Artenschwund bei heimischen Vögeln: Sie haben Lebensraum in der Agarlandschaft verloren

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In Waldeck-Frankenberg ausgestorben: der Kiebitz. Was früher als „Allerweltsvögel“ bekannt war, wird durch den Artenschwund selten. Dieses Bild hat der Naturfotograf Dieter Bark aufgenommen.

Waldeck-Frankenberg. Viele Naturfreunde machen deutlich weniger vertrautes Gezwitscher aus als früher. Diesen Eindruck untermauert Wolfgang Lübcke vom Kreisverband des Naturschutzbundes Deutschland mit Zahlen: Auch im Kreis leben immer weniger Vögel in der Agrarlandschaft.

 Regelmäßig ruft der NABU zu Vogelzählungen auf, die Zahlen werden in den von Lübcke 1975 mitbegründeten „Vogelkundlichen Heften“ veröffentlicht – Band 43 ist im Juni erschienen. „Aus Waldeck-Frankenberg liegen seit mehr vier Jahrzehnten flächenbezogene Bestandsdaten vor, sodass sich der Artenschwund gut dokumentieren lässt“, erklärt er.

Beispiele: Der Kiebitz, die Bekassine, Grauammer oder die Haubenlerche? Im Kreis sind sie inzwischen ausgestorben. Das Rebhuhn? Brütetet nur noch an wenigen Stellen. Die Zahl der Schwalben hat sich seit 2007 fast halbiert.

„Die Ursachen für den Artenschwund im landwirtschaftlich genutzten Offenland werden unter ,Intensivierung der Landwirtschaft’ zusammengefasst“, berichtet Lübcke. Flächen werden größer, Hecken oder Grünstreifen mit Wildpflanzen verschwinden. Damit verlieren viele Vögel ihren Lebensraum – aber auch zahlreiche Insekten, von denen sich Vögel ernähren.

Der Artenschwund bei Vögeln ist ein bundesweiter Trend, wie etwa der „Agar-Report 2017“ des Bundesamtes für Naturschutz dokumentiert. „Von 1980 bis 2009 ist etwa bei der Hälfte der Vogelarten des Offenlands eine Bestandsabnahme zu verzeichnen“, erklärt Wolfgang Lübcke. 

 „Besonders erschreckend ist der Schwund früherer Allerweltsarten wie Feldlerche und Goldammer.“ Und zwischen 1990 und 2013 sei die Zahl der Braunkehlchen um 63 Prozent geschrumpft. „Rekordhalter des Artenschwunds“ sei jedoch das Rebhuhn: Zwischen 1990 und 2013 sei der Bestand um 84 Prozent zurückgegangen, europaweit seit 1980 sogar um 94 Prozent.

Doch der Artenschwund lässt sich stoppen: durch eine nachhaltige und naturverträgliche Landwirtschaft. Ein Beispiel: mehr „Blühflächen“.

Lübcke wünscht sich eine engere Zusammenarbeit zwischen Naturschützern und Landwirten. Da stimmt ihm die Geschäftsführerin des Waldecker Kreisbauernverbandes, Stephanie Wetekam, ausdrücklich zu. Auch sie betont: „Wir brauchen übergreifende Kooperationen, um bei der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe ,Artenschutz’ weiterzukommen.“ Sie nennt einige Beispiele, in denen die Zusammenarbeit schon funktioniert. Und weitere Projekte sind in Planung.

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