Bei der Biomüll-Trennung gibt es Probleme: 1,5 Prozent Fremdstoffe landen immer noch in der Tonne

Plastik landet auf dem Feld

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Männer in Orange im Einsatz: Michael Göbel und Michael Kaltenegger beim Leeren von Biomülltonnen in Korbach, Bereich Fröbelstraße.

Rund ein Drittel des Hausmülls besteht aus organischen Stoffen, die im Kompostwerk zu Dünger verarbeitet werden. Der Biomüll gehört in die Grüne Tonne, doch immer wieder wird falsch sortiert. So kommt schädliches Plastik in den Lebenskreislauf.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg fallen nach eigenen Angaben jährlich rund 28 000 Tonnen Bioabfall an. Die Sammlung übernehmen die Kommunen, allein im Stadtgebiet Korbach sind zurzeit etwa 5000 Bio-Tonnen ausgegeben.

Kompostierbar oder nicht? Alle Beutel müssen aussortiert werden.

Die Verwertung organisiert der Landkreis, der über zwei Kompostwerke verfügt, wo die Kommunen ihre Bioabfälle anliefern. Dort werden die Abfälle nach der Eingangskontrolle und Schadstoffentnahme zu langen Rottemieten aufgesetzt und regelmäßig mit einem Mietenumsetzer vermischt und belüftet.

Am Ende des viermonatigen Rotteprozesses werden noch enthaltene Rest- und Störstoffe (Kunststoffe, Steine, grobe Holzstücke) in einer Siebanlage aussortiert. Der abgesiebte Kompost wird zur Nachreife gelagert und dann als Dünger für Landwirtschaft und Gartenbau abgegeben. Der erzeugte Kompost unterliegt der Qualitätskontrolle nach RAL GZ 251 durch die Bundesgütegemeinschaft Kompost.

Insgesamt arbeiten etwa acht Personen auf den Kompostwerken. Dazu kommt weiteres Personal des Eigenbetriebes Abfallwirtschaft für die Gebührenabrechnung, Bauunterhaltung und Anlagenüberwachung.

Nein zu Biokomposttüten

Bei Sortierung des Abfalls landen in Waldeck-Frankenberg durchschnittlich 1,5 Prozent Fremdstoffe wie Plastiktüten, Kunststoffbeutel, Säcke oder Blumentöpfe in der Biotonne, das liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von drei Prozent, so Landkreis-Sprecherin Petra Frömel.

Viele Haushalte sammeln ihren Bioabfall – Speisereste, Kartoffelschalen, Kaffeesatz – in einer Plastiktüte, weil sich der Abfall dann „hygienisch einwandfrei“ zur Biotonne verbringen lässt. Der Beutel wird im gefüllten Zustand eingeworfen. Gleiches gilt für die Obstbeutel aus dem Discounter.

Auch als kompostierbar deklarierte Biokunststoff-Müllbeutel sind keine Alternative. Denn: „Vor Ort können wir nicht unterscheiden, ob sie kompostierbar sind oder nicht. Darum müssen alle Plastiktüten soweit möglich bereits an Beginn des Rotteprozesses aussortiert werden“, erklärt Egbert Blanc, Betriebsleiter der Abfallwirtschaft Waldeck-Frankenberg.

Weiterer Kritikpunkt: Diese Beutel zersetzen sich nur bei einer bestimmten Wärmeentwicklung in den Anlagen und einer längeren Verweildauer. Mit gängigen Verfahren seien sie nicht kompostierbar, so die Deutsche Umwelthilfe.

Was nicht aussortiert wird, gelangt in die Kompostwerke und damit in den Produktionsprozess. Durch mehrfaches Umsetzen und Sieben des Kompostes werden auch die Plastikteile weiter zerkleinert. Der Kompost verlässt nach vier bis sechs Monaten das Werk und gelangt hauptsächlich als Dünger auf die heimischen Felder – und damit auch die kleinen Plastikteilchen.

Ein Drittel sortiert schlecht

„Etwa 70 Prozent der Haushalte im Landkreis Waldeck-Frankenberg sortieren ordentlich. Bei den übrigen 30 Prozent wird eine Verhaltensänderung nur mit aufwändigen Maßnahmen zu erreichen sein“, bedauern die Experten des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft.

