Stiftung kürt Feldahorn zum Baum des Jahres

Baum mit Geschichte und Zukunft

Waldeck-Frankenberg - Sein buntes Laub versüßt den Spaziergängern den Herbst. Nun hat ihn die Stiftung „Baum des Jahres“ geadelt und dem Feldahorn den begehrten Titel für 2015 verliehen. Burgwalds Forstamtsleiter Eberhard Leicht stellt den Baum vor.

Seit Jahrhunderten schwärmen die Menschen für den Feldahorn. 1885 schrieb der schlesische Forstmann, Gutsherr und Reichstagsabgeordnete Heinrich von Salisch in seiner „Forstästhetik“, dem wohl ersten Buch zur forstlichen Landschaftspflege: „Der Feldahorn ist sowohl als Strauch, wie als Baum eines der ästhetisch wertvollsten Glieder des Waldbestandes. Sein zierlich eingeschnittenes rundes Laub nimmt im Herbst leuchtend goldgelbe Farbe an. Ältere Bäume wachsen sich zu eichenartigen, höchst malerischen Formen aus.“

Auch mehr als 100 Jahre später hat die Begeisterung kaum nachgelassen: Und so hat die Stiftung „Baum des Jahres“ den Feldahorn eben jenen Titel für das kommende Jahr verliehen. Nach dem Spitz-Ahorn (1995) und dem Berg-Ahorn (2009) ist der Feldahorn die dritte Art der Baumgattung, die zum Jahresbaum gekürt wurde. Sieht man einmal vom Burgenahorn ab, der sich nur hier und da in den wärmebegünstigten Lagen des Rheingaus findet, sind damit alle in Hessen vorkommenden Ahornarten zum Baum des Jahres ausgerufen.

Kleiner Bruder von Berg- und Spitzahorn

Der Feldahorn wird oft als kleinerer Bruder von Berg- und Spitz-Ahorn bezeichnet. Mit einer Wuchshöhe von selten über 20 Metern gilt er als Baum zweiter Ordnung, da er im Waldbestand mit den oft über 30 Meter hohen Eichen und Buchen nicht mithalten kann. Als einzige der europäischen Ahornarten ist er auch natürlicherweise auf den Britischen Inseln in Süd- und Mittelengland vertreten. In Kontinentaleuropa beginnt sein Areal in den Pyrenäen und erstreckt sich im Osten bis fast zur Wolga und an das Kaspische Meer. Die nördlichsten Vorkommen des Feld-Ahorns finden sich in Südschweden und Süddänemark, seine südliche Verbreitungsgrenze erreicht er in Süditalien, Griechenland und der Nordtürkei. In Mitteleuropa ist er ein Baum der Ebenen und des Hügellandes unterhalb von 500 Metern Meereshöhe, während er in den Nordalpen und im Mittelmeergebiet auch in höheren Lagen anzutreffen ist.

Der stärkste für Hessen dokumentierte Feld-Ahorn steht im Kurpark von Bad Homburg: Sein Stammdurchmesser in Brusthöhe beträgt fast einen Meter. Seine Konkurrenzschwäche gegenüber Buche, Eiche oder Fichte kompensiert der Feld-Ahorn zum Teil mit seiner Robustheit. Er verfügt über ein großes Ausschlagvermögen nach Rückschnitt und findet sich daher häufig auch in Hecken und Feldgehölzen. In Wäldern ist er da anzutreffen, wo die Buche aufgrund von Bodenfeuchtigkeit oder auch Trockenheit nicht allzu dominant wird: in Seggen- Trockenhang- Buchenwäldern, in Sternmieren- und Labkraut- Eichen- Hainbuchenwäldern, in Sommerlinden- Ahorn- Mischwäldern oder in wärmeliebenden Eichenwäldern. Landschaftsprägend wird der Feld-Ahorn aber in der Kulturlandschaft, was letztlich auch in seinem Namen zum Ausdruck kommt.

Von den Quasts bis zum Ederdurchbruch

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg treffen ihn Spaziergänger überall dort an, wo sich in der Feldgemarkung noch bewachsene Ackerraine, Gehölzsäume an Bächen oder Feldholzinseln befinden. Als Waldbaum ist er zum Beispiel in den Kalkbuchenwäldern des Quasts bei Rhoden, im Dalwigker Holz bei Korbach oder am Katzenstein und Kleinen Mehlberg bei Waldeck zu finden. Begleiter von Eichen und Hainbuchen ist er zusammen mit Els- oder Mehlbeeren an den Steilhangwäldern zum Edersee, im Lengeltal, am Sankt Muffert bei Adorf, am Bilstein bei Reitzenhagen oder am Ederdurchbruch zwischen Battenberg und Hatzfeld. Stark saure Böden wie die Moor- und Sumpfgründe des zentralen Burgwaldes meidet der Feld-Ahorn jedoch.

