Insolvenzen im ersten Halbjahr 2018:

Auch im Kreis rutschen immer weniger Firmen in die Pleite

Insolvenz. Ein Schreckenswort für Firmenchefs und Verbraucher in der Schuldenfalle. Trotz der guten Wirtschaftslage droht nach wie vor einigen die Pleite.

Waldeck-Frankenberg. Die Zahl der Insolvenzen ist im ersten Halbjahr dieses Jahres bundesweit weiter gesunken. Im Kreis gab es allerdings mehr Privatinsolvenzen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nahmen die deutschen Amtsgerichte von Januar bis Ende Juni 28 064 Anträge entgegen, fünf Prozent weniger als im Vorjahr. 5020 Unternehmen waren zahlungsunfähig, ein Minus von drei Prozent. Bei den 23 044 übrigen Schuldnern liegt das Minus bei fünf Prozent. Größte Gruppe stellen mit 17 067 Betroffenen Privatleute. 

Für Hessen verzeichnet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform 720 Firmenpleiten. Nach Angaben der Amtsgerichte in Korbach, Fritzlar und Marburg gingen die Firmeninsolvenzen auch im Kreis zurück, während es bei Privatinsolvenzen einen Anstieg gab. 

Anstieg im Kreis

Beim Korbacher Amtsgericht ist die Zahl der Insolvenzanträge entgegen dem Bundestrend gestiegen: Im ersten Halbjahr diesen Jahres gingen dort 82 Insolvenzanträge ein, im Vorjahreszeitraum waren es 70. Das berichtet der Direktor des Korbacher Amtsgerichtes Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling auf Anfrage.

45 dieser Anträge kamen von Privatleuten – 2017 waren es nur 26. Dieses Jahr wurden 36 Verfahren eröffnet, 2017 waren es 20. 

Bei den Firmen sind die Zahlen jedoch – wie auch im Bund – rückläufig: Von Januar bis Ende Juni 2018 beantragten 37 die Insolvenz, im Vorjahr waren es 44. Dieses Jahr wurden 15 Verfahren eröffnet, im Vorjahr 16. 

Weniger Firmenpleiten, mehr Privatinsolvenzen – dieser Trend besteht nach Auskunft der Gerichte in Marburg und Fritzlar auch im Frankenberger Land und in Bad Wildungen.

Gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Als Grund für den Rückgang der Firmenpleiten nennt Creditreform die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, außerdem führten niedrige Kreditzinsen zu günstigen Finanzierungsmöglichkeiten. 

Allerdings sei bundesweit die Höhe der Schäden für Gläubiger um 2,5 Milliarden auf auf 15,5 Milliarden Euro gestiegen. 120 000 Arbeitsplätze seien durch die Insolvenzen gefährdet oder weggefallen – 19 000 mehr als im ersten Halbjahr 2017. So hätten Firmen schon vor der Insolvenz Personal abgebaut, auch seien auch Zulieferer betroffen. 

Wie Creditreform berichtet, ist die Zahl der Insolvenzen Dank guter Auftragslagen im verarbeitenden Gewerbe um 6,6 Prozent gesunken, beim Bau um 5,2 Prozent und bei Dienstleistern um 3,3 Prozent. Im wettbewerbsstarken Handel liege der Rückgang nur bei 0,9 Prozent. Bereits seit 2009 sinkt die Insolvenzquote, also der Anteil der Pleiten pro 10 000 Unternehmen.

 Eine der größten Fachkanzleien für Insolvenzrecht im Kreis ist die des Frankenberger Rechtsanwalts Hartmut H. Mitze. Er berichtet im Montags-Interview in der Printausgabe über die Lage im Kreis und Gründe für Insolvenzen.

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