Landesregierung die Bahn attraktiver machen und die Reaktivierung von Strecken prüfen.

Aufgabe des Landes sei außerdem eine dauerhafte Finanzierung der touristischen Destination Nordhessen zu sichern, sagte der Minister. Viessmann forderte ein verbessertes Standortmarketing: „Eine touristisch gut angenommene Region hat die Chance, den demografischen Wandel besser zu bewältigen.“

Von Lutz Benseler

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