Hintergrund sollen rassistische Beleidigungen gewesen sein

Anklage wegen versuchten Totschlags: 24-Jähriger stach in Frankenberg mit Messer zu

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Tatort: Hier in der unteren Fußgängerzone in Frankenberg fand in der Nacht zum 1. Mai 2016 der Streit statt.

Frankenberg. Weil er in der Nacht zum 1. Mai 2016 in der Frankenberger Fußgängerzone in Tötungsabsicht auf einen 24-Jährigen eingestochen haben soll, steht ein 22-jähriger Marburger wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Marburg. Hintergrund sollen rassistische Beleidigungen gewesen sein.

Laut Anklage hat der Mann mit drei Freunden in seiner damaligen Wohnung in Frankenberg Computer gespielt und Alkohol getrunken. Gegen Mitternacht sollen Passanten vorbeigekommen sein, mit denen es zum Streit kam. Laut Aktenlage könnte aus der Gruppe das „Nachäffen“ von Lachen aus der Wohnung der Anlass gewesen sein.

Die Anklage geht davon aus, dass der 24-Jährige, als er den dunkelhäutigen Wohnungsinhaber sah, so etwas wie „komm doch runter, Nigger“ gesagt hat. Dieser habe dann mit einem Küchenmesser mit etwa 15 Zentimeter langer Klinge das Haus verlassen. 

Dort habe er zunächst selbst von dem mutmaßlichen Opfer einen Kopfstoß bekommen und anschließend zugestochen, wobei die Anklage davon ausgeht, dass er den Kontrahenten auch töten wollte. Lebensgefährlich waren jedenfalls dessen Verletzungen im Oberkörper. Laut Staatsanwalt Nikolai Wolf konnten nur eine Notoperation und ein künstliches Koma sein Leben retten.

Lebensgefährlich verletzt wurde aber auch der Angeklagte: Ein Begleiter des 24-Jährigen soll ihn derart geschlagen haben, dass auch er mit Kopfverletzungen mehrere Tage im künstlichen Koma lag. 

Vor Gericht gab der Angeklagte jetzt an, sich kaum noch erinnern zu können – jedoch an die Beleidigung, dass er den 24-Jährigen zur Rede stellen wollte und dass er das Messer wegen der größeren Gruppe zum Selbstschutz mitgenommen habe. In keinem Fall, so beteuerte er, habe er jemanden töten wollen.

Das mutmaßliche Opfer bestritt die Beleidigung oder Provokation aus seiner Gruppe. Von dem eigenen Kopfstoß habe er erst später von seinen Begleitern erfahren.

Die Verhandlung wird am 28. November fortgesetzt. 

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