NABU-Podiumsdiskussion mit den beiden Landratskandidaten

Beim Naturschutz sind sich alle einig

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Beschenkt mit dem aktuellen Band der Vogelkundlichen Hefte: die beiden Landratskandidaten Karl-Friedrich Frese und Reinhard Kubat, eingerahmt von NABU-Kreisvorsitzendem Heinz-Günther Schneider (l.) und dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden Karl-Heinz Bastet.

Waldeck-Frankenberg - Große Bedeutung messen die beiden Landratskandidaten Dr. Reinhard Kubat und Karl-Friedrich Frese dem Naturschutz und der Landschaftspflege bei. Bei der NABU-Podiumsdiskussion in Herzhausen sprachen sie von einer „starken Lobby für die Natur“ und einer „Herzensangelegenheit“.

Landschaftspflegeverband, Zertifizierung des Waldes, Ausbau der Windenergie, Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie oder Kompensationsdefizite - viele Themen brennen den ehrenamtlichen Naturschützern aktuell „unter den Nägeln“. An der vom ­NABU-Kreisverband ausgerichteten Diskussion nahmen auch Mitglieder anderer Naturschutzverbände und Vertreter des Bauernverbandes teil.

Erfolge des Naturschutzes

NABU-Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider hob die Erfolge des Naturschutzes hervor, beklagte aber einen erheblichen Druck, der mit dem Bau von Windkraftanlagen, Straßen, Stromtrassen und Tourismuseinrichtungen auf die Landschaft ausgeübt werde. Der stellvertretende Kreisvorsitzende Karl-Heinz Bastet moderierte die Diskussion mit zehn Schwerpunktthemen.

„Die Natur braucht eine starke Lobby“, sagte Karl-Friedrich Frese und lobte die ehrenamtliche Naturschutzarbeit und die Einbeziehung von Jugendlichen. Landrat Reinhard Kubat hob das Engagement von NABU, Kreishandwerkerschaft und Landkreis auf Burg Hessenstein für die Umweltbildung hervor: „Naturschutz und Landschaftspflege sind mir eine Herzensangelegenheit“, sagte Dr. Kubat. Er sieht die Einrichtung eines Landschaftspflegeverbandes dringlicher denn je, um Kompensationsmaßnahmen sinnvoll umzusetzen und die Verarmung der Landschaft aufzuhalten.

Auch Gegenkandidat Frese befürwortete einen Landschaftspflegeverband vor dem Hintergrund des Greenings in der Landwirtschaft. Er sprach sich für schlanke Strukturen und eine effiziente und kooperative Ausrichtung aus. Aktueller Stand laut Kubat: Nach dem Grundsatzbeschluss im Kreistag Ende 2013 soll noch in diesem Jahr eine Organisationsstruktur erarbeitet werden.

In Sachen FSC-Zertifizierung des Domanial- und Kreiswaldes verwies Kubat auf eine eingesetzte Arbeitsgruppe, deren Ergebnisse in Kürze erwartet werden. „Das Label ist mir egal, wichtig ist, dass wir mehr Naturschutz in den Wäldern erreichen“, betonte der Landrat. Er verwies auf die Verpflichtung, aus dem Wald die nötigen Mittel für die Unterhaltung von sechs Schlössern zu erwirtschaften, und kann sich daher nur schwer vorstellen, zehn Prozent der Flächen aus der Nutzung zu nehmen. Auch Frese steht hinter der eingerichteten Arbeitsgruppe und sagte Verbesserungen für Flora und Fauna nur zu, sofern sie aus den Erträgen finanzierbar seien.

Bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie kritisierte Frese zu lange Planungsverfahren und lange Verzögerungen wegen einer Vielzahl von Entscheidungsträgern. Auch Kubat gestand ein, dass die Umsetzung der Gewässerrenaturierungen kein „Ruhmesblatt“ sei.

In Sachen Teilregionalplan Energie und Einrichtung von Windvorrangflächen fordert der NABU eine baldige Planungssicherheit. Frese zeigte sich skeptisch, äußerte seine Sorge um Tourismuseinbußen und gesundheitliche Risiken für die Bevölkerung. Er forderte, keine weiteren Windkraftanlagen im Naturpark Diemelsee aufzustellen. Kubat kündigte ein Abstimmungsgespräch mit dem benachbarten Hochsauerlandkreis an und sagte zu, keine Flächen an fremde Investoren preiszugeben.

Die Menschen mitnehmen

Mit der Biodiversitätsstrategie will das Kasseler Regierungspräsidium besonders bedrohte Tier- und Pflanzenarten stellvertretend für ganze Lebensräume schützen. Dazu zählt auch die Wiederansiedlung der Gelbbauchunke, finanziert vom Landkreis. Ferner wurde mit der Einrichtung von Artenpatenschaften in einzelnen Gemeinden begonnen. Frese forderte eine bessere Kommunikation und hofft auf ein Naturschutzgroßprojekt im Naturpark Diemelsee. „Wir müssen die Menschen mitnehmen, sich für unsere Leitarten einzusetzen. 25000 Euro für die Gelbbauchunke sind gut angelegtes Geld“, sagte Kubat.

Beide Kandidaten stimmten den vom NABU angeprangerten Defiziten bei der Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen aus Bebauungsplänen zu und sprachen sich für Überprüfungen aus.

Kritik auch aus dem Publikum gab es am starken Gehölzschnitt von Hessen Mobil im Winterhalbjahr. Kubat gab bekannt, dass die Fachaufsicht wieder an den Landkreis zurückübertragen wurde und in Kürze Gespräche stattfinden würden. Frese forderte klare Absprachen und Vorgaben, um Streitpunkte zu vermeiden.

Die NABU-Vertreter wiederholten ihre Kritik am unerlaubten Umbruch von Grünland und Wegrändern. Beide Kandidaten sagten ihre Unterstützung zu. Frese will den Dialog mit Ortslandwirten und Jagdgenossenschaften suchen.

Moderator Karl-Heinz Bastet forderte abschließend eine maßvolle Abwägung von Ökonomie und Ökologie bei allen Themen. Heinz-Günther Schneider überreichte an beide Kandidaten einen Band des Vogelkundlichen Heftes.

Von Frank Seumer

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