„Zumindest für unseren Bereich kann ich diesen hohen Anteil der fehlerhaft sortierten Tonnen nicht bestätigen, allerdings erfassen wir die Zahl der falsch befüllten Biotonnen auch nicht“, sagt Karl-Wilhelm Gemmecker, der Sachgebietsleiter Abfallentsorgung/Hausmüll bei der Stadt Korbach. Doch insbesondere an Mehrfamilienhäusern, wo mehrere Parteien eine Tonne nutzen und so die Übeltäter schwerer zu ermitteln sind, würden seine Teams immer wieder fehlerhaft befüllte Biobehälter finden.

„In einigen Fällen haben wir schon Sprachbarrieren vermutet. Die wollen wir mit entsprechendem Infomaterial beseitigen“, berichtet Gemmecker. „Wenn uns eine Tonne verdächtig vorkommt, machen wir den Deckel auf und nehmen eine Stichprobe. Wenn dann falscher Müll drin ist, lassen wir sie stehen und befestigen einen Infozettel daran.“

„Immer wieder kommt es vor, dass Plastikbeutel oder andere Dinge aus Kunststoff aus der Grünen Tonne gucken. Dann müssen wir sie leider stehen lassen“, bestätigt Horst Röhle, Fahrer im Korbacher Reinigungsteam, der regelmäßig mit Michael Kaltenegger und Michael Göbel auf Entleerungstour ist.

„Wir sind froh, dass es nicht mehr so heiß ist, denn bei hohen Temperaturen stinken die Abfälle enorm“, so Röhle. Aber noch etwas anderes sorgt dafür, dass sich die abgehärteten Männer in Orange zuweilen geradezu ekeln: „Viele Tonnen sind schmutzig und kleben außen sowie innen, wenn die Besitzer sie nicht regelmäßig sauber machen“, beklagt Röhle.

Zumindest einmal im Vierteljahr sollen leere Tonnen ausgespült werden – klares Regenwasser reicht. Damit nicht erst zu viel Feuchtigkeit und damit Gestank entsteht, könne man den Tonnenboden mit Zeitungspapier auslegen.

Und Röhle hat noch weitere Tipps, die die Arbeit erleichtern: Im Winter die Tonnen erst kurz vor dem Entleeren rausstellen, damit der Inhalt nicht festfriert. Die Tonnen an die Straße und an eine Stelle zusammenziehen.

Zuständig für das Leeren der Tonnen und die Kontrolle sind die Kommunen. Bis 2014 wurden sie regelmäßig mit zusätzlichen Sortierkosten bei starker Verunreinigung belastet. Heute verzichtet man wegen des hohen Verwaltungsaufwands darauf.

Übrigens: Am 8. September haben die ersten deutschlandweiten Aktionswochen zur Biotonne begonnen mit der Unterstützung von Bundesumweltministerium, NABU,  Abfallwirtschaftsverbänden, Handelsketten sowie Landkreisen und Kommunen. Die Aktionswochen klären die Bürgerinnen und Bürger vom 8. bis 29. September über den Umgang mit der größten Abfallfraktion in unseren Küchen auf und machen die Biotonne von einem bisher rein lokalen zu einem nationalen Thema.  Während Deutschland bei Glas und Papier vorbildlich trennt, gibt es bei Bioabfällen gewaltigen Nachholbedarf: davon landet die Hälfte - rund 4,5 Millionen Tonnen jährlich in Deutschland - immer noch in der Restmüll- anstatt der Biotonne. Wählen wir die richtige Tonne, ersetzt der daraus hergestellte Kompost auf dem Acker und in Gärten große Mengen an Mineraldüngern und endlichen Rohstoffen wie Torf. Manche Regionen machen zudem aus Bioabfall Strom und Wärme - einfacher kann täglicher Klimaschutz nicht sein. /Achim Rosdorff

Weitere Infos: Was in der Grünen Tonne gesammelt wird, steht im Infoblatt des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft unter www.abfallw-wa-fkb.de.

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