Baukredite werden immer billiger – Doch die Preise steigen

Bauboom in Waldeck-Frankenberg schwächt sich ab

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Die letzten Bauplätze im Adorfer Dahlienweg sind verkauft, die neuen Häuser wachsen empor. Kreisweit gibt es einen Bauboom, auch ausgelöst durch die niedrigen Zinsen für Baukredite.

Die Baukredite werden immer billiger – doch die Preise steigen: Der Bauboom in Waldeck-Frankenberg schwächt sich ab.

Waldeck-Frankenberg – Manch Sparer schimpft über die umstrittene Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank, Kreditnehmer freuen sich über immer bessere Konditionen: Für Baudarlehn verlangen manche Banken schon Zinssätze unter 0,5 Prozent. „Bauzinsen rauschen gegen Null“, titelte das Boulevardblatt „Bild“.

Diesen Trend sehen Fachleute der heimischen Banken eher nicht: Die Europäische Zentralbank hat zwar Anfang November angekündigt, vorerst weiter auf niedrige Zinsen zu setzen. Dennoch rechnen sie nicht mit noch geringeren Bauzinsen.

Nullzinsen oder gar Negativzinsen auf Kredite seien „unrealistisch“, sagt etwa Thomas Behle von der Sparkasse Waldeck-Frankenberg. „Das ist für unser Haus undenkbar.“ Schon das jetzige Niveau „wird kein Institut langfristig halten können“, schätzt Torsten Emde, der seit 30 Jahren Fachmann für Immobilienfinanzierung bei der Sparkasse ist. „Wir müssen Erträge generieren.“

Allerdings macht Emde eine „deutliche und stetige Steigerung“ bei der Nachfrage nach Baufinanzierungen aus. Seit 2012 sei das Kreditvolumen um rund 30 Prozent gestiegen. Doch Fachleute warnen vor verfrühtem Jubel: Den sinkenden Kreditzinsen stünden immer höhere Preise für Bauland und Häuser und steigende Kosten für Handwerker entgegen. Der Kauf oder Bau eines Hauses wird demnach unterm Strich nicht günstiger. Das bestätigen auch die heimischen Banken: „Die hohen Preise relativieren einen Großteil der derzeitigen Zinsen“, bilanziert Behle.

Und der Neubauboom der vorigen Jahre verliere allmählich an Schwung, berichtet der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl. Allerdings seien die Auftragsbestände noch hoch. In diesem Jahr würden bundesweit voraussichtlich 106.000 Einfamilienhäuser und 145.000 Mehrfamilienhäuser fertiggestellt. Der Umsatz im Wohnungsbau wachse von 46,72 Milliarden Euro im vorigen Jahr auf 51 Milliarden in diesem. Angesichts des Baubooms bringt der Facharbeitermangel die Firmen an ihre Kapazitätsgrenzen.

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