Überweisungen to Go

"Banking-Apps sind noch unpraktisch"

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Waldeck-Frankenberg - Smartphones sind aus dem Alltag kaum noch wegzudenken: Mal schnell unterwegs die Mails checken, bei Facebook den aktuellen Standort posten oder im Wartezimmer im Internet surfen. Dennoch scheuen sich noch viele Bankkunden davor, ihr mobiles Internet für Überweisungen zu nutzen.

Während der Busfahrt die Anzahlung für das neue Auto anweisen, beim Feierabend-Bier den Dauerauftrag für die Mietzahlungen einrichten oder während der Shoppingtour schauen, ob genug Geld für die neuen Schuhe auf dem Konto ist: Dank Smartphones, mobilem Internet und Banking-Apps ist das heute problemlos möglich. Nutzer dieser Apps können überall und jederzeit – zumindest wenn sie eine Internetverbindung haben – auf ihre Konten zugreifen und ihre Geldgeschäfte zwischendurch unterwegs tätigen.

Richtig beliebt ist das Banking für unterwegs aber noch nicht. In ganz Deutschland sind es gerade einmal 35 Prozent der Bankkunden, die ihr Smart­phone für Online-Banking nutzen. Das liegt laut Dirk Paulus von der Frankenberger Bank aber hauptsächlich daran, dass die aktuellen Banking-Apps noch nicht für die Nutzung auf dem Handy ausgereift sind. „Die Sicherheitsverfahren sind dafür noch nicht optimiert.“

Mit dem Tablet-PC hingegen funktioniere es schon leichter. Denn oft werde ein TAN-Generator gebraucht, der einen Code auf dem Bildschirm des Computers oder des Tablets abliest und in eine TAN umwandelt. Einige Kunden nutzen das Verfahren, bei dem der Code zur Überweisung nicht per SMS auf das Handy kommt, sondern mit der Bank-Karte und dem kleinen Lesegerät erstellt wird. Dafür muss der Kunde die Karte in das Lesegerät stecken und mit dem Gerät einen Barcode am Bildschirm abscannen. „Das geht theoretisch auch am Smartphone. Es ist aber sehr unpraktisch“, sagt Paulus. Deswegen würden es viele Kunden noch nicht nutzen. Bei der Frankenberger Bank gab es im vergangenen Jahr gerade einmal 100000 Zugriffe über eine Banking-App auf ein Kundenkonto. Rund 1000 Transaktionen haben Kunden über eine solche App gemacht. Zum Vergleich: Beim Online-Banking gab es 700000 Zugriffe und 9 Millionen Transaktionen – also Überweisungen, Überprüfungen des Umsatzes oder Einrichtung von Daueraufträgen. Bei der Wal­decker Bank sind es laut Michaela von Engelmann 127000 Zugriffe im Jahr 2013 gewesen. Zum Vergleich: Für Online-Banking gab es 9,9 Millionen Zugriffe.

Die meisten Kunden nutzen die App laut Engelmann allerdings nur, um ihren Kontostand zu kontrollieren oder einen Geldautomaten in der Nähe zu suchen – denn überweisen können sie gar nicht, wie Dirk Paulus erklärt. Wer das „Mobile-TAN-Verfahren“ nutzt, kann sich die Banking-App der Volksbanken runterladen – aber damit nur den Kontostand und Buchungen überprüfen. Die Überweisungs-Funktion ist gesperrt; aus Gründen der Sicherheit. Wer etwas überweisen will, muss das am Computer eingeben, auf das Handy kommt dann eine SMS mit einem Code – der wiederum muss am Computer eingetippt werden, um etwas überweisen zu können. „So ist das Online-Banking sicherer. Denn Betrüger müssten schon zwei Geräte manipulieren, um an Geld zu kommen“, sagt Paulus.

Bei der Sparkasse Waldeck-Frankenberg sind es laut Pressesprecher Karlheinz Göbel 20000 Kunden, die das Online-Banking-Angebot nutzen. „Dies entspricht zirka einem Drittel unserer Gesamtkunden.“ Online-Banking geht bei der Sparkasse laut Göbel auf Computer und Smartphone. „Die Banking-Apps werden von rund 4000 Sparkassen-Kunden regelmäßig angewandt.“ Die Dienstprogramme bieten laut Göbel die „höchstmögliche Sicherheit und sind durch zusätzliche Passworteingaben sowie interne Verschlüsselung gesichert.“ Durch diese Verschlüsselungen ist es möglich, dass die TAN per SMS auf das Handy kommt und auf dem selben Gerät auch für Überweisungen genutzt werden kann.

Es gibt auch Apps, die nicht von den Banken selbst angeboten werden. Die haben den Vorteil, dass der Nutzer Konten bei verschiedenen Banken in einer App verwalten kann. Überweisungen sind damit auch einfacher möglich. Wenn dann aber etwas passiert und Betrüger an die Daten für das Konto kommen, ist es wahrscheinlich, dass die Bank nicht für einen Schaden haftet.

„Vieles passiert nur noch über das Handy, der Computer wird immer weniger eingeschaltet. Deswegen wird sich noch einiges tun, damit das Online-Banking über Apps einfacher wird“, glaubt Paulus von der Frankenberger Bank. Laut einer Studie der Managementberatung „Bain & Company“ hat sich die Zahl der Nutzer von Banking-Apps innerhalb eines Jahres bereits verdoppelt. Zu Beginn des Online-Bankings seien die Deutschen auch sehr zögerlich und skeptisch gewesen – heute würden 60 Prozent aller Bankgeschäfte bereits ohne einen persönlichen Besuch in der Bank-Filiale getätigt, denn insgesamt 80 Prozent der Bankkunden nutzen Online-Banking.

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