WLZ-FZ-Serie 20 Jahre Mauerfall

Aufgeblüht oder abgestorben?

- Als 1989 das Ende der DDR näher rückte, kamen sich west- und ostdeutsche Städte näher. Etliche Partnerschaften zeugen davon. Doch was ist 20 Jahre danach davon geblieben? Ein Überblick.

Waldeck-Frankenberg. Die Einheitseichen, die vor 20 Jahren gepflanzt wurden, wachsen immer weiter in die Höhe. Aber tun dies auch die Beziehungen der Städte und Gemeinden zueinander? Ganz unterschiedlich haben sich die vielen Partnerschaften zwischen Städten und Gemeinden aus Wal­deck-Frankenberg und der ehemaligen DDR entwickelt. Mal sind die Kontakte nie über eine Verwaltungsvereinbarung hinaus­gekommen, mal sind rege Bekanntschaften und Freundschaften entstanden. Der Landkreis liegt damit im Trend (siehe nebenstehendes Interview).

Den Stein ins Rollen brachte nicht selten der Landkreis, der den hiesigen Städten und Gemeinden eine Partnerschaft mit den Kommunen hinter dem nicht mehr ganz so eisernen Vorhang ans Herz legte. Einige der zur Wendezeit noch existierenden Städte wurden in den letzten Jahren mit anderen Nachbarn zu einer neuen Kommune zusammengeschlossen. So ist Minsleben, Partnerstadt von Volkmarsen, seit 1994 ein Ortsteil von Wernigerode.

Zu Beginn standen Finanzhilfen im Vordergrund – auch den ein oder anderen Lkw beluden die westdeutschen Helfer und machten sich mit Waren und Spenden auf in den Osten. Im Anschluss halfen Experten aus den Kommunen dabei, die neuen Partner ins deutsche Recht einzuführen.Das Maß des Engagements sorgte im Anschluss dafür, ob sich aus der bis dato einseitigen Hilfe eine Partnerschaft, vielleicht sogar eine Freundschaft entwickelte. Einige wenige Städte und Gemeinden haben oder hatten gar keine Partnerstadt, zum Beispiel Bromskirchen, Waldeck oder Willingen.(jos/apa/da/es/den)

Hintergrund:

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben Städtepartnerschaften erheblich an Bedeutung gewonnen. Internationale Aussöhnung schien nach den verheerenden Folgen des Krieges unverzichtbar. Nahezu jede Kommune ist einen Partnerschafts-, Kooperations- oder Freundschaftsvertrag eingegangen.Stand in den 50er- und 60er-Jahren vor allem die Aussöhnung mit den Siegermächten im Vordergrund, änderte sich das Bild spätestens mit dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges. Nun kamen erst ostdeutsche, dann osteuropäische Länder ins Blickfeld.

Auch Waldeck-Frankenberg ging diesen Weg mit. Auf welchem Weg die Städte zueinander fanden, war ganz unterschiedlich: Mal war es Namensgleichheit, mal strukturelle Ähnlichkeit.(den)

Städtepartnerschaften in Frankenberg...

Allendorf. Die Gemeinde hatte nach Auskunft von Bürgermeister Claus Junghenn zwar keine Kontakte nach Ostdeutschland. Wohl aber der Sportverein – und das schon vor dem Bau der Mauer: Schmalkalden in Thüringen war die Heimatstadt von Heiner Frank, in den 50er-Jahren Vorsitzender des Sportvereins. 1956 besuchten die SVA-Mitglieder die kleine Stadt. Nach dem Mauerfall hatte der Sportverein ebenfalls Kontakte­ nach Thüringen aufgenommen.

Battenberg. Die Feuerwehr aus Dodenau hatte durch den damaligen Ortsvorsteher Alfred Schäfer nach der Grenzöffnung Kontakt zur Gemeinde Neumark nahe Weimar. Der Heimatverein aus Laisa besuchte zwei Jahre nach der Wende das erste gesamtdeutsche Trachtentreffen in Wechmar in Thüringen, später das erste gesamtdeutsche Kindertrachtentreffen. Vor zwei Jahren wurde der Wechmarer Heimatverein 25 Jahre alt, die Laisaer besuchten die Thüringer Gemeinde.Burgwald. Die Gemeinde Burgwald hatte nach Auskunft der Verwaltung unmittelbar nach dem Mauerfall Kontakt nach Bottendorf in Thüringen aufgenommen. Man habe sich mit Delegationen zwar gegenseitig besucht, eine Partnerschaft sei daraus aber nicht entstanden.

Frankenau. Über den Männergesangverein bestehen gute Beziehungen nach Frankenau in Sachsen. Es finden – zumindest in Abständen – gegenseitige Besuche statt, zuletzt vor etwa drei Jahren.

Frankenberg. Zwischen Frankenberg/Eder und Frankenberg/Sachsen gibt es eine offizielle Städtepartnerschaft – allerdings mehr eine der Verwaltungen als der Bürger und ihrer Vereine. Die Frankenberger Partnerschaftsvereinigung hat zwar die Verbindung aufrechterhalten – doch mittlerweile sind die Kontakte bis auf einige privater Art „eingeschlafen“.

