"Arbeits-Netzwerk ist einzigartig in der Bundesrepublik"

Waldeck-Frankenberg: Riesen-Bärenklau muss weiterhin strikt bekämpft werden

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Riesen-Bärenklau: Schwerste Verbrennungen können sich Menschen an der Staude zuziehen. Auch ökologisch ist sie nicht tolerierbar: Die nicht heimische, extrem verbreitungswütige Pflanze – invasiver Neophyt – verdrängt heimische Pflanzen.

Waldeck-Frankenberg. Die Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus bleibt auf der Agenda des Landkreises Waldeck-Frankenberg: Dafür sorgt ein Netzwerk, das sich vor 16 Jahren aus  engagierten Ehrenamtlichen, Kommunen und Körperschaften gebildet hat und die Beseitigung der gefährlichen Staude ehrgeizig verfolgt.

„Unser Netzwerk, das meines Wissens nach einzigartig in der Bundesrepublik ist, hat bewiesen, dass eine Bekämpfung der Herkulesstaude möglich ist. Wir haben da Wahnsinnserfolge erzielt. Aber man ist nie fertig“, sagte Markus Schönmüller am Donnerstagvormittag beim jährlichen „Informationsaustausch zur Riesen-Bärenklau-Bekämpfung.“ 

Auf Einladung des Landkreises und des Netzwerk-Koordinators Markus Schönmüller kamen rund 50 Vertreterinnen und Vertreter von Städten und Gemeinden, der Landwirtschaft, den angrenzenden Landkreises Siegen-Wittgenstein und Schwalm-Eder, dem Naturschutzbund, Hessen-Forst, dem Fachdienst Natur- und Landschaftsschutz sowie Hessen-Mobil und dem Regierungspräsidiums Kassel im Kreishaus zusammen, um Berichte abzugeben und Strategien weiter zu entwickeln.

Jedes Jahr mehrere Einsätze

In vielen Gegenden haben die jährlich mehrmaligen Einsätze von Ehrenamtlichen, Bauhof-Mitarbeitern und Arbeitsmarktdienstleistern dazu geführt, die Massenbestände der gefährlichen „Heracleum mantegazzianum“ deutlich einzudämmen oder sogar ganz zu beseitigen.

Doch in anderen Gegenden wurde sie entweder schlecht bekämpft oder sie erlebte durch Hochwasser und dergleichen eine neue Verbreitung – und kann damit die bisherige Arbeit der anderen Kommunen rasch wieder zunichte machen. Besonders große Bestände haben sich den Berichten nach um Hatzfeld und Burg Reckenberg sowie um Allendorf und Battenberg entwickelt; an der Oberen Eder sei die Zahl der Pflanzen auf über 2500 explodiert. „Da führt nur Konsequenz zum Erfolg“, betonte Schönmüller.

Denn jede einzelne Pflanze der Herkulesstaude produziert bis zu 50 000 Samen, die bis zu 15 Jahre keimfähig bleiben können. Die werden nicht nur über den Wind verbreitet. Sie können auch schwimmen und so an Bachläufen und in Flusstälern schnell große Flächen besiedeln. „Auch die kleinste Pflanze, die stehen bleibt, verdirbt unseren Erfolg,“ macht Markus Schönmüller deutlich, „wie wichtig es ist, dass wir noch besser zusammenarbeiten, auch über Kreisgrenzen hinaus, und alles dafür tun, die Staude zu bekämpfen.“

EU-Liste: Hebel für Kommunen

Auch auf privaten Grundstücken stehen Herkulesstauden und können von dort ihr Ungemach verbreiten. Da können Kommunen im Kampf gegen die gefährliche Staude neuerdings einen Hebel ansetzen: Riesen-Bärenklau ist neu in die „Liste der invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung“ aufgenommen, das Bundesnaturschutzgesetz wurde entsprechend aktualisiert. Damit haben Kommunen nun eine rechtliche Grundlage, die Beseitigung der Staude zu fordern und auch durchzusetzen. Der Eigentümer ist in der Pflicht, die Pflanzen ordnungsgemäß zu vernichten und so zu entsorgen, dass sie keinen weiteren Schaden anrichten. Kommt er dem nicht nach, kann die Kommune die Beseitung in Auftrag geben und in Rechnung stellen. 

Landrat Dr. Reinhard Kubat hatte zur Veranstaltung begrüßt, Anna-Maria Pohl vom RP Kassel über die EU-Verordnung informiert.(md) 

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