Eine Alternative zum Mais

Anbautest in Waldeck-Frankenberg: Mit Becherblume zu Biogas

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Vielversprechende Energiepflanze: Walter Dersch vom Maschinenring Waldeck-Frankenberg baut auf einem Feld bei Viermünden versuchsweise die Becherblume an – ohne Pflanzenschutzmittel und Dünger.

Der Maschinenring Waldeck-Frankenberg setzt auf den umweltfreundlichen Anbau von  Energiepflanzen als Alternative zum Mais. Im Anbautest ist auch die Becherblume. 

Sie leuchtet gelb auf einem Feld oberhalb Viermündens und sieht aus wie eine Sonnenblume mit kleinen Blüten. Die „Durchwachsene Silphie“ oder Becherblume ist nicht für die Blumenvase gedacht, sie ist eine Energiepflanze. In sie setzt der Maschinenring Waldeck-Frankenberg große Hoffnung – als Alternative zum Mais. Denn sie kann extensiv, also umweltfreundlich, und ohne großen Aufwand angebaut werden.

Geschäftsführer Walter Dersch hat vor fünf Jahren ein Versuchsfeld angelegt und macht dort als einer der ersten Landwirte in Hessen „Gehversuche“ mit dieser „vielversprechenden Pflanze“. Die „Silphie“, wie er sagt, wird jetzt, im September, geerntet – mit dem Maishäcksler. Sie wird zur Stromerzeugung in der Biogasanlage der Firma Viessmann eingesetzt.

Becherblume wächst gut

Dersch ist überzeugt von den Vorteilen, die er so beschreibt: Die Becherblume wächst gut. Nach einem Jahr ist der Bestand so dicht, dass keine Unkrautbekämpfung mehr nötig ist. Krankheiten und Schädlinge sind bisher nicht bekannt. Und: Silphie kann 15 bis 20 Jahre auf dem gleichen Standort geerntet werden. Der Aufwand des Umpflügens und Neuansäens fällt viele Jahre lang weg.

Allerdings war das Anpflanzen teuer, denn es gab vor fünf Jahren noch keinen Samen. Dersch musste für 6000 Euro Pflanzen kaufen und setzen. Mittlerweile ist Saatgut vorhanden. „Wir wollen nun einen Aussaatversuch machen“, sagt er. Ziel sei, diese umweltfreundliche Pflanze als Ersatz für den aufwendigeren und teureren Maisanbau zu verwenden.

Der Mais mache bisher mit 6600 Hektar den größten Anteil unter den Energiepflanzen in Waldeck-Frankenberg aus.

Auf dem Vormarsch seien aber auch andere Energiepflanzen, die extensiv angebaut werden. Das Riesenweizengras (Szarvasi- oder Steppengras) brauche weniger Wasser als der Mais und resorbiere viel Kohlendioxid. Miscanthus, das Elefantengras, eigene sich in Kombination mit Holzhackschnitzel aus den Plantagen der schnell wachsenden Pappeln hervorragende als Brennmaterial.

Vorteile gegenüber Mais

"Die alternativen Energiepflanzen haben entscheidende Vorteile zum Mais“, sagt Walter Dersch vom Maschinenring. Schon alleine dadurch, dass die Kulturen mehrere Jahre oder auch mehrere Jahrzehnte wachsen, falle viel Arbeits-, Zeit- und Kostenaufwand weg. Zudem sei – anders als beim Mais – kein Pflanzenschutz und meist auch kein Dünger nötig. 

„Somit verbinden sich ein umwelt- und klimafreundlicher Anbau mit Wirtschaftlichkeit“, sagt Dersch. Auch wenn der Mais im Landkreis die Energiepflanze Nummer eins ist, kann – anders als zum Beispiel in Norddeutschland – „von einer Vermaisung der Agrarlandwirtschaft in Waldeck-Frankenberg keine Rede sein“, sagt der Fachdienst Landwirtschaft des Landkreises auf Anfrage. „Lediglich in kleinsten Teilbereichen, zum Beispiel um große Milchviehställe oder Biogasanlagen herum, erfolgt eine gewisse Konzentration im Anbau.“

 In Waldeck-Frankenberg werden laut Kreisverwaltung 41.000 Hektar für Ackerbau genutzt. Der Anbau von Energiepflanzen macht damit zirka 17 Prozent aus.

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