Waldeck-Frankenberg

Die Aussichten sind nicht rosig

- Waldeck-Frankenberg. Welche Zukunft hat der Schienenverkehr im Landkreis Waldeck-Frankenberg? Diese Frage beleuchtet – auch mit einem Blick über die Kreisgrenzen hinaus – Heinz Göttlich.

Anders als bei der verfahrenen Situation zum Thema „Edertalbahn“ Frankenberg-Korbach gibt es in Nordhessen mit der Wiederinbetriebnahme des Streckenabschnitts Eschwege-West – Eschwege geradezu ein Paradebeispiel, in welcher Geschwindigkeit eine stillgelegte Bahnlinie binnen kurzer Zeit reaktiviert werden kann. Zwischen dem einstigen Fernbahnhof Eschwege-West und dem Stadtbahnhof Eschwege wurde im Jahre 1985 der Personenverkehr eingestellt. Während seit 2008 die Strecke durch das romantische Edertal in einem Dornröschenschlaf allmählich verrottet, ging in Eschwege seit dem Jahre 2007 alles sehr schnell. Erwerb, Planung, Neubau – alles funktionierte wie am Schnürchen. Gut möglich, dass der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) plötzlich viel Geld für das Projekt im Werra-Meißner-Kreis zur Verfügung hatte. Nachdem der NVV im Sommer 2007 einseitig als Besteller die Verträge zur Inbetriebnahme der Bahnstrecke Frankenberg – Korbach gekündigt hatte, hat der Kreis Waldeck-Frankenberg allemal das Nachsehen. Zuvor eingeleitete Sanierungsmaßnahmen, die mit Mitteln von Bund und Land unterstützt wurden, endeten in Herzhausen. Die restlichen zwölf Kilometer bis Korbach bleiben derweil brachliegen. Genau um diesen Abschnitt wird jetzt mit allerlei Mitteln getrickst. Nebenbei bleibt fest zuhalten, dass nach 2008 und 2009 auch in diesem Jahr kein Sonderverkehr zwischen Herzhausen, Frankenberg und Battenberg von den Kommunen bestellt wurde. Wenn man von Seiten des Landkreises eine Wiederbelebung des Schienenverkehrs auf der Edertalbahn will, muss man auch für die Erhaltung des Schienenweges Geld in die Hand nehmen. Im Bezug auf die touristische Entwicklung wäre ein Sonderverkehr bis Herzhausen eine geradezu notwendige Angelegenheit. Ein Ende der Bahnlinie aus Richtung Marburg – Frankenberg in Herzhausen ist in keiner Hinsicht eine zufriedenstellende Lösung, denn nur eine Durchbindung über Korbach nach Brilon-Wald an die Obere Ruhrtalbahn ergibt einen Sinn. Oder sollen später Reisende aus Korbach mit Ziel Rhein-Main erst in Herzhausen in die Bahn umsteigen, um in Marburg auf einen Anschlusszug in Richtung Frankfurt Main) zu warten? Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat durchaus recht, wenn er sagt, die Ignoranz der Deutschen Bahn (DB) mache die Strecke marode. In Ostwestfalen droht derweil eine weitere Ausdünnung im Schienenverkehr, die sich bis Nordhessen bemerkbar machen wird: Der Nordhessische Verkehrsverbund will sich nicht an der Finanzierung zusätzlicher Züge zwischen Paderborn und Kassel beteiligen. Grund ist der Wegfall von zwei Intercity-Zügen der „Mitte-Deutschland-Verbindung“ zwischen Dortmund und Erfurt. Ein Regional-Express sollte morgens und abends von Hamm(Westf.) zum ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe fahren und damit zusätzliche Verbindungen für den Fernverkehr schaffen. Die hessische Landesregierung hatte dem Vorhaben bereits zugestimmt, jedoch lehnte der NVV-Aufsichtsrat ein derartiges Vorgehen ab. Nun droht ab Dezember 2010 die Situation, dass nur noch drei durchgehende Züge von Paderborn und Kassel angeboten werden. Während der Nahverkehrsverbund Westfalen-Lippe dringend nach einer Alternative sucht, bietet der NVV lediglich eine Umsteigemöglichkeit in Warburg in die Regiotram nach Kassel an. Im Hochsauerlandkreis nimmt derweil die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Brilon-Wald – Brilon-Stadt Formen an. Derzeit sind auf den bereits modernisierten Gleisen Güterzüge zur Firma Egger unterwegs. Mittlerweile steht fest, dass im Jahr 2012 der Abschnitt für den Personen-Schienenverkehr reaktiviert wird. Brilon soll ab diesem Zeitpunkt umsteigefreie Verbindungen von und nach Dortmund erhalten. Die RE-Linie 57 Dortmund–Bestwig–Winterberg wird dann in Bestwig geflügelt. Alle zwei Stunden können in der Folge Triebzüge ohne Umstieg bis Brilon-Stadt über Brilon-Wald weiterfahren.

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