1. WLZ
  2. Landkreis

Anhebung der Altersgrenze bei der Feuerwehr? Das sagen Brandschützer in Waldeck-Frankenberg

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefanie Rösner

Kommentare

Selbstverständlich Feuerwehrmänner: Siegfried Butterweck (links) und sein Bruder Harald Butterweck sind über 60 und noch bei der Feuerwehr Bad Arolsen.
Selbstverständlich Feuerwehrmänner: Siegfried Butterweck (links) und sein Bruder Harald Butterweck sind über 60 und noch bei der Feuerwehr Bad Arolsen. © Stefanie Rösner

Im Notfall sind Helfer gefragt, und da darf es an Einsatzkräften nicht fehlen. Daher überlegen auch die Freiwilligen Feuerwehren ständig, wie gewährleistet werden kann, dass immer genug Aktive einsatzbereit sind. Ob eine Anhebung der Altersgrenze von 65 auf 67 Jahre notwendig wird, darüber wurde bereits im Hessischen Landtag gesprochen.

Waldeck-Frankenberg - Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Waldeck-Frankenberg, Gordon Kalhöfer, sieht diese Option aber nicht als Schlüssel zur Lösung des Problems. „Viele Ältere sind fitter geworden“, sagt Kalhöfer. „Theoretisch könnten sie in der Tagesalarmbereitschaft Lücken schließen, wenn andere an der Arbeit und somit nicht für den Einsatz verfügbar sind.“

Außerdem sei der Erfahrungsschatz der älteren Feuerwehrleute unverzichtbar. Er sieht aber ein Problem bei zunehmendem Alter: „Im Einsatz brauche ich die, die atemschutztauglich sind. Das ist schwer zu leisten für über 60-Jährige, und mancher Mittvierziger tut sich schon schwer damit.“ Kalhöfer befürchtet: Mit einer Anhebung der Altersgrenze könnte es mehr altersbedingte Unfälle geben. Das Wissen und die Erfahrung der Älteren kann nach Meinung von Gordon Kalhöfer auch an anderer Stelle bereits vielfach eingesetzt werden. So können Ehrenamtliche mit über 60 beziehungsweise über 65 Jahren in der Ausbildung und in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sein, außerdem beispielsweise in der Öffentlichkeitsarbeit oder bei der Feuerwehrmusik. Dabei würden sie durchaus gebraucht. „Im Ausbildungs- und Übungsdienst kann man auch mit 70 noch mitmachen.“

Gordon Kalhöfer, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands
Gordon Kalhöfer, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands © PR

In der Einsatzabteilung hingegen sollte stets Luft sein für die jüngere Generation. „Wenn jemand mit 67 Jahren noch an seiner Position festklebt, kann das schwierig sein“, so Kalhöfer. Außerdem sollte man die Freiwilligen nicht überfordern. Seine Bedenken: „Wir muten den Ehrenamtlichen zu viel zu.“

In Waldeck-Frankenberg gibt es 120 Feuerwehrleute in den Einsatzabteilungen, die zwischen 61 und 65 Jahre alt sind. Wer mit über 60 noch weitermachen will, muss einen Antrag stellen und ein ärztliches Attest vorlegen. Die Kommune entscheidet dann darüber.

Jahrzehnte für die Feuerwehr aktiv

„Nach jahrzehntelanger Arbeit für die Feuerwehr ist es nicht so einfach zu sagen, ich höre auf.“ Siegfried Butterweck ist mit seinen 63 Jahren einer, auf den die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Bad Arolsen noch immer zählen kann. Regulär mit 60 aufzuhören kam für ihn nicht infrage. Er fühlt sich fit genug.

Wie sein Bruder auch hat er verlängert, das heißt, er hat einen Antrag gestellt, damit er bis 65 weiter bei Feuerwehreinsätzen aktiv sein kann. Eine Selbstverständlichkeit für Siegfried Butterweck, der mit seinen Kameraden fast täglich zu Einsätzen rausfährt.

Für ihn ist es faszinierend, mit den speziellen technischen Geräten arbeiten zu können, sagt er. Außerdem treibt die Kameradschaft ihn an. Vor allem aber ist es der Kerngedanke der Feuerwehr, die ihn motiviert: „Das Gefühl, das ich bei Einsätzen habe, wenn wir Menschen konkret helfen, ist noch genauso wie früher.“

Von 1984 bis zum Jahr 2000 war Siegfried Butterweck Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Arolsen. Er lebt im Wohnhaus, das direkt an die Feuerwache gebaut wurde. Ist das ein Leben für die Feuerwehr? „Das kann man so sagen“, meint der 63-Jährige. Mit dieser andauernden Leidenschaft bezeichnet er sich selbst als „aussterbende Spezies“. Ans Aufhören hat er nie gedacht, auch nicht nach besonders belastenden Situationen, die Feuerwehrleute nun mal erleben. „Nach schwierigen Einsätzen ist es immer gut und sinnvoll, wenn man sich hinterher mit den Kameraden austauscht und das Erlebte aufarbeitet.“

In zwei Jahren, mit 65, wird für ihn Schluss sein in der Einsatzabteilung. Zumindest, wenn die rechtlichen Regeln so bleiben wie sie sind. Falls es in Hessen tatsächlich zu einer Anhebung der Altersgrenze auf 67 Jahre kommen sollte, so will er es nicht komplett ausschließen, vielleicht doch noch ein Weilchen mitzufahren, wenn die Feuerwehr gerufen wird.

Ansonsten will Siegfried Butterweck der Feuerwehr in anderen Bereichen als Ehrenamtlicher treu bleiben. „Ich kann mich auch anders einbringen.“ Als Ausbilder ist er ohnehin schon tätig gewesen und hat jede Menge Erfahrung.

Bis 67 aktiv im Dienst sein

Hessens Landesregierung kann es sich grundsätzlich vorstellen, die Altersgrenze bei aktiven ehrenamtlichen Feuerwehrleuten von 65 Jahre auf 67 Jahre anzuheben. Ein Pilotprojekt der Sportklinik Frankfurt habe ergeben, dass es keine medizinischen Bedenken gibt. In Hessen endet der aktive Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr mit dem Erreichen von 60 Lebensjahren. Diese Frist kann auf Antrag und mit Attest bislang bis zu einem Alter von 65 Jahren verlängert werden.

Auch interessant

Kommentare