Gemünden. Nach der Wende bestand eine Patenschaft zu Magdala in Thüringen – allerdings nur als eine Art zweijährige Aufbauhilfe. Haina (Kloster). Haina (Kloster) und Haina in Thüringen strebten nach dem Fall der Mauer zwar eine Partnerschaft an – allerdings wurde nie ein offizieller Partnerschaftsvertrag geschlossen, die anfängliche Euphorie über den Mauerfall war nach wenigen Jahren abgeebbt. Freundschaftliche Beziehungen in die neuen Bundesländer verbinden jedoch einige Vereine in den Ortsteilen.

Hatzfeld. „Verwaltungshilfe“ gab es mit Apolda in Thüringen. Eine Partnerschaft ist daraus aber nicht entstanden. Der Stadtteil Holzhausen unterhält dagegen bis heute Kontakte nach Holzhausen in Thüringen.

Rosenthal. 1990 lud die Verwaltung eine Delegation aus Rosenthal in Ostsachsen ein. Aus diesem Besuch entwickelten sich feste Freundschaften zwischen Rosenthalern von hier und dort, berichtet Bürgermeister Hans Waßmuth. Erst kürzlich waren Musiker der Kapelle „Horjany“ aus Rosenthal bei Bautzen zu Gast im Frankenberger Land.

Vöhl. Im Jahr des Mauerfalls suchte Vöhl nach einem Partner. Die Stadt Basdorf bot sich wegen der Namensgleichheit mit dem Vöhler Ortsteil an. 1990 besuchte eine ostdeutsche Delegation die Gemeinde; im Oktober kam der Gegenbesuch. Der heutige Ortsteil der Gemeinde Wandlitz hat ebenso wie Vöhl die französische Partnergemeinde Mouchard.

...und Waldeck

Bad Arolsen. Die Residenzstadt Arolsen ging nach der Wende gleich zwei Partnerschaften ein – auf lange Sicht reichte der Atem aber nur für diejenige mit Bad Köstritz (die entsprechende Urkunde datiert vom 25. Januar 1991). Die Stadt im thüringischen Landkreis Greiz bei Gera hatte und hat, ebenso wie Bad Arolsen, Interesse an einem regen Kontakt. Die Bad Köstritzer Dahlienkönigin ist beim größten Waldecker Volksfest, dem Arolser Viehmarkt, immer wieder ein gern gesehener Gast. Auch die beiden Bürgermeister halten Kontakt. Anders ist die Lage beim Partner Klütz aus Mecklenburg-Vorpommern: Hier sind die Beziehungen seit einigen Jahren rückläufig.

Bad Wildungen. Unmittelbar nach der Wende knüpften die Bad Wildunger mit drei Badestädten zarte Bande: Bad Dürrenberg, Bad Schmiedeberg und Bad Berka. Zur Letztgenannten existiert auch heute noch eine enge Verbindung, obwohl nie eine Urkunde unterschrieben wurde. Erst vor 14 Tagen trafen sich Delegationen aus beiden Städten. An der Bad Wildunger Direktvermarktermesse nehmen die Einwohner Bad Berkas ebenso teil wie an Feuerwehrveranstaltungen.

Diemelsee. Seit dem 3. November 1990 besteht eine Partnerschaft zwischen Diemelsee und Geschwenda, das im Thüringer Wald liegt. Vor allem die ­Diemelseer Sänger und Feuerwehrleute organisieren noch heute Besuche in ihre Partnerstadt.

Diemelstadt. Gelegentliche Treffen kennzeichnen die Partnerschaft von Diemelstadt mit Kranichfeld. Vertreter der thüringischen Zwei-Burgen-Stadt treffen sich mit Diemelstädter Delegierten bei offiziellen Anlässen.

Korbach. Die Puppenstadt Waltershausen bezeichnet sich als das „Tor zum Thüringer Wald“. Zu der Stadt mit fast 11 000 Einwohnern hält die Kreisstadt regen Kontakt. Feuerwehren, Gesangverein, Sportgruppen, Kirchengemeinden und Schulen­ pflegen den kontinuierlichen Austausch zueinander. Hier sind die Kontakte von der Politik also an die Vereine weitergereicht worden. Verbindendes Element zu Waltershausen ist die Gummiindustrie, die in der ostdeutschen Partnergemeinde inzwischen in ContiHand ist.

Lichtenfels . Mit dem kleinen Tannroda (gerade einmal 1 000 Einwohner) ging Lichtenfels nach der Wende eine Partnerschaft ein. Innerhalb der Vereine bestehen enge Kontakte, zum Beispiel bei der Feuerwehr. Lichtenfels’ Partnerstadt gehört seit 1993 zu Bad Berka. Dessen Bürgermeister Thomas Liebetrau und Tannrodas Ortsbürgermeister Karl-Otto Schreivogel empfangen Gäste aus Waldeck-Frankenberg schon einmal mit einem Mittagessen im ehemaligen Bahnhof. Denn bei Tagesreisen ist Tannroda immer einen Abstecher wert.

Twistetal. Mit Mellingen (1241 Einwohner) in Thüringen unterhält vor allem der hiesige Spielmannszug engere und fortdauernde Kontakte.Volkmarsen. Buttelstedt und Minsleben heißen die in Volkmarsen bekannten Partnerstädte aus dem Osten Deutschlands. Mit Buttelstedtern (1358 Einwohner) kommt es zu seltenen Besuchen, vor allem durch Kontakte mit der Feuerwehr. Auf kirchlicher Ebene bestehen Verbindungen nach Minsleben, das heute ein Stadtteil von Wernigerode ist.

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