Kassel/Korbach

Autobahn-Schütze vor Gericht

- Kassel/Korbach (lb). Der Prozess gegen den A49-Schützen hat am Mittwoch vor dem Landgericht in Kassel begonnen. Auslöser der Schießerei auf der Autobahn im vergangenen Sommer war ein Streit in einer Korbacher Diskothek.

Wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, gefährlichen Eingriffes in den Straßenverkehr und eines Vergehens gegen das Waffengesetz muss sich der 23-jährige Angeklagte aus Kassel seit gestern vor Gericht verantworten. Bei seiner Festnahme im September hatte er bereits gestanden, mit einer Pistole geschossen zu haben. Insgesamt zehn Verhandlungstage beraumt die sechste Strafkammer des Landgerichts in Kassel für den Fall ein. Ein Urteil wird das Schwurgericht vor­aussichtlich im Juli fällen. Der erste Verhandlungstag dauerte indes kaum mehr als 15 Minuten. Schon nach Verlesung der Anklageschrift vertagte Vorsitzender Richter Volker Mütze die Verhandlung: Nikolaus Krebsbach-Noske aus Frankfurt, Anwalt des Angeklagten, hatte noch einen weiteren Termin. Die Schießerei hatte sich Mitte August auf der Autobahn 49 in Höhe der Abfahrt Kassel-Auestadion zugetragen. Dabei wurde ein 22-jähriger Autofahrer an der Schulter verletzt und ein 21-Jähriger in die Hüfte getroffen. Vorangegangen war ein Streit bei einem Konzert des Rappers Azad in der damaligen Diskothek „Plasa“ in Korbach. Gegenüber der Polizei hatte der Beschuldigte angegeben, dass er in der Tatnacht Stress mit verschiedenen Personen am Rande des Konzerts hatte. Diese hatten ihn offenbar massiv beleidigt. Einer soll gerufen haben: „Was guckst du mich so blöd an!“ Das habe er als eine gravierende Ehrverletzung empfunden. Gegen Morgen sei man heimgefahren. Er habe hinten rechts im Wagen gesessen, sein 23-jähriger Freund links neben ihm. Den Wagen habe eine 23-jährige Bekannte gesteuert, die wohl als Einzige an diesem Sonntagmorgen noch nüchtern gewesen sei. Ein weiterer Mitfahrer sei der Freund der 23-Jährigen gewesen. Kurz vor Kassel auf der Autobahn habe er zufällig das Auto seines Widersachers wiedergesehen und sich spontan entschlossen, auf die Insassen zu schießen. Der Angeklagte öffnete das Fenster und gab laut Anklageschrift vier gezielte Schüsse mit einer halbautomtischen Waffe auf den Mercedes ab. Zwei der Insassen, darunter der Fahrer, wurden durch jeweils einen Schuss schwer verletzt. Dem Fahrer gelang es gerade noch, das Auto anzuhalten, bevor er bewusstlos wurde. Rettungskräfte brachten die beiden Opfer später in ein Krankenhaus, wo die Neun-Millimeter-Projektile herausoperiert wurden. Die Polizei war zuvor davon ausgegangen, dass es zu einer Verfolgungsjagd von Korbach nach Kassel gekommen war. Den damals noch 22-jährigen mutmaßlichen Schützen überwältigten Beamte eines Sondereinsatzkommandos erst Anfang September in der Wohnung eines Bekannten in Frankfurt am Main. Er ließ sich ohne Widerstand festnehmen. Anwalt Krebsbach-Noske kündigte für den nächsten Prozesstag in der kommenden Woche eine Einlassung seines Mandanten an. Ob der 23-Jährige dann nur Angaben zu seiner Person macht oder auch zu dem Vorfall selbst etwas sagt, bleibt offen. Weiterverhandelt wird am Donnerstag, 6. Mai.

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