Insektenschutz, Tierhaltung: Lösungen nur gemeinsam mit Bauern

Kreiserntedankfest: Mahnung zum  Dialog mit den Landwirten

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Absolventen landwirtschaftlicher Berufe wurden beim Erntedankfest geehrt. 

Goddelsheim – „Erntedank ist auch ein Fest des Lebens“, sagte Pfarrer Klaus Nobiling im Gottesdienst zum Auftakt des Kreiserntedankfestes. Hunderte Landwirte waren in die Mehrzweckhalle Goddelsheim gekommen, um das Fest zu begehen.

Wie schwierig die vergangene Zeit aus Sicht der Landwirtschaft war, machte Karsten Schmal, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Waldeck, gleich zu Beginn deutlich: „Trockenheit und Hitze machen es uns nicht leichter, wir werden täglich vor neue Herausforderungen gestellt“, sagte er. Zugleich betonte er, dass „Bauern flexibel sind“, man werde sich anpassen, beispielsweise andere Pflanzen anbauen. „Wir wachsen mit unseren Aufgaben.“

Mit Kritik, zum Beispiel an geplanten Gesetzesinitiativen, hielt er nicht hinterm Berg. Es gebe teils „unsachgemäße“ Diskussionen, geplante Gesetze „nehmen uns und der folgenden Generation die Luft zum Atmen“. Er mahnte, dass man mit der Landwirtschaft im Dialog bleiben müsse, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Die Landjugend aus Wirmighausen zeigte einige traditionelle Tänze.

Wie schwierig die Situation für Landwirte oft sei, skizzierte Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese an einem Beispiel. Beim Grillen im Sommer gelte für das Fleisch, dass es vor allem billig sein muss, dabei würden in manchen Gärten „Kleinküchen stehen, die Grill genannt werden“, so Frese. „Das Steak wird für 1,50 Euro gekauft, der Grill für 1500 Euro.“

Die Landwirte, so Frese, „wirken erfolgreich für den ländlichen Raum. Sie haben ein Recht auf Respekt und unser aller Vertrauen“. Dennoch gebe es eine „laute Minderheit“, die Landwirte als Sündenböcke der Nation darstellen wolle. „Das ist falsch und unverschämt“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete. Insekten- und Artenschutz beispielsweise funktioniere nur zusammen mit der Landwirtschaft. Auch er mahnte zum gemeinsamen Dialog.

Als Absolventen der landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschulen wurden beim Kreiserntedankfest geehrt: die Betriebswirte/Techniker Jannik Leis, Volkmarsen, Christian Pohlmann, Rhenegge, Seffen Schmal, Sachsenhausen, Marc Stietz, Münden, Johannes Vollbracht, Giebringhausen; als Landwirte: Johannes Heine, Ober-Ense, Johannes Hellwig, Hillershausen, Elias Kernetzky, Sachsenhausen, Lukas Rock, Herbsen und für den Bachelor Agrarwissenschaft: Marco Rohleder, Mandern.

Der Männergesangverein Goddelsheim sorgte für Musik

Karl Hendrik Oppermann, Mitglied im Magistrat der Stadt Lichtenfels, sagte den Absolventen: „Die Politik und die Gesellschaft brauchen Sie dringender denn je.“ Er ermutigte die jungen Männer, auch mal mit Konventionen zu brechen und sich für die Zukunft breiter aufzustellen. Dass der Beruf „vielseitig und fordernd“ sei, betonte Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Waldeck. „Wir sind froh, dass ihr den Beruf gewählt habt. Wir brauchen euch“, so Wetekam.

Umrahmt wurde das Fest mit Musik des MGV Goddelsheim, des Posaunenchors Goddelsheim sowie Tänzen der Landjugend Wirmighausen. Die örtlichen Vereine sorgten für das Mittagessen, die Landfrauen Goddelsheim für Kuchen.

"Brauchen uns Vorwürfe nicht gefallen lassen"

Einen Überblick über Aktuelles im Berliner Politikbetrieb und die Entscheidungen rund um die Landwirtschaft gab Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, in seiner Festrede.

Er betonte, dass Landwirtschaft alle angehe und die Diskussionen darüber mitten in der Gesellschaft geführt würden. Das Thema Insektenschutz sei nur gemeinsam anzugehen, „wir brauchen uns Vorwürfe nicht gefallen zu lassen, nicht am Schutz interessiert zu sein“.

Bernhard Krüsken, Deutscher Bauernverband

Zum Thema Tierhaltung sagte Krüsken, der Verbraucher würde sich besser fühlen, wenn Tiere aus guter Haltung kämen. Die wenigsten würden dieses Fleisch kaufen, dennoch gehe der Trend in diese Richtung. „Wir brauchen eine Nutztierstrategie.“ Höhere Standards müssten für Verbraucher sichtbar sein. In Sachen Klimaschutz sei die Landwirtschaft „Teil der Lösung“. Kein Fleisch mehr zu essen sei ein „katastrophaler Trugschluss“.

Wenn die Bauern kritisieren, sei es wichtig, „immer gleich eine positive Lösung zu haben“. Man müsse eigene Angebote machen und auch positive Botschaften senden. Insgesamt müsse sich Landwirtschaft verändern.

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