Waldeck-Frankenberg

Arbeitsmarkt: Bessere Zahlen, aber keine Euphorie

- Waldeck-Frankenberg (jos). 5245 Männer und Frauen im Landkreis haben keinen Job. Das sind zwar 286 Personen weniger als im September, aber immer noch 765 mehr als im Vorjahr.

„Die Zahlen sind besser, als wir erwartet haben“, sagte Eckart Schäfer. Der Chef der Korbacher Agentur für Arbeit hatte zur Vorstellung seines Arbeitsmarktberichts für den Monat Oktober am Donnerstag in die Geschäftsstelle nach Frankenberg eingeladen – denn die hat seit Anfang des Monats mit Sandra Rube eine neue Chefin. Die Korbacherin hat die Führungsaufgabe bereits im Februar kommissarisch übernommen. Zum 1. Oktober ist ihr Vorgänger Hans-Joachim Koch aus gesundheitlichen Gründen in den Vorruhestand getreten, seitdem nimmt Rube offiziell die Aufgabe der Geschäftsstellenleiterin wahr. Rube übernimmt das Ruder in einer schwierigen Zeit: Nach Auskunft von Schäfer haben die Unternehmen im Landkreis für rund 4500 Stellen Kurzarbeit angemeldet. Zwar arbeiten laut Schäfer tatsächlich nur etwa halb so viele Männer und Frauen kurz. Aber was passiert, wenn die Kurzarbeit ausläuft – „das ist nur schwer prognostizierbar“, erklärt Schäfer. Grundsätzlich rechne er allerdings schon mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen. In den nächsten Monaten aus saisonalen Gründen, aber wohl auch wegen der weiterhin lahmenden Konjunktur. „Es ist davon auszugehen, dass im nächsten Jahr noch einigen Unternehmen die Puste ausgehen wird und Mitarbeiter freigestellt werden“, sagt der Chef der Korbacher Arbeitsagentur – trotz guter Oktoberzahlen gebe es also keinen Grund für Euphorie. Dass das Instrument Kurzarbeit von Unternehmen missbraucht oder zumindest ausgenutzt werde, ist in den vergangenen Wochen immer wieder thematisiert worden. In Waldeck-Frankenberg gebe es allerdings bislang keine Missbrauchsfälle, betonte Schäfer auf Nachfrage. Mitarbeiter der Korbacher Arbeitsagentur würden die Unternehmen stichprobenartig kontrollieren – und hätten bislang keine Verstöße gegen die gesetzlichen Vorgaben gemeldet. – Während die einen Betriebe über eine andauernde Auftragsflaute klagen, sind andere Firmen offenbar mehr als ausgelastet: Denn die Zeitarbeitsfirmen würden wieder nach Personal suchen, berichtete Schäfer. „Das ist ein guter Indikator dafür, dass Unternehmen eine stabile Auftragslage haben.“ Bei der Arbeitsagentur sind derzeit 441 freie Stellen gemeldet – das entspricht exakt dem Wert vom Vorjahr. Die Stellenzugänge seien in den vergangenen Monaten gestiegen, berichtete Rainer Kesper, Teamleiter des Arbeitgeberservices. Derzeit gebe es im Landkreis in fast allen Branchen Stellenangebote, erklärte Schäfer. Den 441 offenen Stellen gegenüber stehen 5245 Erwerbssuchende – das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 5,3 Prozent. Am besten stellt sich die Situation im Altkreis Frankenberg dar: Dort liegt die Arbeitslosenquote bei 5,4 Prozent. Im Einzugsgebiet der Korbacher Arbeitsagentur beträgt die Quote 6,7 Prozent, die Bad Arolser Geschäftsstelle vermeldet eine Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent und liegt damit genau im hessenweiten Durchschnitt. Betrachtet man die Entwicklung zum Vormonat, sind in Korbach 59 und in Bad Arolsen 109 Personen weniger arbeitslos gemeldet. In Frankenberg sank die Zahl der Arbeitslosen sogar um 118.Eine „beeindruckende Entwicklung“ habe die neue Leiterin der dortigen Geschäftsstelle hingelegt, betonte Schäfer. Sandra Rube ist bereits seit 16 Jahren für die Arbeitsagentur in verschiedenen Funktionen tätig. „Ich gehe davon aus, dass sie eine zuverlässige Ansprechpartnerin für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Frankenberg sein wird“, sagte Schäfer.

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