Waldeck-Frankenberg

Arbeitsmarkt überraschend stark

- Waldeck-Frankenberg (rsm). Die Wirtschaftskrise war gestern. Der Arbeitsmarkt im Landkreis Waldeck-Frankenberg hellte sich im April viel besser auf als von Experten erwartet.

In vielen Unternehmen im Landkreis sei die Auftragslage mindestens genauso hoch wie vor der Krise, sagt Christine Eden, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Korbach. In Zahlen macht sich das so bemerkbar: 5460 Männer und Frauen waren im Agenturbezirk Korbach im April (2009: 6504) arbeitslos gemeldet – 526 weniger als im März. Die Arbeitslosenquote sank gegenüber dem März um bemerkenswerte 0,6 auf 6,5 Prozent (April 2009: 7,7). Im Zehn-jahresvergleich lag die Quote nur im Boom-Jahr 2008 mit 6,4 Prozent niedriger. Damit liegt Waldeck-Frankenberg deutlich unter dem Bundesschnitt (8,1) und der Quote in Hessen für April (6,7). Von dem Rückgang der Arbeitslosigkeit haben vor allem die unter 25-Jährigen profitiert, deren Quote von 7,0 im März (719 Arbeitslose) auf 5,6 Prozent (576) gefallen ist. Alle Geschäftsstellen der Arbeitsagentur im Landkreis vermeldeten im April sinkende Arbeitslosenzahlen. Im Bezirk Korbach/Bad Wildungen waren noch 2654 Personen ohne Anstellung, 318 weniger als im März. Die Quote sank von 7,6 auf 6,8 Prozent. In Frankenberg standen noch 1663 Menschen ohne Anstellung da, 122 weniger als im März. Hier fiel die Quote um 0,4 auf 5,9 Prozent. Im Bezirk Bad Arolsen sank die Arbeitslosenzahl um 68 auf 1143 Menschen. Die Quote fiel von 7,3 auf 6,8. Der Agentur in Korbach waren im April 770 freie Stellen gemeldet worden, 320 mehr als noch vor einem Jahr. Auch die Bezieher des Arbeitslosengelds II (SGB II/Hartz IV) nahmen von März bis April um 163 auf 3369 Menschen ab (April 2009: 3644). Die Zahl der Arbeitslosen, die in Fördermaßnahmen fortgebildet werden (SGB III), fiel im gleichen Zeitraum um 363 auf 2091 Menschen (April 2009: 2860). Hinter diesen Zahlen verbergen sich auch Langzeitarbeitslose, die in der ansonsten sehr positiven April-Statistik den einzigen Negativpunkt darstellen: Deren Zahl kletterte nämlich innerhalb eines Jahres im Landkreis von 1351 auf 1606. Eden will diesen Trend stoppen: „Hier müssen und hier werden wir künftig eine Schippe drauflegen. Wir werden verstärkt mit Unternehmen reden und diese mit den betroffenen Arbeitssuchenden zusammenführen“, sagt Eden. Vielleicht gebe es auch leichte Vorurteile von Seiten der Arbeitgeber gegenüber Langzeitarbeitslosen, vermutet die Geschäftsführerin, aber „jeder von uns weiß doch, wie schnell so ein Jahr vorbeigeht, und dann zählt man eben zu dieser Gruppe“. Eden richtet daher einen Wunsch an die Unternehmer: „Geben Sie diesen Leute ein wenig mehr Zeit, sich wieder an das Arbeitsleben zu gewöhnen, und Sie werden für die Geduld belohnt.“ Der Ausbildungsmarkt im Landkreis hat sich ebenfalls sehr positiv entwickelt. „Die Arbeitgeber melden einen verstärkten Bedarf an Nachwuchskräften“, zieht Eden eine Zwischenbilanz und weist auf eine Umkehr der Entwicklung des Lehrstellenmarkts gegenüber den vergangenen Jahren hin: „Die Zahl der Bewerber ist in der Tendenz deutlich rückläufig.“ Von den bisher 958 gemeldeten Ausbildungsstellen seien 471 noch nicht besetzt. Die Chancen, eine Lehrstelle zu finden, seien also sehr gut, betont Eden und fordert die Jugendlichen auf, Kontakt zu den Mitarbeitern der Berufsberatung in der Korbacher Agentur zu suchen. Das sagt sie nicht ohne Grund: „Rund 80 Prozent der Jugendlichen beschränken sich auf rund zehn Berufe – dabei gibt es rund 400 Ausbildungsberufe. Hier müssen wir künftig mehr Aufklärung leisten.“ Die Zeit der Kurzarbeit, die sich als gutes Mittel in Krisenzeiten bewährt hat, geht dem Ende entgegen. Noch zehn Betriebe meldeten im März (Zahlen für April liegen noch nicht vor) für 138 Angestellte Kurzarbeit an (Februar: 17/173). Edens Fazit für die unerwartet starke Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt fällt positiv aus und deute auf einen Aufschwung hin, wenn „da nicht die Schuldenkrise in Griechenland wäre, die alles wieder zerstören kann“.

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