Betriebe reagieren auf Fachkräftemangel

Mehr freie Stellen als Bewerber: Ausbildungsmarkt in Waldeck-Frankenberg hat sich gedreht

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Wollen Bewerber und Betriebe zusammenbringen: Kai Bremer, Manfred Hamel und Björn Duen (von links) beim Job Day.

Waldeck-Frankenberg. Mehr freie Stellen als Bewerber: Der Ausbildungsmarkt ist im Wandel. Betriebe reagieren mit mehr Werbung - und mit mehr Chancen trotz schlechter Noten.

Der „Job Day“ im Korbacher Kino hat es gezeigt: Betriebe werben mehr denn je um den Nachwuchs. 66 Aussteller präsentierten weit über 300 Berufe, erklärt Manfred Hamel, operativer Geschäftsführer bei der Agentur für Arbeit.

„Anhand dieser Zahl sieht man, wie sich der Ausbildungsmarkt gedreht hat“, sagt Kai Bremmer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. 500 an einer Ausbildung interessierte junge Menschen sind der Agentur für dieses Berufsberatungsjahr gemeldet – und 560 noch offene Ausbildungsplätze. Die Zahlen im Bereich der IHK Kassel-Marburg sprechen eine ähnliche Sprache, fügt Bildungsberater Björn Duen hinzu: In ihrer Lehrstellenbörse finden sich 400 offene Plätze.

„Während sich die Betriebe früher zurücklehnen konnten und auf Auszubildende warteten, werden sie mittlerweile aktiver – und das müssen sie auch“, erläutert Kai Bremmer. Dass die Firmen auf potenzielle Bewerber zukommen müssen, sei für diese eine Gelegenheit: Gerade im Handwerk, aber nicht nur dort, sei der „Job Day“ auch eine Gelegenheit, über Praktika zu reden. „Da krieg ich doch den besten Eindruck, ob ein Beruf mir gefällt“, sagt Kai Bremmer. Und im Gegenzug lerne der Betrieb Interessierte in der Praxis kennen, fügt Björn Duen hinzu.

Eine weitere Folge des Nachwuchsmangels: „Betriebe gucken nicht mehr so sehr auf die Noten“, erklärt Manfred Hamel. Auf dem Ausbildungsmarkt bekomme somit jeder seine Chance. Allerdings, hakt sich Kai Bremmer ein, seien einige Tugenden mehr denn je gefragt: Dinge wie Motivation, Pünktlichkeit und soziales Verhalten im Kollegenkreis gewännen an Bedeutung.

Die zielführendste Methode, den richtigen Beruf zu finden, sei das Gespräch mit dem Berufsberater, sagt Manfred Hamel – doch der „Job Day“ biete noch etwas darüber hinaus: „Jeder sollte einen Plan B haben.“ Der finde sich bei der Messe mit ihrer Berufsvielfalt sicherlich – und auch „Plan C, D und E“ sagt er. Auf den Ausbildungsatlas der IHK weist derweil Björn Duen hin: Betriebe wie Bewerber können sich da eintragen und über ein Matching-Verfahren zueinanderfinden.

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