Der gebürtige Bad Arolser Jürgen Kleinhans schildert seine Eindrücke aus der belgischen Hauptstadt

Am Tag der Anschläge in Brüssel

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Die mutmaßlichen Täter: Der belgische Sender VRT veröffentlichte gestern ein Foto von drei Männern, die den Anschlag auf den Brüsseler Flughafen verübt haben sollen. Der Sender teilte mit, die Polizei habe dies bestätigt. Über ihre Identität war bis zum Abend nichts bekannt. Die beiden links sollen sich in die Luft gesprengt haben. Nach dem Mann rechts wird gefahndet. (Foto: dpa)

Brüssel/Bad Arolsen. Der islamistische Terror hat die belgische Hauptstadt mit dem Sitz der Europäischen Union abermals grausam erreicht. Über 30 Menschen starben am Dienstag nach Anschlägen auf dem Flughafen und in einer U-Bahn-Station. Der gebürtige Bad Arolser Jürgen Kleinhans ist derzeit in Brüssel und schilderte der WLZ-Redaktion gestern Abend seine Eindrücke aus der Stadt im Alarmzustand:

 „Zur Zeit bin ich in Brüssel, weil ich nach Ostern meine Wohnung hier auflöse. Ich wohne im Viertel Schaerbeek, das wie Molenbeek auch muslimisch geprägt ist. Die meisten Europäer leben in anderen Vierteln von Brüssel. Meine Wohnung in Schaerbeek, Avenue Chazal, ist gleich in der Nähe der Europäischen Kommission und des Europäischen Rates, zu Fuß nur etwa 15 Minuten entfernt. Von meiner Metro-Station Schuman bin ich am Montagabend noch durch Maelbeek gefahren, weil ich mit einem Kollegen in der Stadt essen war. Am Morgen habe ich dann häufig Polizeisirenen gehört, war aber nicht beunruhigt, da voriges Jahr immer wieder Polizeisirenen zu hören waren. Dann erreichte mich eine Whats-App-Nachricht, in der ein Freund von den Anschlägen berichtete. Ich habe dann den Fernseher eingeschaltet. Vor meinem Haus gibt es dienstags immer einen Wochenmarkt, der auch diesmal unbeirrt bis mittags abgehalten wurde. Auch die Menge an Besuchern war wie sonst auch. Obwohl der Flughafen und auch die Metro-Station nicht weit entfernt sind von meiner Wohnung, fühle ich mich hier sicher. Aber auf dem Weg zur Europäischen Kommission hatte ich schon ein etwas mulmiges Gefühl. Schwer bewaffnet vor EU Die Polizei-Präsenz und auch schwer bewaffnete Soldaten gehören allerdings seit Anfang 2015 zum Alltagsbild in Brüssel. Insbesondere vor vielen EU-Einrichtungen stehen bewaffnete Soldaten. Vorigen Freitag war auch die Umgebung des Europäischen Rates wegen der Türkei-Tagung der EU abgesperrt. Jetzt am Abend ist es nach den Anschlägen insgesamt schon wieder ruhiger auf den Straßen geworden. Etliche Geschäfte hatten geschlossen. Und ich habe viele Whats-App-Nachrichten erhalten, in denen sich Freunde erkundigt haben, wie es mir geht. Das hat mich wirklich sehr gefreut, ich war überwältigt. Man rückt in solchen Situationen einfach enger zusammen. Mein Mitgefühl und meine Trauer gehören den Unschuldigen, die den Anschlägen in Brüssel zum Opfer gefallen sind.“

Mehr zu den Anschlägen in Brüssel in unserer Zeitungsausgabe vom Mittwoch.

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