Waldeck-Frankenberg

Arbeitgeber animieren zu Ausbildung

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- Waldeck-Frankenberg (nv). Die Zeiten, in denen sich Bewerbungsmappen in heimischen Betrieben stapelten, sind vorbei. Um junge Leute für eine Ausbildung zu gewinnen, müssen Arbeitgeber zu Animateuren werden – so wie beim gestrigen „Job-Day“ in Korbach.

„Wir haben in diesem Jahr noch keine einzige Bewerbung bekommen“, berichtet Michael Jehne vom „Hotel Willinger Brauhaus“. Auszubildende fehlen in Waldeck-Frankenberg jedoch nicht nur im Tourismus. „Industrie, Handwerk und Dienstleister stehen allesamt vor einer Herausforderung: dem Mangel an Fachkräften“, betont Herbert Dinger, stellvertretender Kreishandwerksmeister im Zuge der Job-Day-Eröffnung. Geburtenschwache Jahrgänge und eine verstärkte Abwanderung in Ballungsgebiete stellten heimische Betriebe immer häufiger vor Probleme. „Wir müssen daher auf Jugendliche zugehen“, fordert Dinger und lobt das Job-Day-Konzept: „Ziel ist, mit jungen Leuten über Bildungs- und Berufswege ins Gespräch zu kommen, bevor sie auf den Gedanken kommen abzuwandern.“

Die Zusammenarbeit von Kreishandwerkerschaft, Industrie- und Handelskammer, Arbeitsagentur und Wirtschaftsjunioren ist für Dinger der richtige Ansatz.Wie wichtig eine gute Berufsorientierung ist, verdeutlicht Manfred Hamel, operativer Geschäftsführer der Arbeitsagentur Korbach: „In Deutschland gibt es rund 350 Ausbildungsberufe im dualen System.“ Auf dem Weg zur richtigen Berufswahl ergänze der Job-Day die individuelle Beratung der Arbeitsagentur hervorragend, ist der Experte überzeugt. „Eine Abbrecherquote zwischen zehn und zwanzig Prozent je nach Berufszweig kann sich unsere Gesellschaft auf Dauer nicht erlauben“, hebt er mit Blick auf die bereits klaffende Lücke am Ausbildungsstellenmarkt hervor.

Die Chance, sich bei rund 50 heimischen Betrieben über etwa 100 Ausbildungsberufe zu informieren, nutzen am Mittwoch unzählige Jugendliche. Rund um das Berufsbildungszentrum (BBZ) kommen sie mit Arbeitgebern und Auszubildenden ins Gespräch. Dabei eröffnen sich nicht selten neue Perspektiven: „Wir bilden Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik aus. Viele Jugendliche wissen gar nicht, dass es diesen Beruf gibt“, berichtet Michael Groß (Groß Netz Analyse). Ähnlich interessante Neuigkeiten für Freunde der Technik halten die Mitglieder des Technischen Hilfswerks Korbach bereit: Sie geben Auskunft über den Studiengang Rescue Engineering (Rettungsingenieurwesen). Um sich ein noch besseres Bild der Ausbildungsberufe zu machen, packen viele Jugendliche auch selbst mit an. Unter dem Motto „Job statt Flop“ bestaunten die einen, wie eine riesige Tiefbaumaschine vor dem Lehrbauhof einen Weg aus Sand anlegt. In den Hallen und BBZ-Werkstätten weisen zum Beispiel Kfz- und Malermeister in ihr Handwerk ein.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Donnerstag, 12. Mai

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