Neue WLZ-Serie: Beispiel für mehr Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz im Alltag

Umweltengel auf dem stillen Örtchen: Den Wald nicht für Toilettenpapier verschwenden

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Mit viermal so ergiebigen Rollen wie in herkömmlichen Paketen passiert das nicht mehr so schnell...: Der Toilettenpapier-Verbrauch steigt, Anteil an Recyclingpapier sinkt. Unverpackte Rollen sind eine Alternative. 

Waldeck-Frankenberg. Wachsende Müllberge, Artenschwund und Klimawandel: Welche Möglichkeiten gibt es für kleine Schritte, die Veränderungen in Gang setzen zugunsten von Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz? Mit der neuen Serie „Wir sind dran!“ rückt die WLZ diese drängenden Themen in den Blickpunkt.

„Unser Wald sollte uns zu schade sein, um ihn für Toilettenpapier zu verschwenden“: Da geben wir Jürgen Knirsch (Greenpeace) recht. Doch diese Verschwendung nimmt drastisch zu: Der Verbrauch an Toilettenpapier steigt, gleichzeitig sinkt der Anteil aus recyceltem Altpapier.

Dabei ist Recyclingpapier – zu erkennen am blauen Umweltengel – überall im Handel zu finden, „effektiver Umweltschutz am stillen Örtchen also nur einen Handgriff entfernt“, stellt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fest.

Wer gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will, kann beim Einkauf sogar auf die Plastikverpackung verzichten. Das haben wir ausprobiert:

Das Produkt der Wahl hat gut 700 Blatt statt handelsüblich 150 bis 200 Blatt und ist entweder Rolle für Rolle oder im großen Vorratskarton zu haben. Beim Einkauf reichen also zwei Rollen statt des üblichen Achterpacks. Das Papier wird CO2-neutral in Europa produziert und hat zwei Lagen, die ohne Klebstoff verarbeitet sind. Und, ja, es ist genauso angenehm wie herkömmliches Papier. Was den Preis angeht, so ist es im Online-Versand nur wenige Cent teurer als die vergleichbare Menge Recycling-Klopapier im Plastikbeutel, das wir sonst kaufen.

Rollen passen nicht überall

Kleiner Nachteil: Auf manchem stillen Örtchen muss die Rolle erst ein bisschen dünner werden, bevor sie in den Halter passt.

Auf die Frage vor Ort im Handel nach unverpacktem Klopapier gab es folgende Antworten: Supermärkte müssten jedes Stück einzeln kennzeichnen, so das Haupt-Gegenargument – sowohl mit Code als auch mit Produkthinweisen. Auf offene Ohren gestoßen sind wir in Bioläden in Korbach und Bad Arolsen – sie prüfen derzeit die Möglichkeiten, Rollen einzeln oder im Kartons ins Sortiment aufzunehmen. Im Freibad Landau wird ein solcher Karton für die bevorstehende Saison Einzug halten. Gerade in öffentlichen Einrichtungen sind Rollen, die viermal so ergiebig sind wie herkömmliche, ein echter Gewinn, meinen wir.

Bis zu sechs Lagen dick

Hauptgrund für den rasant steigenden Verbrauch nicht nur in Deutschland: Papier mit möglichst vielen Lagen steht hoch im Kurs. Längst gibt es die sechslagige Variante. Um den Bedarf zu decken, wird immer mehr Papier aus Frischfasern produziert. 2015 dürften es in Deutschland rund 750 000 Tonnen Primärfasern gewesen sein, die damit für den Papierkreislauf unwiederbringlich verloren gegangen sind. Stimmt die Schätzung von 22 Milliarden Rollen im Jahr europaweit, so könnte man die Erde damit 14 000 Mal umwickeln.

Dabei ist der Altpapieranteil bei der Produktion laut Verband deutscher Papierfabriken in den vergangenen zehn Jahren von 75 auf 50 Prozent zurückgegangen.

Wer mehr tun will, als nur umweltbewusst einkaufen, findet auch eine ökologisch-soziale Variante: „Goldeimer“ ist eine gemeinnützige GmbH, die mit Produktion und Verkauf von Recyclingpapier auch Sanitär-Projekte in Ländern unterstützt, die keine gute sanitäre Infrastruktur haben. Und mitunter sorgen die Macher mit aufgedruckten Botschaften auch für Lesestoff am stillen Örtchen.

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Recyclingpapier: „Klarer Vorteil für Gesundheit“

Es ist unstrittig, dass nur recycltes Papier (erkennbar am blauen Umweltengel) Umwelt und Klima schont. Verbraucherzentrale und Bundesumweltamt sagen: Mit Blick auf Ressourcenverbrauch, Abwasserbelastung, Wasser- und Energieverbrauch schneiden Hygienepapiere aus Altpapier wesentlich günstiger ab – bei vergleichbaren Gebrauchseigenschaften. Denn grau und hart ist das Recyclingpapier schon lange nicht mehr. Für Hygienepapier aus „Frischfaser“ werden nicht nur weltweit Wälder abgeholzt, sondern auch bis zu 60 Prozent mehr Energie und 70 Prozent mehr Wasser verbraucht – plus weite Transportwege. Dass gefärbtes, bedrucktes und duftendes Klopapier eine noch schlechtere Ökobilanz hat, versteht sich von selbst. „Auch mit Blick auf die Gesundheit bietet der ‚Blaue Engel’ klare Vorteile: Er setzt enge Standards für die Belastung mit Chemikalien“, heißt es bei Greenpeace. Irreführend sei der Aufdruck ‘aus hygienischem Zellstoff’: „Recycling-Toilettenpapier ist genauso hygienisch.“ Denn: Hohe Temperaturen bei der Herstellung machen das Papier keimfrei. Und der Aufdruck „holzfrei“ bedeute eben nicht, dass zur Produktion kein Holz verwendet wurde, so der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Greenpeace hat den Einzelhandel schon längst aufgefordert, nur noch Recyclingpapier zu verkaufen – bislang ohne Erfolg. Also entscheiden weiter die Käufer.

"Wir sind dran" - sind Sie dabei?

„Wir sind dran!“ – unter diesem Titel wollen wir in unregelmäßiger Folge diejenigen vorstellen, die vor Ort bewusst anders handeln zugunsten von Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz. Entweder gemeinsam mit vielen anderen – in der Landwirtschaft etwa, beim Einkauf oder der Ernährung – oder auf einem Trampelpfad, der den meisten von uns noch unbekannt ist. Das können Beispiele sein, die jeder (der will), leicht nachmachen kann – Stichwort Müllvermeidung –, aber auch solche, die eher selten sind wie die eigene Geschäftsidee. „Wir sind dran“ ist auch der Titel eines Buches über den Zustand der Erde auf Grundlage des aktuellen Berichts des Club of Rome (Gütersloher Verlagshaus 2017). Wir möchten informieren, Mut machen und Möglichkeiten aufzeigen für viele kleine Schritte, die letztlich Veränderungen in Gang setzen.

Und wir werden Selbstversuche starten und darüber berichten. Wir laden Sie, liebe Leserinnen und Leser , dazu ein, Ideen und Beispiele beizutragen und sich an Diskussionen rund um diese Themen zu beteiligen. Mit Leserzuschriften oder auf der WLZ-Facebook-Seite. Rufen Sie uns an, schreiben Sie uns, sprechen Sie uns an: Waldeckische Landeszeitung, Lengefelder Straße 6, 34497 Korbach, Mail: wirsinddran@wlz-online.de, Telefon: 05631/560150.

Nächstes Thema unserer neuen Serie ist der Verzicht auf Plastik-Verpackungen – ein Selbstversuch.

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