„Leben in unserer Region“ · Vier Modellprojekte in Selbach, Rhoden, Berghofen und Frebershausen

Beispielhafte Bauvorhaben ausgewählt

- Die Gewinner des Wettbewerbs „Leben in unserer Region“ stehen fest. Die vier Modellprojekte sind in Selbach, Rhoden, Berghofen und Frebershausen zu finden.

Waldeck-Frankenberg. Aus sieben Bewerbern wählte die fünfköpfige Jury vier Projekte aus. Grundlage für die Entscheidung: Die Vorhaben sollen beispielhaft darstellen, wie die vorhandene Bausubstanz genutzt werden kann, um Tradition und Moderne unter einem Dach zu vereinen, wie sich neueste Technik mit bewährten Methoden kombinieren lässt. Kreisdenkmalpfleger Walter Schumann, „Traumhaus“-Bauherr Heinz Roehle, die Frauenbeauftragte des Landkreises, Beate Friedrich, Kreishandwerksmeister Karl-Heinz Göbel und Dr. Jürgen Römer, Experte für die Sanierung von Kultur- und Baudenkmalen, verkündeten nach gut zweistündiger Beratung die Wettbewerbssieger.

Zum ausgewählten Quartett gehört das alte Jagdschloss Fürstenthal in Selbach. Die Spuren der Vergangenheit bewahren und trotzdem eine zeitgemäße Nutzung ermöglichen: Das sind die Sanierungsziele des niederländischen Geschäftsmanns René Hol, der zusammen mit seiner Frau Jeanette das Anwesen kaufte. 1701 wurde das stolze Gebäude im kleinen Selbach gebaut – als Lust- und Jagdschloss für den Fürsten. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Gebäude dann vor allem als landwirtschaftlicher Betrieb und als Ferienhof genutzt. Wie ein zukunftsweisender Umbau aussehen kann, hat Hol in einem kleinen Anbau des Schlosses gezeigt. Hier hat die Familie sich bereits häuslich eingerichtet. Der Rest des Schlosses ist allerdings noch eine Baustelle.

Die Scheune, die an sein Fachwerkhaus im Ortskern von Berghofen angrenzt, will Reiner Arnold altersgerecht ausbauen.

Etwas weiter fortgeschritten sind die Sanierungsarbeiten in Rhoden. Neues Leben in das alte Gärtnerhaus am „Lustgarten“ bringen Barbara und Rudolf Beisinghoff. Laufen die Renovierungsarbeiten nach Plan, will das Ehepaar aus Südhessen spätestens im Mai endgültig seinen Wohnsitz in den Warburger Weg verlegen. Zurzeit sind es vor allem das Hämmern, Sägen und Schleifen der Handwerker, die das 101 Jahre alte Gebäude beleben. Aber auch die neuen Besitzer sind bereits eingezogen – provisorisch zumindest. Das Leben im Hause Beisinghoff spielt sich zurzeit noch im ehemaligen Stall des Hauses ab. Den hatte Barbara Beisinghoff, die als international anerkannte Künstlerin tätig ist, schon vor zwei Jahren zum lichtdurchfluteten Atelier umbauen lassen. Dort, mit Blick auf die historischen Mauern, zwischen denen der Wal­decker Fürst Georg Friedrich seinen „Lustgarten“ anlegen ließ, wird Barbara Beisinghoff ihre Kunstaktionen planen und umsetzen.

Das Jagdschloss in Selbach lässt René Hol modernisieren. Architektonische Spuren der Vergangenheit bleiben erhalten.

Im Ortskern von Berghofen steht das mehr als 120 Jahre alte Fachwerkhaus samt Scheune, das Reiner Arnold von seinen Eltern übernommen hat. Derzeit lebt er gern im Wohnhaus – doch langfristig sieht er ein Problem in der Bauweise: Die Wohnräume liegen im ersten Stock, eine steile Treppe führt hinauf. Im Alter könnte das den Verlust der Selbstständigkeit bedeuten, befürchtet Arnold. Doch er möchte so lange wie möglich in seinem Heimatdorf bleiben. Deshalb plant er, die Scheune, die etwas zurückgesetzt steht, zu Wohnraum umzufunktionieren. Beide Gebäude stehen bereits unter Denkmalschutz – nicht als Einzeldenkmal, aber als Bestandteil des Gesamtbildes des Dorfkerns.

Gärtnerhaus mit Atelier in Rhoden: (v.l.) Rudolf Beisinghoff mit Schwiegertochter und Planerin Adele Beisinghoff sowie Kreisdenkmalpfleger Walter Schumann.

Leben und arbeiten wollen Daniela Hübenthal und Daniel Pfaar in ihrem Fachwerkhaus in Frebershausen. Auch die ersten Bewohner dieses Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Domizils, das Denkmalpfleger Schumann als „Einhaustyp“ identifiziert, wohnten und wirtschafteten unter einem Dach. Das junge Paar entdeckte das alte Gemäuer im Jahr 2008 während der „Dorf-Art“ in Frebershausen. Es stand seit 2005 leer und wurde im Rahmen der Dorferneuerung zu einem Einzeldenkmal ernannt. Im Januar 2010 kauften die Bauherren das stark sanierungsbedürftige Anwesen, zu dem auch eine 2800 Quadratmeter große Wiese mit Obstbäumen gehört. Inzwischen ist das Haus entrümpelt, und erste Fachwerk­-kons­truktionen wurden für die Sanierung entkernt. In der Scheune will Schreinermeister Pfaar seine Werkstatt einrichten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare