Minister übergibt Förderbescheide

Baubeginn an der Linie Korbach-Frankenberg

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Startschuss für die Reaktivierung (von links): Kreistagsvorsitzende Iris Ruhwedel, Landrat Dr. Reinhard Kubat, Dr. Klaus Vornhusen von der Deutschen Bahn, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Vöhls Bürgermeister Matthias Stappert, die NVV-Geschäftsführer Wolfgang Dippel und Wolfgang Rausch sowie Joachim Kuhn von der Kurhessenbahn. Foto: Lutz Benseler

Vöhl-Herzhausen - In einem Jahr sollen wieder Züge rollen: Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir hat am Montag in Herzhausen den offiziellen Startschuss für die Reaktivierung der Bahnstrecke Korbach - Frankenberg gegeben.

Im Gepäck hatte der Minister drei Zuwendungsbescheide über insgesamt 8,2 Millionen Euro. Das Geld fließt in den Ausbau des Frankenberger Bahnhofs mit dem zentralen Omnibusbahnhof, in den barrierefreien Zugang zu Zügen sowie in den Bau von Auto- und Fahrrad-Stellplätzen. Die Gesamtkosten: 13,7 Millionen Euro (siehe Hintergrund). Für die Reaktivierung der Schienen fallen zusätzlich 18,4 Millionen Euro an; das Land beteiligt sich mit 14,7 Millionen Euro.

„Heute ist ein Glückstag“

„Die drei Bescheide sind ein handfestes Bekenntnis zur Reaktivierung der Kurhessenbahn, die einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs leisten wird, aber auch die touristischen Angebote der Region besser erreichbar macht“, sagte Al-Wazir. Die Bahn sei eine klimafreundliche Alternative zum Straßenverkehr. Auch Landrat Dr. Reinhard Kubat freute sich über das Startsignal: „Heute ist ein Glückstag“, sagte er.

Ab Sommer 2015 sollen Züge im Zwei-Stunden-Takt durchgehend von Marburg über Frankenberg und Korbach nach Brilon fahren. NVV-Geschäftsführer Wolfgang Rausch sieht im Lückenschluss eine große Chance: „Das Frankenberger Land, Waldeck und das Upland erhalten verknüpfte Schienenverbindungen in alle Richtungen. Korbach wird zu einem neuen Knotenbahnhof mit bequemen Umsteigemöglichkeiten.“ Joachim Kuhn, Sprecher der Kurhessenbahn, erklärte: „Dadurch werden die Reisezeiten wesentlich verkürzt und die Attraktivität des Angebotes auf der Schiene in der Region deutlich verbessert.“

Martin Mützel, Landesgeschäftsführer des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) misst dem Streckenabschnitt eine Bedeutung weit über den Kreis Waldeck-Frankenberg hinaus zu: „Davon wird nicht nur der Tourismus profitieren, auch für Pendler wird die Lebensqualität deutlich steigen.“ Mützel lobte, dass sich der Landkreis Wal­deck-Frankenberg auch finanziell um die Eisenbahn bemüht. „Hier hat man verstanden, dass die Schiene auch im ländlichen Raum unverzichtbar ist“, sagte der VCD-Geschäftsführer.

Kontrovers diskutiert

Nach einem gescheiterten ersten Versuch im Jahr 2007 hatten der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) und der Kreistag 2012 grünes Licht für die Reaktivierung gegeben. Umstritten blieb das Projekt bis zuletzt. Insbesondere in Vöhl war die Kritik laut, weil sich die Gemeinde an den Kosten für die Park-and-Ride-Plätze an den Haltepunkten beteiligen musste.

Noch nie zuvor habe er mit einem so kontrovers diskutierten Thema zu tun gehabt, sagte Vöhls Bürgermeister Matthias Stappert. „Aber wir tun gut daran, die Chancen zu ergreifen“, rief Stappert auf. Die Reaktivierung werde für Vöhl zum Erfolg, wenn sie dem Tourismus einen Aufschwung verschaffe, wenn der Schülerverkehr gesichert bleibe und keine Mehrkosten durch eine verstärkte Nutzung des Anruf-Sammeltaxis (AST) entstünden, sagte der Bürgermeister.

Hintergrund

Geld vom Land gab es am Montag für den Aus- und Umbau der Bahnstationen entlang der 30 Kilometer langen Strecke. Allein 6,2 Millionen Euro erhält die Stadt Frankenberg, um ihren Bahnhof zu modernisieren und zu einem Verkehrs-Drehkreuz mit Busbahnhof, Taxiplätzen, Park-and-Ride-Parkplatz und Lademöglichkeit für Elektroautos und -fahrräder auszubauen. Die Gesamtkosten dieser Maßnahme liegen bei 10,2 Millionen Euro. Weitere 1,1 Millionen Euro gehen an die Kurhessenbahn für neue Bahnsteige, die einen barrierefreien Einstieg in die Züge ermöglichen (Gesamtkosten 1,8 Millionen Euro). 915000 Euro erhält der Landkreis Waldeck-Frankenberg, um in Thalitter, Herzhausen, Schmittlotheim, Eder?bringhausen, Viermünden und Frankenberg-Goßberg Park-and-Ride-Plätze, Fahrradständer und neue Bushaltestellen anzulegen (Gesamtkosten 1,7 Millionen Euro). Viermünden wird dabei für etwa zwei Jahre eine provisorische Station erhalten, bis der neue Kreuzungsbahnhof entstanden ist. Aber auch am Ausbau der eigentlichen Strecke, der mit 18,4 Millionen Euro beziffert ist, beteiligt sich das Land Hessen mit 14,7 Millionen Euro. Die restlichen 3,7 Millionen Euro bringen der Landkreis, die Gemeinde Vöhl, die Stadt Frankenberg sowie der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) auf. Bereits seit Mai wird an den Bahnübergängen in Frankenberg gebaut. In den kommenden Wochen beginnt die Sanierung der beiden Ittertunnel und der Bau von Brücken, Stützmauern und Durchlässen. Weitere Bauabschnitte folgen im Frühjahr 2015 – so auch der Gleisbau: Während das Teilstück von Herzhausen nach Frankenberg nur modernisiert werden muss, wird am zwölf Kilometer langen Abschnitt zwischen Korbach und Herzhausen aufwendiger umgebaut. Die übrige Strecke ist noch relativ gut in Schuss, sie wurde in den vergangenen Jahren noch genutzt: An Sonn- und Feiertagen waren Sonderverkehre zum Edersee unterwegs.

Von Lutz Benseler

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