Neuer Service für Arbeitssuchende

Anträge beim Jobcenter lassen sich künftig bequem digital stellen

Pressetermin „digitale Hauptakte“ - sie werben dafür, Anträge ans  Waldeck-Frankenberger Jobcenter künftig digital zu stellen: Links der Geschäftsführer Otto Richter, rechts der Teamleiter der Leistungsabteilung, Jan-Wilhelm Pohlmann. Die Papierform bleibt aber erhalten.
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Sie werben dafür, Anträge ans Jobcenter künftig digital zu stellen: Links der Geschäftsführer Otto Richter, rechts der Teamleiter der Leistungsabteilung, Jan-Wilhelm Pohlmann. Die Papierform bleibt aber erhalten.

Leute auf Arbeitssuche können ihren „Hauptantrag“ für das Arbeitslosengeld II künftig auch bequem online ausfüllen. Diesen neuen Service bietet das Waldeck-Frankenberger Jobcenter an.

Korbach – Mit ein paar Klicks am Rechner, Tablet oder übers Smartphone das Arbeitslosengeld II beantragen? Das ist demnächst beim Waldeck-Frankenberger Jobcenter möglich. Kunden auf Arbeitssuche können ihren „Hauptantrag“ bequem online ausfüllen.

Meldeten sich Leute bisher beim Jobcenter telefonisch arbeitslos oder arbeitssuchend, bekamen sie einen mehrseitigen Antrag aus Papier zugeschickt. Künftig können sie wählen, ob sie die Papiere ausfüllen – oder ob sie den Antrag über einen geschützten Zugang digital stellen. Einzige Voraussetzung: eine eigene E-Mail-Adresse.

Jobcenter nimmt an Erprobungsphase teil

Das Jobcenter beteiligt sich an der Erprobungsphase für diesen zusätzlichen Service. Die Bundesagentur für Arbeit hat dazu bundesweit 16 Center ausgewählt – „wir sind das einzige Jobcenter in ganz Hessen“, sagt Geschäftsführer Otto Richter.

Ab dem 18. Oktober können ausgewählte Kunden ihren Antrag online stellen. In dieser Phase gelte es zu testen, wie praktikabel die Anwendung sei, erklärt Richter.

Verfahren vereinfachen

Es gehe darum, Verbesserungsvorschläge zu machen. „Wir wollen auch Rückmeldungen von unseren Kunden bekommen.“ Denn Sinn der Erprobungsphase sei, bei Bedarf umzusteuern oder die Bedienung zu vereinfachen. Alles sei noch in der Programmierung, berichtet der Teamleiter der Leistungsabteilung, Jan-Wilhelm Pohlmann. „Wir können jederzeit Rückmeldungen an die Entwickler geben,“ sagt Richter. Diese Mitgestaltungsmöglichkeit sei ein Grund für sein Jobcenter gewesen, sich bei der Bundesagentur zu bewerben.

Ab dem 2. November für alle freigeschaltet

Am 2. November wird die Funktion für alle Interessenten freigeschaltet. Dann gehe es fürs Jobcenter darum, das neue Angebot den Kunden „nahezubringen“, sagt Richter. Eine möglichst einfache Bedienung erhöhe die Akzeptanz. Kunden sparten Zeit, und für die Mitarbeiter im Jobcenter gehe die Bearbeitung schneller.

Bei der Papierform müssen alle Dokumente eingescannt und in die Elektronische Akte eines Kunden überführt werden. Diese Arbeitsschritte entfallen bei der digitalen Antragstellung – außerdem werden mögliche Fehler vermieden. „Die digitale Form wird die Bearbeitung beschleunigen“, sagt Richter. Kunden sparen zudem Brieflaufzeiten und Porto und müssen ihre Originaldokumente nicht mehr aus der Hand geben.

Möglichst einfaches Verfahren

Jan-Wilhelm Pohlmann, erläutert, wie einfach die Anträge zu stellen sind. Auf der Startseite der Homepage www.jobcenter-waldeck-frankenberg.de findet sich der Button Jobcenter.digital, der künftig zum Button „Hauptantrag“ führt.

Dort registrieren sich Antragsteller einfach mit ihrer Mail-Adresse. Prompt bekommen sie ein Passwort zugeschickt und können loslegen. „Das Angebot ist sehr niederschwellig“, betont Pohlmann.

Unter „Tag der Antragsstellung“ wird abgefragt, ab wann Leistungen fließen sollen. Dann folgen die persönlichen Angaben und Angaben zum Haushalt.

Unnötige Fragen entfallen

Die Fenster mit den Abfragen seien „bewusst einfach gehalten“, erklärt Pohmann. Klickt zum Beispiel jemand an, er wohne allein, werden ihm Fragen zu Mitbewohnern erst gar nicht angezeigt. „Das macht es für Kunden unkomplizierter“, erklärt Pressesprecherin Julia Rusch. „Wir ersparen den Kunden unnötige Fragen“, erklärt Pohlmann. Damit sei die Antragstellung einfacher als bei der Papierform, bei der alle Fragen abgedruckt sind.

Dokumente einfach abfotografieren

Unterlagen wie der Mietvertrag oder Lohnabrechnungen können dem Digitalantrag angehängt werden – wer keinen Scanner hat, kann Dokumente einfach mit seinem Smartphone abfotografieren und die Datei mit hochladen. „Das ist echt praktisch und funktioniert gut“, sagt Rusch.

Nach der Antragstellung erhalten Kunden eine Telefonnummer des Jobcenters: Sie müssen sich noch identifizieren. Für die Datensicherheit ist gesorgt, Kunden erhalten ein Online-Benutzerkonto.

Außerdem werden Kunden informiert, wie lange die Antragsbearbeitung voraussichtlich dauert. Vorgegeben seien zehn Tage, sagt Pohlmann „meist sind wir deutlich schneller unterwegs.“

Bescheide kommen weiter per Post

Dann läuft die „Antragsdatenerfassung“ an, bei der Sachbearbeiter prüfen, ob ein Antrag vollständig ist. Fehlt noch etwas, bekommen die Kunden Post. Auch der Bescheid wird per Post verschickt. Warum der Wechsel vom Digitalen zurück zum Papier? Das habe rechtliche Gründe, erklärt Pohlmann: Die Schreiben müssen „gerichtsfest“ sein.

Das neue Angebot sei gesetzlich vorgegeben, erinnert Richter: Nach dem Online-Zugangsgesetz müssen bis Ende 2022 alle Anträge auch digital zu stellen sein.

In einem ersten Schritt erhielten Kunden schon um Ostern 2020 den Zugang, um online Änderungen mitzuteilen oder um Weiterbewilligungsanträge zu stellen.

Zweiter Schritt ist, auch den Hauptantrag digital zu stellen. Und wer Probleme beim Ausfüllen hat: „Wir unterstützen weiter persönlich“, betont Richter. Auch der Wechsel zwischen Digitalantrag und Papierform sei jederzeit möglich, ergänzt Pohlmann.

Daher rät Richter: „Versuchen Sie es digital.“

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