An der Kahlen Hardt zwischen Basdorf und Scheid, wo der Feld-Ahorn neben seinen Geschwistern Spitz- und Berg-Ahorn steht, ist es ein Leichtes, ihn zu erkennen. Denn er ist nicht nur der kleinste und kleinblättrigste Baum unter den dreien, sondern hat oft an Zweigen und Ästen Korkleisten, die ihnen im Querschnitt ein zahnradartiges Aussehen verleihen. Die Blüten des Feldahorns erscheinen gegen Ende April oder Anfang Mai zeitgleich mit den Blättern. Die Blütenstände stehen im Gegensatz zu denen des Berg-Ahorns aufrecht am Zweig. Die charakteristischen Flügelfrüchte unterscheiden sich von denen anderer Ahornarten dadurch, dass die zwei Flügel nahezu eine gerade Linie bilden. Beim Berg-Ahorn sind sie dagegen geknickt angeordnet und formen einen spitzen Winkel.

Die Blätter sind stumpf gelappt und ziemlich hart, die Blattstiele grün und zwischen drei und fünf Zentimeter lang. Wie die jüngeren Zweige führen auch die Stiele im Sommer einen weißlichen Milchsaft. Die sehr schöne Herbstfärbung der Blätter ist meist goldgelb oder rötlich gelb.

Die Blätter haben lange Zeit regional auch als Viehfutter gedient. Dazu wurden sie im Frühsommer mit den Zweigen vom Baum geschlagen (geschneitelt) und entweder als Laubheu getrocknet oder direkt verfüttert.

Für den menschlichen Verzehr wurden Feldahornblätter wie Sauerkraut eingestampft und vergoren. Das harte und mittelschwere Holz, das oft rötlich gemasert ist, wird für Drechsler- und Schnitzarbeiten verwendet. In England sollen in früheren Jahrhunderten Trinkbecher aus dem Holz des Feldahorns gefertigt worden sein. Für die Gewinnung stärkerer Bretter oder Bohlen reicht die Dimension von Feldahornstämmen meist nicht aus.

Bogen von Vergangenheit in die Zukunft

Dass der Baum auch im Bewusstsein unserer entfernten Vorfahren präsent gewesen ist, belegen sehr alte Wörter, wie das germanische ahurna oder der mittelhochdeutsche ahornenboum. Der zum Teil noch heute gebräuchliche Name Maßholder leitet sich von althochdeutsch mazzaltra und mittelhochdeutsch mazzolter ab. Beide Bezeichnungen beinhalten den altsächsischen Wortstamm mat für Speise und verweisen darauf, dass der Baum nicht nur für das Vieh eine Nahrungsgrundlage war.

Der Wasserverbrauch des Feldahorns ist relativ gering. Er ist auch nicht spätfrostgefährdet und generell wärmeliebend. Auch gegenüber Ozon, Immissionen aus Hausbrand und Straßenverkehr scheint der Baum eher unempfindlich zu sein. Sieht man einmal von einer gewissen Sensibilität gegenüber Salzen ab, kann der Baum gerade auch vor dem Hintergrund des sich vollziehenden Klimawandels einen Beitrag zur Gestaltung von städtischen Räumen leisten.

Hintergrund: Baum des Jahres

Mit der jährlichen Kür eines Baumes des Jahres möchte die gleichnamige Stiftung Menschen an Bäume heranführen und Sensibilität für das Individuum Baum in Wäldern, Parks, Gärten, Alleen, Feld- und Wiesenlandschaften, Friedhöfen zu schaffen. Die Stiftung will damit Defiziten an Naturerfahrung und Naturkenntnissen vor allem bei jüngeren Menschen begegnen, denn nach Überzeugung der Initiatoren kann sich Verantwortung für Natur nur dann entwickeln, wenn sie als etwas Schönes, Liebens- und Erhaltenswertes wahrgenommen wird.

Stichwort: Ahorn

Weltweit sind rund 150 Ahornarten bekannt, die überwiegend in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel in Amerika, Europa und Asien anzutreffen sind. Einige wenige Ahornarten dringen auch in tropische Gebirge Südostasiens und Mittelamerikas vor. Sie sind zumeist sommergrüne Bäume oder Sträucher mit lang gestielten meist handförmig gelappten Bättern. Die zur Familie der Seifenbaumgewächse gehörenden Ahorne treten nach der letzten Eiszeit in Mitteleuropa seit dem Atlantikum (Eichenmischwaldzeit, seit etwa 7000 vor Christus) wieder verbreitet auf. Sie liefern ein wertvolles und dekoratives Holz; aus den Baumsäften einiger Arten kann Zucker gewonnen werden.

Von Eberhard Leicht

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