In Waldeck-Frankenberg waren im Juli 4531 Menschen arbeitslos

Arbeitslosenzahl im Landkreis steigt

Waldeck-Frankenberg - Die Arbeitslosenzahlen in Waldeck-Frankenberg steigen. Die Arbeitslosenquote im Kreis kletterte im Juli von 5,0 auf 5,3 Prozent. Vor allem jugendliche Arbeitslose machen der Agentur Sorgen. Währenddessen steigt die Zahl der offenen Stellen.

4531 Menschen waren im Juli in Waldeck-Frankenberg arbeitslos, 258 mehr als noch im Juni. Das entspricht einem Plus von 6,0 Prozent. „Dafür gibt es vor allem zwei Gründe“, erklärte am Mittwoch Uwe Kemper, Leiter der Agentur für Arbeit in Korbach. Erstens wirke der saiso­nale Einfluss auf die Zahlen ein. Und das bedeutet, dass viele Jugendliche nach ihrem Schulabschluss noch keine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt hätten. „Das kann sich in den nächsten Monaten aber noch ändern“, hofft Kemper. Zweiter Grund sei der konjunkturelle Einfluss. „Unternehmen sind zurückhaltender, wenn es um die Einstellung neuer Mitarbeiter geht“, sagt Kemper. Und darunter leiden auch die Jugendlichen. „Das macht uns große Sorgen“, so der Agentur-Chef. Viele junge Menschen würden nach der Ausbildung nicht übernommen. „Das liegt nicht an ihren Leistungen, die sind oft hervorragend“, sagt Kemper, „sondern an der Vorsicht der Arbeitgeber“. Dieser Trend sei schon seit einigen Monaten zu beobachten, die Chancen von Jugendlichen nach der Ausbildung in Waldeck-Frankenberg seien im Moment eher gedämpft. „Und das ist gefährlich“, sagt Kemper, „auch mit Blick auf den Fachkräftemangel“. Wer bei der Einstellung nämlich zu großen Wert auf Erfahrung lege, der spiele mit der Kompetenz der Auszubildenden. „Wenn wir die jungen Fachkräfte jetzt nicht fordern, dann sind sie in einigen Jahren mit ihrem Wissenstand nicht mehr auf der Höhe der Zeit“, so Kemper. Und deswegen müsse das Können der jungen Leute nach ihrer Ausbildung direkt abgerufen werden. „Wir werben sehr dafür bei den Unternehmen“, sagt Kemper, „es gibt Förderprogramme und wir sind mit den Verantwortlichen im Gespräch“. Und auch Jugendliche mit Schulabschluss, die vor der Zukunftsplanung stehen, rückten im vergangenen Monat in den Fokus der Agentur für Arbeit. „Viele Jugendliche gehen auf weiterführende Schulen“, befand Kemper. Abiturienten würden sich seltener für eine Ausbildung entscheiden. „Wenn sich das festsetzt, müssen sich Betriebe damit auseinandersetzen, welche Anforderungen sie an mögliche Auszubildende stellen können“, sagt Kemper. 500 unbesetzte Ausbildungsstellen zählt die Agentur momentan im Landkreis, 26 Prozent der Bewerber sind unversorgt. Das habe auch damit zu tun, dass vor allem in den Branchen eine große Nachfrage nach Auszubildenden bestünde, die nicht auf der Wunschliste der jungen Leute stünden – wie etwa der Gastronomie. Noch eine andere Gruppe nimmt die Agentur für Arbeit im Moment besonders in den Blick – Frauen zwischen 25 und 35 Jahren. „Bisher haben wir uns entweder besonders um die sehr jungen oder um die älteren Arbeitslosen gekümmert“, sagt Kemper. Weil aber vor allem bei Frauen, die der Familiengründung zuliebe zu Hause geblieben sind, große Ressourcen lägen, soll es hier spezielle Förderprogramme geben. Qualifizierungen sind auch außerhalb dieser Gruppe ein beliebtes Instrument, um den Arbeitsmarkt zu entlasten: 2518 Waldeck-Frankenberger befanden sich im Juli in entsprechenden Programmen. Mit Blick auf die Arbeitslosenzahlen im Juli stellt Kemper unterm Strich fest: „Die Entwicklung ist deutlich schlechter als der Trend in Bund und Land.“ Das habe vor allem damit zu tun, dass die positive Entwicklung in Waldeck-Frankenberg früher begonnen habe – dank der Handwerksbetriebe und des Mittelstandes. Nun würden andere Branchen aufholen, „während im Kreis eine Phase begonnen hat, in der wir stagnieren“. Das scheint vor allem für die Agenturbezirke Bad Arolsen und Frankenberg zu gelten – hier stieg die Quote im Juli besonders stark. „Wir gehen aber davon aus, dass sich die Situation hier bereits stabilisiert“, sagt Kemper. Es gebe schon wieder mehr Stellen, über viele Einstellungen sei aber noch nicht entschieden. Ohnehin gebe ein Blick auf das Stellenangebot im Kreis Grund zur Hoffnung: Im Juli wurden 524 Stellen neu gemeldet, das sind 40,9 Prozent mehr als im Vormonat. Damit wächst der Stellenbestand insgesamt auf 915 Stellen.

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