Pharmazeuten protestieren am Donnerstag

„Apotheken sind keine Goldgrube“

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Von 12 bis 13 Uhr werden die Kunden der Bären-Apotheke heute (28.2.) über die Notdienstklappe betreut. Heinz-Dieter Helfer (kleines Foto) beteiligt sich am bundesweiten Protest. Das direkte Kundengespräch wie hier zwischen Hajo Meyne (r.) und Gabi Jensen gibt es

Waldeck-Frankenberg - 2,50 Euro erhalten die Apotheken pro Patient, der nachts den Notdienst nutzt. Zu wenig, finden die Apothekerverbände. Deshalb findet heute eine bundesweite Protestaktion statt. Doch nicht alle machen mit.

Von 12 bis 13 Uhr werden heute Kunden in zahlreichen Apotheken Deutschlands nur über die Notdienstklappe betreut. Unter dem Motto „Wir machen den Tag zur Nacht“ wollen die Apotheker auf die ihrer Meinung nach ungerechte Honorierung des Notdienstes in der Nacht und am Wochenende aufmerksam machen.

In Frankenberg beteiligen sich die Apotheker allerdings nicht an der Aktion, in Korbach wollen zwei von sieben am Protest teilnehmen - die Bären- und die Hirschapotheke. Dass die heimischen Vertreter nicht geschlossen auftreten, bedauert Heinz-Dieter Helfer, Leiter der Bären-Apotheke und Mitglied der Delegiertenversammlung der Landesapothekerkammer Hessen: „Wir wollen der Politik mit der Aktion Druck machen.“

Organisiert wird der Protest von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. 21000 Apotheken in Deutschland sind dazu aufgerufen, den Kunden am Tag zu zeigen, welche Bedeutung der Notdienst in der Nacht hat. Statt der 2,50 Euro pro Patient fordern die Apotheker einen Pauschalbetrag. Über die Hintergründe der Aktion informieren die Apotheker ihre Kunden vor Ort, außerdem werden Unterschriften gesammelt.

40 Notdienste im Jahr

Vor allem für Apotheken auf dem Land sei ein Pauschalbetrag für den Notdienst wichtig, so Helfer. In einer Nacht würden drei bis fünf Patienten zur Apotheke kommen. Mit den höchstens 15 Euro Gebühren könnten zum Beispiel die Personalkosten nicht gedeckt werden. Hinzu komme, dass im Notdienstbezirk Korbach/Vöhl/Sachsenhausen jede der neun Apotheken rund 40 Notdienste im Jahr übernimmt - in diesen haben die Mitarbeiter dann bis zu 36 Stunden Dienst.

In Bad Arolsen müssten die Kunden teilweise nachts bis nach Warburg fahren, um an Medikamente zu kommen. Seiner Einschätzung nach wird sich die Situation in Zukunft noch verschärfen. „Eine Apotheke ist keine Goldgrube mehr, wie das früher vielleicht einmal war“, sagt Helfer. Schuld seien vor allem die Krankenkassen und die Politik. Er stehe mit 62 Jahren vor dem Problem, dass er für seine kleine Apotheke keinen Käufer finde. Bei einer Schließung müssten die anderen Apotheken den Notdienst übernehmen. Helmut Heisig von der Kilian-Apotheke in Korbach unterstützt die Forderungen, glaubt aber, dass der Protest zu Lasten der Kunden nicht der richtige Weg ist.

Ende vergangener Woche hat Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr einen ersten Vorschlag gemacht, das Honorar pro rezeptpflichtiger Packung um 16 Cent zu erhöhen und diese Erhöhung in einen Fonds einzuzahlen. Aus diesem könnte eine Notdienstpauschale von rund 200 Euro pro Dienst finanziert werden. Es muss allerdings noch ein Gesetzentwurf vorgelegt und verabschiedet werden. Derzeit bekommen die Apotheker pro verkaufter rezeptpflichtiger Packung 8,35 Euro - egal wie teuer diese im Einkauf ist.

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